Azubi-Mindestlohn kaum ein Thema für NRW

Auszubildende arbeiten an einer Werkbank

Azubi-Mindestlohn kaum ein Thema für NRW

  • Azubi-Mindestlohn in Höhe von 515 Euro soll eingeführt werden
  • Schrittweise Anhebung auf 620 Euro geplant
  • NRW-Azubis liegen schon heute meist über dem Mindestlohn

Wenn es nach Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) geht, sollen Auszubildende im ersten Lehrjahr mindestens 515 Euro monatlich erhalten.

Beim Deutschen Gewerkschaftsbund in NRW begrüßt man den Plan, der am Mittwoch (15.05.2019) im Kabinett beschlossen werden soll. "Besonders die Dynamik, die installiert werden soll, ist eine gute Sache", sagte DGB-Sekretär Eric Schley am Montag (13.05.2019) dem WDR.

So soll der Mindestlohn in den Folgejahren weiter steigen: Im Jahr 2021 auf 550 Euro, ein Jahr später auf 585 Euro und ab 2023 auf 620 Euro.

NRW-Durchschnittslohn liegt jetzt schon bei 735 Euro

Allerdings kritisieren die Gewerkschaften die geplanten Ausnahmeregeln. Denn Betriebe mit Tarifbindung sollen zunächst weiterhin Löhne unter dem Mindestlohn zahlen dürfen.

Davon sind jedoch nur wenige Branchen betroffen: Laut NRW-Arbeitsministerium verdienten Azubis im Jahr 2018 lediglich in fünf Berufen weniger als 515 Euro im ersten Lehrjahr:

Friseure bekamen 510 Euro, Raumausstatter 480 Euro, Orthopädieschumacher 450 Euro und Glaser 420 Euro. Schlusslicht waren Herrenschneider mit 165 Euro im Monat. Im Schnitt erhält ein Azubi laut Arbeitsministerium in NRW 735 Euro.

Auch bei Azubis ohne Tarifbindung gibt es derzeit schon Untergrenzen. So darf der Lohn laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts nicht weniger als 20 Prozent von den branchenüblichen Vergütungssätzen nach unten abweichen.

Fleischerverband: "Neue Regelung betrifft uns nicht"

Das betrifft zum Beispiel das Fleischereigewerbe - eine Branche, die eher gering entlohnt und seit Jahren aktiv Azubis suchen muss.

Um die Attraktivität zu steigern, zahlt man bei vielen Fleischern in NRW schon jetzt mehr als den zukünftigen Mindestlohn: "Unsere Azubis bekommen im ersten Lehrjahr 650 Euro, im zweiten 750 und im dritten 850", sagte Adalbert Wolf, Landesinnungsmeister des Fleischerverbandes NRW. "Die neue Regelung betrifft uns also gar nicht."

Mindestlohn nutzt zunächst vor allem Azubis in Ostdeutschland

Für die Arbeitgeber ist der geplante Mindestlohn ein "schwerer Eingriff in die gelebte Betriebs- und Tarifautonomie", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Er befürchtet, dass die Arbeitgeber im Handwerk wegen der steigenden Kosten weniger Ausbildungsplätze anböten. Auch die Friseurbranche warnte vor einem Absinken der Azubiquote.

Zunächst dürfte sich der Mindestlohn vor allem bei Azubis in Ostdeutschland bemerkbar machen. Dort liegen die Löhne zum Teil noch deutlich unter denen im Westen.

Stand: 13.05.2019, 13:19

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