Warnstreiks an NRW-Unikliniken gehen weiter

Stand: 17.11.2021, 16:50 Uhr

Die Gewerkschaft Verdi hat am Dienstag ihre Warnstreiks im öffentlichen Dienst fortgesetzt. Auch die sechs Unikliniken in NRW sind betroffen. Eine Notfallversorgung ist sichergestellt.

Allein in NRW haben seit Dienstagmorgen bis zu 2.000 Tarifbeschäftigte an den Unikliniken gestreikt. Darüber hinaus sollen sich Beschäftigte von Universitäten, Hochschulen, Straßen NRW sowie IT NRW, Staatsanwaltschaften, Bezirksregierungen und Amtsgerichten an den Streikmaßnahmen beteiligen.

Im Gesundheitswesen sind die sechs großen Unikliniken in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster von dem Warnstreik betroffen - seit der Frühschicht. Die Notfallversorgung ist aber sichergestellt. Einige der Unikliniken hatten bereits angekündigt, Operationen, bei denen dies medizinisch vertretbar ist, zu verschieben.

Streikende versammeln sich vor Uni-Kliniken

Die Streikenden hatten sich am Morgen vor den Unikliniken versammelt oder waren durch die Städte gezogen, wie zum Beispiel in Düsseldorf. "Unterbezahlt, keine Pausen, Dauerstress" - stand auf einem großen Plakat geschrieben. Das fasst die Kritik der Mitarbeitenden an der Uniklinik Düsseldorf zusammen. Sie legen bis Mittwoch die Arbeit nieder.

Rund 400 waren auf einem Demozug durch die Stadt gezogen, das hatte auch für Behinderungen im morgendlichen Berufsverkehr gesorgt. An der Düsseldorfer Uniklinik können nicht alle Patienten wie vorab geplant aufgenommen werden. Der Grund: Die reduzierte Zahl von OP-Sälen reicht nur für die Versorgung von Notfallpatienten aus.

Essener Klinikchef sieht Warnstreiks kritisch

In Essen wurden zahlreiche Operationen abgesagt. Auch ambulante Termine können sich durch den Warnstreik verschieben. Der Essener Klinikchef Jochen Werner befürchtet, dass Patienten gefährdet werden können. Er könne "nicht nachvollziehen, dass zur Durchsetzung von Tarifforderungen ausgerechnet Universitätskliniken bestreikt werden, die gerade jetzt mitten in der Pandemie eine besonders wichtige Rolle spielen".

Denis Schatilow ist medizinisch-technischer Radiologie-Assistent an der Uniklinik Düsseldorf. Er sieht das anders und sagt: "Natürlich gibt es gerade viele Patienten, die von uns versorgt werden müssten. Der Normalzustand auf den Stationen ist fast noch gefährlicher, durch Überlastung, Dauerstress und immer wieder kurzfristige Ausfälle."

OPs in Aachen abgesagt

In Aachen haben sich seit dem Morgen etwa 100 Streikende vor der Uniklinik versammelt. Zum Beispiel Hilal Agkün: "Wir Auszubildenden werden seit der Pandemie als Vollzeitkräfte ausgenutzt. Und haben nicht einmal eine Coronaprämie erhalten". In der Pandemie war und ist das Krankenhaus-Personal besonders stark beansprucht. Die Gehaltserhöhung muss einfach kommen, erzählen die Streikenden unserem WDR-Reporter.

Die Klinik-Leitung rät Patienten, sich vor Behandlungen und Operationen zu erkundigen, ob diese stattfinden. Viele Menschen hätten wegen der Pandemie lange auf Eingriffe gewartet, deshalb wolle man nicht voreilig absagen. Sollte in einem OP-Saal Personal fehlen, würden die Beschäftigten an ihre Arbeit zurückkehren. Für solche Fälle hat Verdi eine Hotline eingerichtet. Im Laufe des Tages werden dann in Aachen doch mehrere Operationen abgesagt.

Hunderte Beschäftigte legen Arbeit nieder

Auch an den Unikliniken Münster, Köln und Bonn legen hunderte Krankenhaus-Beschäftigte ihre Arbeit nieder. In Münster gab es gegen acht Uhr eine Kundgebung an der Uniklinik, mit etwa 300 Mitarbeitenden, darunter überwiegend Pflegekräfte. Ab halb elf gab es auch eine Demonstration durch die Stadt. Bereits in der vergangenen Woche hatten die Beschäftigten von Universitätskliniken mit Warnstreiks auf ihre Probleme aufmerksam gemacht.

Tarifgemeinschaft: Forderungen unrealistisch

Vor zwei Wochen waren die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Ende November steht in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde an. Die Gewerkschaften fordern eine Einkommenserhöhung um fünf Prozent, mindestens aber 150 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Beschäftigte des Gesundheitswesens sollen monatlich 300 Euro mehr erhalten. Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hatte die Forderungen bislang als unrealistisch zurückgewiesen.

Verdi: Fehlende Wertschätzung

Verdi-Landesleiterin Gabriele Schmidt sprach hingegen von fehlender Wertschätzung seitens der Arbeitgeber: "Aufgrund des Personalmangels gehen viele am Stock oder haben den Beruf sogar aufgegeben. Es braucht deshalb nun ein klares Signal an die Arbeitgeber, diese dauerhaften Ausnahmeleistungen endlich anzuerkennen", wird sie in einer Mitteilung der Gewerkschaft zitiert.

Mitarbeiter frustriert

Teilnehmer und Teilnehmerinnen einer Kundgebung in Köln hatten sich frustriert über ihre Arbeitsbedingungen an der dortigen Uniklinik geäußert. Krankenpflegerin Yvonne Müller sagte dem WDR: "Ich wünsche mir mehr Wertschätzung, zusätzliches Personal und mehr Gehalt".

Der 61-jährige Pfleger Alexander Hoffmann forderte: "Ich will weniger Überlastung am Arbeitsplatz und die Möglichkeit, als Krankenpfleger früher als bisher in Rente gehen zu können."

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Beitrags hieß es, in Aachen seien keine Ops abgesagt worden. Wir haben den Text aktualisiert und den Fehler korrigiert.

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