Bis 2050: Thyssen-Krupp will klimaneutral werden

Bis 2050: Thyssen-Krupp will klimaneutral werden 02:39 Min. Verfügbar bis 09.07.2020

Bis 2050: Thyssen-Krupp will klimaneutral werden

  • Stahlindustrie will klimafreundlich werden
  • Konzern-Chef stellt Testanlage vor
  • Dünger und Treibstoffe aus Hochofengasen

Thyssen-Krupp-Chef Guido Kerkhoff präsentierte am Dienstag (09.07.2019) in Duisburg eine weltweit einmalige Testanlage, die aus Hochofengasen künftig weltweit neue Produkte für die Chemiebranche erzeugen kann. Über die Anlage können Methanol und Ammoniak aus den Hüttengasen erzeugt werden. Methanol könnte für grüne Treibstoffe genutzt werden, Ammoniak für Kunstdünger.

Thyssen-Krupp: In drei Jahrzehnten klimaneutral?

"Mit kleinen Anlagen muss man anfangen, die Machbarkeit beweisen, um dann zu sehen, wie man auf Dauer diese Technologie skalieren kann. Die Machbarkeit haben wir jetzt und jetzt werden wir auch an die Skalierung gehen und wir sehen auch an dem vielfachen Interesse aus dem Ausland an der Technologie: Die funktioniert nicht nur für uns, die funktioniert auch in anderen Ländern und Technologien", sagte Kerkhoff. Allerdings könne das Klimaziel bei Thyssen-Krupp erst 2050 erreicht werden.

Förderung durch Bundesforschungsministerin

Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) verfolgte den Vortrag des Branchenführers. Ihr Ministerium fördert die Forschungen für eine klimafreundlichere Stahlproduktion mit mehr als 60 Millionen Euro. "Wir wollen Industrieland bleiben und das müssen wir viel lauter sagen, dass wir über Innovation und Kreislaufwirtschaft stark bleiben, wo wir heute stark sind und trotzdem in der Welt die Dinge zu vermarkten, die wir hier innovativ nutzen", sagte sie. "Wir müssen beispielgebend sein, um die Innovation in der Welt voran zu treiben."

CO2-Ausstoß dauerhaft auf hohem Level

Das Werk von Thyssen-Krupp in Duisburg ist nach Angaben des Umweltbundesamtes die Industrieanlage mit den höchsten Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland. Nur die großen Braunkohlekraftwerke haben noch weit höhere Werte.

Während aber der Energiesektor seinen CO2-Ausstoß seit Jahren kontinuierlich gesenkt hat, ist in der Industrie nur wenig passiert. Die Emissionen der energieintensiven Industrie, zu der der Stahl zählt, hätten 2018 "auf dem hohen Niveau der Vorjahre stagniert", stellte das Umweltbundesamt im Frühjahr fest.

Greenpeace: Endlich tut sich was

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Ankündigung von Thyssenkrupp, den CO2-Ausstoß zu senken. "Endlich fängt auch die Stahlindustrie an, sich beim Klimaschutz nicht länger auf falschen politischen Anreizen wie Gratis-Emissionsrechten oder niedrigen Industriestrompreisen auszuruhen", sagte der Energieexperte der Umweltorganisation, Niklas Schinerl. Doch um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, "ist Klimaneutralität bis 2050 zu spät".

Lässt sich das Klimaziel im Alltag erreichen? Quarks 19.03.2019 04:07 Min. UT Verfügbar bis 19.03.2024 WDR Von Reinhart Brüning

Stand: 09.07.2019, 17:12

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