Bauarbeiter in NRW leben gefährlich

Symbolbild: Dachdecker

Bauarbeiter in NRW leben gefährlich

  • 70 Prozent der NRW-Baustellen mangelhaft
  • Unternehmen sparen an der Sicherheit
  • Gewerkschaft fordert härtere Strafen

Auf vielen NRW-Baustellen herrschen laut einer aktuellen Untersuchung gravierende Sicherheitsmängel für die Arbeiter. Bei rund 70 Prozent der Baustellen seien bei einer Kontrolle Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften festgestellt worden, teilte das NRW-Arbeitsministerium am Dienstag (10.07.2018) mit.

Die Arbeitsschutzverwaltung des Landes hatte mehr als 400 Baustellen unter die Lupe genommen, vor allem solche mit hoher Absturzgefährdung wie beim Hochbau oder der Dach- und Fassadensanierung. Dort käme es sehr häufig zu schweren oder sogar tödlichen Abstürzen, hieß es zur Begründung.

Viele Gerüste nicht ausreichend gesichert

Knapp zwei Drittel der untersuchten Gerüste auf den Baustellen wiesen demnach Mängel auf, weil etwa der Abstand zum Gebäude zu groß oder das Gerüst nicht ausreichend verankert war. Auch Auffangeinrichtungen wie Netze bei Dacharbeiten würden häufig nicht den Vorschriften entsprechen. In 16 Prozent der Fälle wurden Bußgelder fällig.

Schlamperei als Wettbewerbsvorteil

Eine Überraschung seien die zahlreichen Sicherheitsmängel nicht, sagt Alexander Kostka von Bauverbände Westfalen in Dortmund. Angesichts des Preisdrucks in der Branche sparten viele Unternehmen bei der Sicherheit. "Damit verschaffen sie sich bewusst einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Unternehmen, bei denen alle Vorschriften eingehalten werden."

Kostka sieht auch die Kommunen in der Pflicht: "Wenn ein Unternehmen wegen schwerer Sicherheitsmängel ein Bußgeld zahlen muss, wird das auch ins Gewerbezentralregister eingetragen." Bei öffentlichen Aufträgen könnten solche Firmen künftig nicht mehr zum Zuge kommen, so ein Vorschlag. "Noch passiert zu wenig in dieser Richtung. Da stimmen wir mit den Gewerkschaften überein", sagt der Verbandssprecher.

IG Bau: Strafen zu milde

Für härtere Strafen plädiert auch Martin Koslowski von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau): "An der Sicherheit sparen darf sich nicht mehr lohnen", sagt der Branchensekretär für das Baugewerbe. Er fordert mehr Kontrollen, außerdem eine Anhebung der bisher noch relativ niedrigen Bußgelder. "Bei eklatanten Mängeln sollte eine solche Baustelle einfach stillgelegt werden. Die Strafen müssen richtig weh tun."

"Angesichts des hohen Zeitdrucks, den der gegenwärtige Bauboom auslöst, muss der Schutz von Gesundheit und Leben der Beschäftigten auf den Baustellen oberste Priorität haben", mahnte auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Stand: 10.07.2018, 17:01

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