Hohe Spritpreise: Tanktourismus nimmt zu

Hohe Spritpreise: Tanktourismus nimmt zu

  • Hohe Preise und Lieferprobleme an NRW-Tankstellen
  • Autofahrer aus Grenzregionen tanken in Belgien und Holland
  • Niederländische Tankstellen werben um deutsche Kunden

Jahrelang lief es andersherum: Wer billig tanken wollte, fuhr aus den Benelux-Ländern ins nahe Deutschland. Doch nun hat sich die Lage geändert. Immer mehr Menschen fahren aus den Grenzregionen am Niederrhein zum Tanken in die Niederlande oder nach Belgien.

Vor allem Dieselfahrer können jenseits der Grenze ein Schnäppchen machen. Nach WDR-Informationen werben niederländische Tankstellen sogar in sozialen Medien explizit um deutsche Kunden - mit Spritpreisen pro Liter, die um 8 bis 10 Cent günstiger sind. Eine Stichprobe am Dienstagmorgen (13.11.2018) im niederländischen Venlo zeigt: Gut 50 Prozent der Kunden kommen aus Deutschland.

Beobachter des Energiemarktes wie der Energieökonom Steffen Bukold sehen als einen Grund für die unterschiedlichen Preise die derzeit schwierige Transportlage für Rohstoffe in Deutschland. Viele Tanklager, aus denen sich die Tanklaster den Sprit holen, um ihn zur Tankstelle zu fahren, werden per Schiff aus den Raffinerien beliefert. Das Problem: Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein können derzeit manche Tanklager nicht schnell genug aufgefüllt werden.

In der Folge steuern viele Lkw nicht die Tanklager, sondern direkt die Raffinerien an. Auf diesen Ansturm sind die aber nicht eingerichtet: Es kommt zu Warteschlangen, Verzögerungen, Logistikproblemen - und in der Folge zu höheren Preisen. Oder sogar zu Lieferengpässen: Mehrere Tankstellen in der Region Aachen waren in den letzten Tagen zeitweise leergelaufen.

"Schiffsverkehr in Mündungsnähe kaum eingeschränkt"

"Holland und Belgien haben da derzeit geografische Vorteile", so Energieexperte Bukold. Die Länder sind kleiner als Deutschland; die Tanklaster hätten entsprechend kürzere Wege zu den Lagern und Raffinerien. Außerdem mache sich der fehlende Regen am Unterlauf der Flüsse weniger stark bemerkbar, so Bukold: "Der Schiffsverkehr in Mündungsnähe ist kaum eingeschränkt."

Abhilfe kann allein der Regen schaffen: Ausgiebige Niederschläge würden den Wasserstand beispielsweise im Rhein wieder steigen lassen, der Fluss wäre für Transportschiffe wieder normal befahrbar. Laut Wettervorhersage ist damit in den nächsten Tagen aber nicht zu rechnen.

Stand: 13.11.2018, 13:54

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