Strom, Gas, Benzin: Warum alles teurer wird

Stand: 28.01.2022, 06:00 Uhr

Nie zuvor waren Strom, Heizen und Tanken so teuer. Das liegt vor allem an gestiegenen Rohstoffpreisen. Aber auch Politik, Profite und das Wetter spielen eine Rolle.

Von Jörg Marksteiner

Energie ist in den vergangenen Wochen richtig teuer geworden. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich auf höhere Kosten einstellen.

An der Börse hat sich der Strompreis 2021 verdreifacht. Kunden zahlen seit Jahresbeginn im Schnitt zwölf Prozent mehr, meldet der Branchenverband BDEW. Für einen durchschnittlichen Haushalt steigen die monatlichen Stromkosten von 94 auf 106 Euro.

Ähnliches Bild beim Gas: Im Schnitt zahlen Kundinnen und Kunden je nach Wohnung für neue Verträge jetzt 73 bis 83 Prozent mehr, heißt es in der gerade veröffentlichten BDEW-Gaspreisanalyse. Für Heizung und Warmwasser in einem Einfamilienhaus steigen die monatlichen Kosten damit von 118 auf 203 Euro.

Für diese Entwicklungen gibt es mehrere Gründe. Einige wären vermeidbar gewesen, glauben Fachleute.

Warum ist Strom so teuer geworden?
Hauptgrund sind die massiv gestiegenen Kosten für Kohle und Gas.

2021 wehte ungewöhnlich wenig Wind. Bei der Stromproduktion eingesprungen sind dann oft Kohle- und Gaskraftwerke, trotz ihrer teuren Brennstoffe. Das hat die Stromproduktion insgesamt verteuert. Denn an vielen Tagen waren Gaskraftwerke preissetzend an der Strom-Börse.

Außerdem benötigen fossile Kraftwerke – anders als die Erneuerbaren – auch CO2-Verschmutzungrechte. Diese sind, auch durch politischen Willen, ebenfalls teurer geworden: Im Jahresschnitt von 25 auf 52 Euro je Tonne CO2.

Die Kosten für den Stromeinkauf sind um 72 Prozent gestiegen. Sie machen am Ende zwar nur 38 Prozent des Endkundenpreises aus. Doch auch andere Kosten wie Netznutzung und Mehrwertsteuer sind gestiegen.

Ebenfalls preistreibend: Der höhere Strombedarf. Viele Menschen haben coronabedingt mehr Zeit zu Hause verbracht. Parallel fuhr die Industrieproduktion wieder hoch – der Stromverbrauch hat sich 2021 um etwa drei Prozent erhöht.

Warum ist der Gaspreis so gestiegen?
Der vergangene Winter war relativ kalt. Entsprechend leer waren die 47 unterirdischen Gasspeicher im Frühjahr 2021. Doch statt zügig nachzufüllen, haben viele Händler offenbar auf niedrigere Preise gewartet. Die zogen aber weiter an. Am Ende musste teurer als geplant gekauft werden, die Speicher blieben leerer als üblich.

Gleichzeitig war der Gasbedarf 2021 so hoch wie zuletzt 2006. Erst die Kälteperiode, dann die sprunghafte Nachfrage der Industrie – das hat viele Lieferanten offenbar kalt erwischt.

Es hakte auch bei der Belieferung: Viele Schiffe mit Flüssiggas haben Europa links liegen lassen und Asien angesteuert. Dort waren die Preise zeitweise noch höher. Einige Länder hatten Förderprobleme, weil Unwetter die Infrastruktur beschädigt hatten. Und Russland lieferte via Pipelines zuletzt weniger zusätzliches Gas nach Europa als erwartet. Spekuliert wird über politische Gründe.

Insgesamt machen die Beschaffungskosten rund 60 Prozent des Gaspreises aus – die Rekordpreise an der Börse schlagen damit für Endkunden stark durch. Dazu kommen die wieder auf 19 Prozent gestiegene Mehrwertsteuer und die gestiegene CO2-Abgabe.

Teures Tanken – woran liegt das?

An der Tankstelle haben sich vor allem Diesel-Fahrer die Augen gerieben: Sie mussten teilweise mehr als 1,70 Euro pro Liter zahlen. So viel wie nie zuvor. Die Gründe: Steigende Nachfrage, knappes Angebot, dazu Spekulationen, politische Spannungen und Förderprobleme. Dieser Mix hat den Rohölpreis auf den höchsten Stand seit 2014 getrieben. In der Folge sind auch Kraftstoffe wie Benzin, Diesel oder Heizöl teurer geworden.

Obwohl die Wirtschaft weltweit wieder mehr Öl nachfragt, wollen die 23 Staaten des internationalen Ölkartells Opec+ vorerst nicht mehr fördern als geplant. Eine künstliche Verknappung, die hohe Einnahmen verspricht. Analysten vermuten, dass einzelne Staaten aber auch technische Probleme haben, die zugesagte Fördermenge zu erreichen.

Ebenfalls macht sich an der Tankstelle die wieder gestiegene Mehrwertsteuer bemerkbar.

Strom, Gas, Benzin– wann wird es wieder günstiger?
Das wird dauern. Die Rekordpreise an der Börse sind erst einmal vorbei. Aber das Niveau bleibt hoch. Auch die langfristigen Einkaufspreise der Lieferanten sind gestiegen. Für Kunden bedeutet das: Sie müssen sich dauerhaft auf höhere Preise einstellen.

Bei Strom sind Neuverträge derzeit kaum unter 40 Cent/kWh zu haben, sagen Verbraucherschützer. Bestandskunden zahlen im Schnitt 36 Cent.

Auch Gas bleibt teuer: Flüssiggaslieferungen aus den USA haben die Lage zwar etwas entspannt. Auch der bislang milde Winter verhindert einen weiteren Preisanstieg. Aber deutlich sinken wird der Preis vorerst nicht, heißt es in der Branche.

An der Tankstelle sehen Rohstoff-Analysten keine Entspannung, eher im Gegenteil. Investoren erwarten derzeit eher steigende Preise.

Was tun, wenn der Energieversorger kündigt?

Hier und heute 27.01.2022 08:56 Min. Verfügbar bis 27.01.2023 WDR

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