Mehr Menschen in NRW sind überschuldet – trotz Booms

Mehr Menschen in NRW sind überschuldet – trotz Booms

Von Jörg Marksteiner

  • Jeder neunte Erwachsene in NRW hat Schuldenprobleme
  • 6.000 Fälle mehr als im Vorjahr – trotz Wirtschaftsbooms
  • Ältere immer öfter betroffen, Jüngere seltener
  • Hauptursachen: Trennung, Krankheit, Niedriglohn, Konsum

Rekordbeschäftigung, gestiegene Löhne – dennoch haben wieder mehr Menschen in NRW mit Schulden zu kämpfen. Insgesamt können 1,75 Millionen Verbraucher im Land nicht mehr regelmäßig ihre Rechnungen bezahlen. Das sind 6.000 Fälle mehr als 2018. Das steht im neuen "Schuldneratlas" der Auskunft Creditreform. Als überschuldet gilt, wer dauerhaft höhere Ausgaben als Einnahmen hat.

Mieten werden zum Schuldenrisiko

Krankheit, Sucht, Trennung, schlecht bezahlte Jobs, Arbeitslosigkeit, überzogene Einkäufe – das sind schon länger die Hauptgründe fürs Abrutschen in eine Schuldenspirale. Hinzu kommen die steigenden Mieten: "Wohnen ist zumindest in Großstädten zum Überschuldungsrisiko geworden", warnt der Report. Kritisch werde es, wenn mehr als 40 Prozent des Einkommens für die Miete draufgeht. Besonders betroffen sind Alleinerziehende.

Viele Probleme im Ruhrgebiet

Insgesamt liegt NRW im Vergleich der Bundesländer auf dem viertletzten Platz. Gemessen an den Einwohnern hat Bayern die wenigsten Verschuldungsfälle, Bremen die meisten. Von den zehn Städten mit der höchsten Schuldenquote kommen allerdings vier aus NRW: Herne, Wuppertal, Gelsenkirchen und Duisburg. In einzelnen Stadtteilen, sagen die Fachleute, seien mitunter 30 von 100 Einwohnern in Schwierigkeiten. Daran ändere auch die vergleichsweise gute Lage auf dem Arbeitsmarkt nur wenig.

"Überschuldung wird älter"

Als "erfreulich" werten die Fachleute, dass die "harte" Verschuldung bei den unter 30-Jährigen vielerorts deutlich gesunken ist. Gerichtsvollzieher, Pfändung, Zwangsvollstreckung – all das kam seltener vor. Rasant steigt dagegen die Zahl der verschuldeten über 70-Jährigen. Das Problem: Allein mit ihrer Rente hätten die meisten Senioren kaum eine Chance, ihre Schulden wieder loszuwerden.

Rechtzeitig Hilfe suchen

Auch deshalb empfehlen Schuldnerberater: Betroffene sollten bei Problemen nicht zu lange warten. Nur durch rechtzeitige Gespräche der Schuldnerberatung, etwa mit Vermietern und Gläubigern, könne ein ständig weiter wachsender Schuldenberg vermieden werden. Ein Warnzeichen sei beispielsweise, wenn das Girokonto dauerhaft im Minus ist.

Stand: 14.11.2019, 11:00

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