Umbau bei Thyssen-Krupp: Der Plan im Detail

Umbau bei Thyssen-Krupp: Der Plan im Detail

  • Ruhrkonzern Thyssen-Krupp wird deutlich kleiner
  • 20.000 Mitarbeiter sollen Konzern verlassen
  • Wieder Unsicherheit bei NRW-Stahlarbeitern

Thyssen-Krupp gehört zu den größten Arbeitgebern im Westen – und er steckt seit Jahren in der Krise. Jetzt soll eine harte Sanierung die Wende bringen. Dafür will sich der Stahl- und Industrieriese aus Essen von vielen Sparten und 20.000 Mitarbeitern trennen.

Selbst beim traditionsreichen Stahl gibt es keine Tabus mehr: Für Unruhe sorgt die Ankündigung, dass die Stahlwerke möglicherweise nun doch wieder mit einem Konkurrenten fusionieren könnten. Ein erster Versuch war im vergangenen Sommer am Veto der EU-Kommission gescheitert. Die Pläne im Überblick:

1. Was hat Thyssen-Krupp genau vor?

Thyssen-Krupp-Schild und Stop-Schild

Vorstandschefin Martina Merz hat dem finanziell angeschlagenen Unternehmen eine Art Gesundschrumpfen verordnet: Sparten mit 20.000 Mitarbeitern und sechs Milliarden Euro Umsatz sollen verkauft werden. Dazu zählen der Anlagenbau, die Produktion von Federn und Stabilisatoren für die Autoindustrie und ein Edelstahlwerk in Italien. Für weitere Bereiche wie die Bautechnik und das Grobblechwerk in Duisburg gilt: Findet sich kein Käufer, droht den Standorten sogar die Schließung. Für die Werften und die Stahlwerke wird nach Partnern gesucht.

2. Was bleibt vom Traditionskonzern?

Unklar. Wenn man alle Ankündigungen, Verkäufe und Stellenabbau zusammenrechnet, wird sich die Mitarbeiterzahl bei Thyssenkrupp von derzeit 160.000 etwa halbieren. Behalten will das Unternehmen nur Sparten mit Gewinnaussichten. Dazu gehören der Werkstoffhandel, der Bau von Teilen für Windanlagen sowie der größte Teil der Autozulieferersparte. Ob auch der Marineschiffbau und die Stahlwerke im Konzern bleiben oder mit Konkurrenten fusionieren, soll sich innerhalb des kommenden Jahres klären.

3. Was sagen Mitarbeiter und Gewerkschaften?

Die gute Nachricht: Der beschlossene Abbau von 6.000 Stellen wird vorerst nicht verschärft. Für die zum Verkauf stehenden Teile fordert die IG Metall Zusagen der neuen Eigentümer. Einer möglichen Fusion der Stahlsparte mit 28.000 Mitarbeitern will sie nur zustimmen, wenn es Garantien für Standorte und Mitarbeiter gibt. Dabei müsse Thyssenkrupp die Mehrheit behalten, fordert der Bezirksleiter der IG Metall NRW, Knut Giesler: „Thyssenkrupp kann nicht der Juniorpartner sein, Stahl ist die DNA des Unternehmens.“ Firmenchefin Martina Merz betont dagegen: Alle Optionen sind möglich, es gebe keine Denkverbote. Allerdings gilt eine Entscheidung gegen die Zustimmung der Gewerkschaft als unwahrscheinlich.

4. Bringt der Umbau jetzt die Trendwende?

Die Sanierung muss greifen, denn viele weitere Optionen gibt es nicht mehr. Den einzigen verlässlichen Gewinnbringer, die Aufzugsparte, hat Thyssenkrupp bereits notgedrungen verkauft. Das bringt einmalig 17 Milliarden Euro, um Schulden zu tilgen und zu investieren. Die Folgen der Corona-Krise haben den finanziell seit Jahren ausgezehrten Konzern allerdings zusätzlich geschwächt. Deshalb ist unklar, wie viel Geld am Ende übrig bleibt. Je länger die Pandemie dauert, desto schwieriger wird es für den Ruhrkonzern. Klar ist bereits, dass in diesem Jahr ein hoher Verlust anfallen wird, die Zahlungsfähigkeit sei aber gesichert.

Stand: 19.05.2020, 16:13

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