Bus und Bahn gratis - jetzt in Luxemburg, morgen bei uns?

Ein Bus der Stadt Luxemburg fährt in der Innenstadt.

Bus und Bahn gratis - jetzt in Luxemburg, morgen bei uns?

Von Matthis Jungblut

  • Luxemburg führt Gratis-ÖPNV ein
  • So soll Nahverkehr attraktiver werden
  • Auch NRW hat mehrere Konzepte

Als erstes Land der Welt hat Luxemburg seit Samstag (29.02.2020) einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. In den Zügen und Stadtbahnen des Großherzogtums verbreiten Künstler mit Mini-Konzerten Partylaune. Eigentlich hatte der Gratis-Transport erst am Sonntag losgehen sollen. Wegen der Feiern am Samstag hat die Regierung entschieden, den Start vorzuziehen.

Was soll erreicht werden?

In erster Linie soll in Luxemburg der Autoverkehr entlastet werden. Das Großherzogtum gehört zu den vier Ländern der Welt mit der höchsten Autodichte pro Einwohner. Zehntausende Pendler aus Frankreich, Belgien und Deutschland kommen jeden Tag zum Arbeiten ins Land.

Der kostenlose ÖPNV ist aber nur ein Baustein. Gleichzeitig hat die Regierungskoalition ein Investitionsprogramm zur Entlastung des Pendlerverkehrs aufgesetzt: Radschnellwege, Park-and-Ride-Plätze und ausgebaute Straßen.

Insgesamt sollen künftig 600 Euro pro Einwohner in Züge und Infrastruktur investiert werden. Das ist acht Mal so viel wie in Deutschland.

Auch ein Modell für NRW?

Generell leidet NRW unter ähnlichen Problemen wie Luxemburg: Es ist Staubundesland Nummer Eins. NRW ist jedoch deutlich größer als Luxemburg mit seinen rund 500.000 Einwohnern. Ein flächendeckender Gratis-ÖPNV wäre erheblich teurer.

Alleine im Bereich des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) würde ein kostenloser Nahverkehr einen Ausfall von rund 1,3 Milliarden Euro bedeuten, sagte ein Sprecher des VRR. "Diese Mittel fehlen dann bei Investition und Betrieb." Die Ausfälle müssten Kommunen oder das Land stemmen.

Für NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst ist ein kostenloser Nahverkehr keine Option. In Bad Sassendorf hat er am Samstagnachmittag das CDU-Positionspapier "Zukunft der Mobilität in Westfalen und Lippe" vorgestellt. Busse und Bahn sollen dort eine deutlich größere Rolle spielen als bisher. Um das Angebot weiter ausbauen zu können, würden die Einnahmen aus Bus- und Bahnfahrkarten dringend gebraucht, erklärte der Minister.

Einen anderen Weg geht man hingegen in Monheim im Kreis Mettmann: Ab April wird das Busfahren in der 44.000 Einwohner Stadt kostenlos sein.

Für Pendler nach Düsseldorf oder Köln, die später in eine S-Bahn umsteigen müssen, halbiert sich somit der Fahrpreis. Die Mehrkosten übernimmt die Kommune, sie gehört zu einer der reichsten Gemeinden bundesweit.

Welche Alternativen gibt es?

Auch ohne einen kostenlosen Nahverkehr gibt es Möglichkeiten, den ÖPNV attraktiver zu machen. Bundesweit wird das derzeit in fünf Modellstädten erprobt. In NRW werden in Essen und Bonn zum Beispiel neue Busse finanziert, Tickets verbilligt oder neue Radstrecken eingerichtet. Der Bund stellt dafür 130 Millionen Euro zur Verfügung.

Auch die NRW-Landesregierung hat im vergangenen November eine "ÖPNV-Offensive" gestartet. Damit wird in die Erneuerung von Stadt- und Straßenbahnen und in die Reaktivierung von stillgelegten Schienennetzen investiert.

Stand: 29.02.2020, 18:55

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