Karstadt-Kaufhof: Die Angst vor der Leere in NRW-Innenstädten

Karstadt-Kaufhof: Die Angst vor der Leere in NRW-Innenstädten

Von Lars Faulenbach

  • Karstadt Kaufhof will viele Filialen in NRW schließen
  • Städte suchen Investoren und Immobilienentwickler
  • Schließungen in ganz Deutschland könnten Suche erschweren

Es war eine Liste des Schreckens, mit der der angeschlagene Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof Mitte Juni an die Öffentlichkeit ging: Insgesamt 62 Filialen in ganz Deutschland sollten schließen, darunter 18 in NRW, auch in Top-Lagen wie am Konzernsitz in Essen oder in Dortmund. Hinzu kommen 20 der 30 Filialen der Tochter Karstadt Sports, darunter Häuser in Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen. Allein in Dortmund geht es um 38.000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Auch Karstadt Sports schließt Filialen

Damit es nicht an vielen Orten in NRW zu Leerständen in den Toplagen der Innenstädte kommt, hat sich auch Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eingeschaltet: "Die Marken Karstadt und Kaufhof zählen zur DNA unserer Wirtschaftsgeschichte. Sie prägen zudem seit Jahrzehnten unsere Innenstädte," sagte er erst am Freitag (03.07.2020).

Einzelne Läden sollen doch offen bleiben

Offenbar mit Erfolg, denn Karstadt kündigte am Freitag an, sechs Standorte doch nicht schließen zu wollen, unter anderem Kaufhof in Leverkusen und Karstadt in Dortmund. Über die beiden anderen Standorte in Dortmund werde noch verhandelt, hieß es seitens der Stadt.

Damit geht an Dortmund ein Kelch vorbei, der viele andere Städte im Land noch treffen könnte. Die könnten Probleme bekommen, sagt der Chef-Wirtschaftsförderer der Stadt, Thomas Westphal: "Wenn der Eigentümer das so umsetzt, dass dann auf einen Schlag in ganz Deutschland Nachnutzungskonzepte gebraucht werden. Die Investoren stehen nicht Schlange."

Konkurrenz um Investoren

Das sieht auch Beate Hollbach-Grömig vom Deutschen Institut für Urbanistik so, zumal nicht nur Karstadt Kaufhof schließt, sondern auch anderen Einzelhändlern wie Esprit das Aus droht: "Wir werden in den nächsten Monaten sicher steigenden Leerstand in Innenstädten beobachten. Es ist auch nicht ganz einfach, eine Warenhaus-Immobilie nachzunutzen. Das hat sich schon gezeigt, als vor mehr als 15 Jahren Horten von Kaufhof übernommen wurde und Kaufhäuser aufgegeben wurden. Diese Immobilien sind groß, mit einer speziellen Innenausstattung, mehrstöckig."

Auch in Hamm stellt sich die Frage, was aus dem dortigen Kaufhof-Haus werden soll. Zusammen mit dem Eigentümer wolle die Stadt nach Investoren suchen, die dann ein schlüssiges Konzept entwickeln, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU): "Die Bandbreite geht von studentischem Wohnen über Hochschule bis hin zu altengerechtem Wohnen, mit einem ganz geringen Anteil an Einzelhandel."

Fehler der Vergangenheit vermeiden

Heinrich-von-Kleist-Forum in Hamm

In Hamm tut sich was am Standort des ehemaligen Horten-Kaufhauses

Vermeiden möchte der OB die Probleme, die es mit dem ehemaligen Horten-Kaufhaus gab, "das jahrelang aus Abschreibungsgründen da stand und vor sich hingammelte und verfiel". Die Stadt übernahm schließlich diese Immobilie, ließ das Gebäude abreißen und errichtete dort das Heinrich-von-Kleist-Forum unter anderem mit Stadtbücherei und VHS.

Vorsprung für Recklinghausen

Ein Stück weiter ist man in Recklinghausen. Dort steht das ehemalige Karstadt-Haus seit 2016 leer. Doch die Stadt fand einen Investor; das Gelände wird zum MarktQuartier umgebaut, so Bürgermeister Christoph Tesche (CDU): "Ich hätte Karstadt lieber hier behalten, aber wenn man sich die Situation jetzt anschaut, haben wir Glück gehabt, dass es uns damals getroffen hat." Denn das neue MarktQuartier soll zum Jahreswechsel fertig werden. Dann dürften viele andere Kommunen noch nach Investoren suchen.

Stand: 11.07.2020, 21:50

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