Das Bild zeigt ein Elektroauto, das geladen wird.

Zu wenig Ladestationen für E-Autos: Wer keine Garage hat, muss suchen

Stand: 21.04.2022, 13:24 Uhr

Eine neue KfW-Studie zeigt, dass in NRW nur ein öffentlicher Ladepunkt auf 27 E-Autos kommt. Die meisten Besitzer laden deshalb ihre E-Autos zu Hause.

Wer sich im Oberbergischen Kreis bei Nümbrecht dazu entscheidet, ein E-Auto zu kaufen, hat schlechte Karten, wenn er sich keine eigene Ladestation zu Hause leisten kann.

In Nümbrecht gibt es nämlich nur zwei öffentliche Ladestationen - die nächsten Ladepunkte befinden sich im 16 Kilometer entfernten Much oder in Wiehl. Mal eben das Auto zum Laden abstellen und dann nach Hause, ist da kaum möglich.

Wie viele öffentliche Ladestellen gibt es?

Dieses Beispiel zeigt sich in einer Studie der KfW-Bank, die die öffentlichen Ladepunkte für E-Autos untersucht hat. Das Ergebnis: Ein Ladepunkt kommt in NRW auf 27 Autos, damit liegt Nordrhein-Westfalen unter dem Bundesdurchschnitt von 23 Autos pro Station.

In Deutschland scheint der Ausbau der Ladestationen nicht mit dem Zuwachs an Elektroautos Schritt zu halten. Nach einer Erhebung der staatlichen Förderbank KfW ist der Bestand an Elektroautos in den vergangenen beiden Jahren drei Mal schneller gewachsen als die öffentliche Lade-Infrastruktur. Im internationalen Vergleich hängt Deutschland hinterher.

Was sind öffentliche Ladestellen?

Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen öffentlichen und privaten Ladestellen.

Öffentliche Ladestellen sind zum Beispiel die Ladepunkte an öffentlichen Parkplätzen, an Straßenzügen oder an Parkboxen in Wohngebieten. Viele Energie-Unternehmen haben seit Anfang des Jahres zum Beispiel damit angefangen, massiv in Ladestationen zu investieren – also zum Beispiel an herkömmlichen Tankstellen, aber auch an Parkplätzen von Supermärkten.

Was sind private Ladestellen?

Private Ladestellen sind vor allem so genannte Wall-Boxen, also Stark-Strom-Ladestationen, die z.B. im Carport oder in der Garage installiert werden. Das gilt vor allem für Eigenheim-Besitzer oder Menschen, die ein bisschen Platz vorm Haus haben. Nach Angaben der Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft nutzen 85 Prozent der E-Auto-Besitzer die Ladestellen von zu Hause aus.

In den Innenstädten ist das natürlich ein Problem. In privaten Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern kann man theoretische Wall-Boxen aufstellen – aber es dürfen nicht zu viele Autos auf einmal laden, sonst wird das vorgesehene Strom-Kontingent überschritten. Wenn in einer Garage also zum Beispiel vier Wallboxen nebeneinander stehen, kann es sein, dass der Strom gedrosselt wird. Diese Wall-Boxen wurden bis vor kurzem übrigens von der KfW finanziell bezuschusst – diese Förderung ist jetzt aber ausgelaufen.

Warum werden private Ladestellen so viel häufiger genutzt?

Das ist ein bisschen wie das Henne-Ei-Prinzip. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sagt: Weil fast alle Menschen privat laden, ist die Infrastruktur der Ladestationen derzeit zwar nicht stark ausgebaut, sie ist aber ausreichend.

Man könnte aber auch sagen: Weil die öffentliche Infrastruktur bei Ladesäulen noch so schlecht ist, schaffen sich nur Menschen ein E-Auto an, die es auch selber zu Hause laden können.

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