Reaktivierte Bahngleise: Mehr Schienenstrecken für NRW?

Pendler warten am Hauptbahnhof Dortmund auf einfahrende Regionalbahn

Reaktivierte Bahngleise: Mehr Schienenstrecken für NRW?

  • Über 30 Städte in NRW könnten von zusätzliche Bahnstrecken profitieren
  • Vor allem im Münsterland könnten alte Bahnstrecken reaktiviert werden
  • Deutsche Bahn will die Vorschläge prüfen

Nur einmal am Tag kommt der Bus, der nächste Bahnhof ist weit entfernt. Wer auf dem Land wohnt, kennt das Gefühl, teilweise von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Doch auch viele Kleinstädte haben keinen Zugang zum regulären Schienenpersonenverkehr, zum Beispiel Stadtlohn, Bergkamen und Delbrück.

Höchste Eisenbahn: Reaktivierung von Schienenstrecken

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 09.07.2020 03:16 Min. Verfügbar bis 09.07.2021 WDR 5 Von Thomas Wenkert

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Insgesamt gilt das für über 30 Städte in NRW. Deswegen fordern die "Allianz Pro Schiene" und die deutschen Verkehrsunternehmen, dass 60 Bahnstrecken im Land reaktiviert werden. Profitieren würden vor allem mittlere und kleine Städte in Nordrhein-Westfalen.

Die Verbände versprechen sich davon einen entspannteren Pendelverkehr. Besonders sinnvoll sei die Reaktivierung der Strecke: Münster - Sendenhorst, da im Münsterland die Verkehrsnachfrage stark zunehme. Weitere Strecken sind unter anderem:

  • Münster - Beckum - Warstein
  • Paderborn - Büren
  • Wesel - Oberhausen
  • Recke - Rheine - Coesfeld - Bocholt
  • Xanten - Kleve
  • Siegburg - Overath
  • Hattingen - Wuppertal Oberbarmen

Verantwortlich für die Maßnahmen wäre in vielen Fällen die Deutsche Bahn. Die verspricht: "Unsere Experten schauen sich alle Vorschläge an." Zu den einzelnen Strecken wolle man sich aber nicht äußern. Stattdessen will das Unternehmen demnächst einen Katalog mit eigenen Vorschlägen veröffentlichen.

Wiederbelebung wäre technisch machbar

Professor Nils Nießen leitet an der RWTH Aachen das Verkehrswissenschaftliche Institut. Nach seiner Einschätzung wäre es technisch aufwendig, aber möglich, die alten Strecken wieder in Betrieb zu nehmen: "Bei vielen Strecken muss die Infrastruktur saniert werden. Außerdem muss Sicherheitstechnik angepasst werden, also Signale, Stellwerke und Bahnübergänge." Ein größeres Problem könnten Tunnel und alte Brücken sein, die überprüft werden müssen.

Vielleicht Widerstand von Anwohnern

"Außerdem könnte die Akzeptanz von Anwohner in einigen Fällen schwierig werden", meint Nießen, zum Beispiel "wenn sich da jetzt jemand ein Haus an einer stillgelegten Bahnstrecke gebaut hat",

Maßnahmen sollen von Steuern bezahlt werden

Teuer würde eine Reaktivierung der 60 Strecken auf jeden Fall. Die Kosten sollen nach Wunsch der Fahrgastverbände aus der öffentlichen Hand übernommen werden. "Schienennetz und Bahnbetrieb müssen getrennt werden," sagt Detlef Neuß von Pro Bahn. "Das Schienennetz darf nicht danach betrieben werden, wie profitabel es ist."

Stand: 09.07.2020, 14:26

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