Was Thomas-Cook-Reisende jetzt wissen müssen

Thomas-Cook-Pleite: so nicht wieder Servicezeit 28.10.2019 05:18 Min. UT Verfügbar bis 28.10.2020 WDR Von Thomas Förster

Was Thomas-Cook-Reisende jetzt wissen müssen

  • Streit um Entschädigung von Urlaubern
  • Alle Reisen bis zum 31. Dezember 2019 abgesagt
  • Geld kann unter Umständen zurückgeholt werden

Auch einem Monat noch der Insolvenz von Thomas Cook ist noch unklar, mit welchen Entschädigungen Kunden rechnen können.

Pauschalreisende über Insolvenzversicherung geschützt

Seitdem Thomas Cook in Deutschland offiziell einen Insolvenzantrag gestellt hat, muss die Insolvenzversicherung für finanzielle Schäden der Kunden gerade stehen. Im Fall der Thomas-Cook-Pleite ist das die Zurich-Versicherung. Über sie sind vom Prinzip her alle Kunden abgesichert, die eine Pauschalreise gebucht haben. Das heißt, mindestens Hotel und Flug. Die Zurich hat den Dienstleister KAERA eingeschaltet, der sich um betroffene Kunden kümmert. Die Kontaktdaten stehen auf dem sogenannten Reisesicherungsschein.

Thomas-Cook-Pleite : "Katastrophe für die Branche"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.09.2019 04:47 Min. Verfügbar bis 25.09.2020 WDR 5

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Reicht das Geld?

Offen ist, ob die Versicherungssumme im Fall der Thomas-Cook-Pleite ausreicht, um alle Schäden komplett zu begleichen. Denn dafür stehen maximal 110 Millionen Euro zur Verfügung. Sollte die Summe nicht reichen, bekommen Kunden nur einen Teil ihres Geldes zurück. Laut "Bild am Sonntag" (27.10.2019) fehlen rund 400 Millionen Euro, um alle Urlauber zu entschädigen.

Unklar ist auch, ob der Staat belangt werden kann. Denn die gesetzlich vorgeschriebene Versicherungssumme ist trotz Inflation und Wachstum des Reisemarkts seit 1993 nicht angepasst worden. Das halten Gutachter des Bundestages für problematisch. Ob sich daraus möglicherweise ein Haftungsanspruch an den Staat ergebe, sei allerdings nicht abschließend zu beurteilen.

Nur einen Flug gebucht?

Wer nur einen Flug über den Veranstalter gebucht hatte und den wegen der Insolvenz nicht antreten konnte, ist über die Insolvenzversicherung leider nicht geschützt. Grundsätzlich können Kunden in dem Fall ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden. Die Praxis zeigt jedoch, dass sich der Aufwand häufig nicht lohnt. Allerdings gibt es noch andere Möglichkeiten sich das Geld zurückzuholen.

Abgesagte Reisen

Thomas Cook hat alle Reisen bis einschließlich 31. Dezember 2019 abgesagt (Stand 28.10.2019). Was mit Urlauben mit Abreisedatum ab dem ersten Januar 2020 passiert, ist offen.

Geld zurückholen - so funktioniert es

Viele Kunden fragen sich, ob sie jetzt nicht lieber bereits geleistete Zahlungen zurückholen sollen – anstatt auf die Insolvenzversicherung zu vertrauen. Oliver Beutler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht das so: Wenn der Veranstalter die Reise nicht durchführt, habe der seinen Teil des Vertrags nicht erfüllt. Deswegen hätten Kunden, deren Reise abgesagt wurde, vom Prinzip her das Recht, Anzahlungen zurückzufordern und geplante Zahlungen zu verweigern.

Anders sieht es aus mit Reisen, die noch nicht abgesagt wurden. Wer auch hier geleistete Zahlungen  zurückholt, muss damit rechnen, dass der Insolvenzverwalter später anklopft, um sie wieder einzufordern.

Je nachdem wie die Reise bezahlt wurde, haben Kunden unterschiedliche Möglichkeiten, sich das Geld zurückzuholen:

Kreditkartenzahlung

Wer per Kreditkarte bezahlt hat, kann versuchen, das Geld über das sogenannte Chargeback-Verfahren vom Kreditkarten-Unternehmen zurückbuchen zu lassen. Dazu wenden sich Kunden an ihre Bank, die die Kreditkarte herausgegeben hat oder direkt an das Kreditkarten-Unternehmen. Rückwirkend ist das Zurückbuchen in der Regel 120 Tage möglich. Allerdings informieren laut Stiftung Warentest mehrere Banken ihre Kunden falsch und lehnten ein Chargeback-Verfahren zunächst ab.

Lastschrift-Verfahren
Beim Lastschrift-Verfahren besteht in der Regel bis zu acht Wochen die Möglichkeit, Geld ohne die Angabe von Gründen zurückbuchen zu lassen.

Überweisungen
Ist das Geld einmal überwiesen, hat man als Kunde leider Pech gehabt. Eine Rückbuchung ist in der Regel nicht mehr möglich.

Stand: 28.10.2019, 11:32

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