Muss NRW vor Trumps Strafzöllen zittern?

Muss NRW vor Trumps Strafzöllen zittern?

Von Fabian Wahl

  • US-Präsident Trump will Strafzölle auf Stahlimporte
  • NRW gilt als "Stahlland"
  • Unternehmen reagieren zurückhaltend

Was hat US-Präsident Trump angekündigt?

Getreu seinem Motto "America first", will Donald Trump die US-Wirtschaft vor Konkurrenz aus dem Ausland schützen. Deshalb plant er Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahleinfuhren und zehn Prozent auf Aluminiumimporte.

Wie ist die Stahlbranche in NRW aufgestellt?

Nordrhein-Westfalen gilt als Kernland der deutschen Stahlindustrie. Knapp 40 Prozent der deutschen Produktion werden hier hergestellt. Mehr als 47.000 Menschen sind in der Branche beschäftigt.

Wie wichtig ist der US-Markt?

20 Prozent der Stahlexporte aus Deutschland gehen in die USA. Damit sind die Vereinigten Staaten der wichtigste Markt außerhalb der EU. Für einzelne Firmen kann der Exportanteil in die USA auch noch deutlich größer ausfallen.

Wie hart würden die Strafzölle die Branche treffen?

Konzernzentrale von Thyssenkrupp

Die betroffenen Unternehmen sind im Moment eher zurückhaltend. Deutschlands größter Stahlkonzern Thyssenkrupp geht unmittelbar nur von geringen Auswirkungen aus. "Wir haben nur ein geringes Engagement in den USA", sagte ein Unternehmenssprecher am Freitag (02.03.2018) der Deutschen Presseagentur. Unter den Mitarbeitern gibt es allerdings Sorgen. Als letztmals Strafzölle verhängt worden seien, habe Thyssenkrupp enorme Einbußen gehabt, sagte ein Arbeiter dem WDR.

Der Aluminiumproduzent Hydro aus Grevenbroich erklärte, auf Ankündigungen der USA reagiere man grundsätzlich nicht. Ein Sprecher verwies auf viele Dependancen seines Unternehmens in den USA, die nicht von den Strafzöllen betroffen wären.

Der Stahlexperte der IG Metall, Heiko Reese, sagte im WDR, es sei noch nicht absehbar, wie dramatisch die Folgen sein werden. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Maßnahme auf jeden Fall Auswirkungen auf die Stahlbranche haben werde.

Strafzölle auf Metall: Sorge um Arbeitsplätze in NRW

WDR 5 Morgenecho - Interview | 02.03.2018 | 05:24 Min.

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Was wäre die mittelfristige Gefahr?

Die Rede ist von möglichen "Kaskadeneffekten". Neben Deutschland wäre vor allem China als Stahlproduzent betroffen. Wenn China seine Exporte von den USA nach Europa verlagern würde, könnte es eine "Stahlschwemme" geben, warnt unter anderen der Branchenverband. Denn der EU-Markt ist nicht durch Importzölle oder andere Handelshemmnisse beschränkt.

Gäbe es auch Gewinner?

Der Stahlhändler Klöckner & Co aus Duisburg, der als Bindeglied zwischen Stahlproduzenten und verarbeitenden Betrieben fungiert, liebäugelt sogar mit einem positiven Effekt. "Wir beziehen 95 Prozent des Stahls für unser US-Geschäft lokal", sagte ein Sprecher dem WDR. In den USA sei Klöckner & Co nicht auf Importe angewiesen. "Wenn die Marktpreise durch Strafzölle steigen, würden wir sogar kurzfristig profitieren."

Stand: 02.03.2018, 12:34

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