Los Angeles verklagt Monsanto wegen Umweltschäden

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Los Angeles verklagt Monsanto wegen Umweltschäden

Von Nico Rau

  • County L.A. verklagt Bayer-Tochter Monsanto
  • Unternehmen soll verseuchte Gewässern mit reinigen
  • Vorwurf: Verschweigen der toxikologischen Wirkung von PCB
  • Hochgiftige Chemikalien wurden als Weichmacher eingesetzt

Es ist kein Ende der juristischen Auseinandersetzungen in Sicht: Das US-County Los Angeles wirft Monsanto vor, jahrzehntelang die Auswirkungen hochgiftiger PCB (Polychlorierte Biphenyle) auf Mensch und Umwelt verschwiegen zu haben. Die Chemikalien wurden bis in die 1980er Jahre beispielsweise als Weichmacher in Lacken und Kunststoffen verwendet.

Auch andere US-Kommunen klagen

Und die Kalifornier sind nicht allein. Zahlreiche weitere US-Landkreise wie San Diego, Baltimore, Seattle oder Oregon klagen ebenfalls gegen Monsanto. Allein Oregon fordert circa 100 Millionen US-Dollar Schadenersatz.

Im Bayer-Geschäftsbericht 2018 ist zu lesen, es gebe bereits eine Vielzahl von Klagen aufgrund von Gesundheits- und Vermögensschäden von Personen, verursacht durch PCB. Bayer zahlte 2016 nach eigenen Angaben in solchen Fällen 280 Millionen US-Dollar für Vergleiche.

Das "Dreckige Dutzend"

PCB gehören zu dem "Dreckigen Dutzend": Die zwölf Giftstoffe sind organische Chlorverbindungen und seit 2004 durch ein UN-Abkommen in fast allen Ländern weltweit verboten, weil sie im starken Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

PCB - Wo es uns betrift

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 09.01.2019 06:00 Min. Verfügbar bis 09.01.2024 WDR 5

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PCBs sind sehr langlebig. Sie gelangen durch Ausgasen oder unsachgemäße Entsorgung von Elektrogeräten in die Umwelt. Rückstände finden sich weltweit in Gewässern, und dadurch auch in Fischen und Walen. Aber ebenso im Boden und in Nutztieren wie Kühen. Auch im Fettgewebe von Menschen wurde PCB bereits nachgewiesen.

Sind die Ansprüche verjährt?

Bayer prüft die Klage aus L.A. und verweist darauf, Monsanto habe die Produktion von PCB vor über 40 Jahren freiwillig eingestellt. Der Konzern gehe davon aus, die Klagen seien haltlos.

Ein Argument der Verteidigung könnte die Verjährung der Ansprüche der Geschädigten sein. Im Bundesstaat Kalifornien gilt im Deliktrecht eine Frist von zwei Jahren innerhalb der ein Geschädigter Ansprüche geltend machen muss.

Aussicht auf Erfolg

Der US-Rechtsexperte und Umweltrechtler Kirk W. Junker von der Universität Köln geht davon aus, dass die Klage Erfolg haben wird. In der Anklageschrift brächten die Kläger gute Argumente vor, warum sie erst in den letzten zwei Jahren durch Monsanto "beschädigt" wurden.

Denn erst in diesem Zeitraum seien die Notwendigkeit und die Kosten für eine Sanierung von Gewässern und Abwassersystemen entstanden. Diese Klage könne zu einer neuen Fallstudie werden, so US-Rechtsexperte Junker.

Bayer in der Krise Westpol 07.04.2019 UT DGS Verfügbar bis 07.04.2020 WDR

Stand: 31.05.2019, 15:29

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