RWE-Aufspalter muss überraschend gehen

Peter Terium bei der Bilanzpressekonferenz  in Essen

RWE-Aufspalter muss überraschend gehen

Von Jörg Marksteiner

  • Peter Terium hatte den Energiemulti aufgespalten
  • Ökostromtochter Innogy ist wichtigster RWE-Gewinnlieferant
  • Abschied kommt völlig überraschend
  • Ärger wegen Kurseinbruchs und schlechter Zahlen

Was steckt hinter dem plötzlichem Abgang einer der prominentesten Wirtschaftspersönlichkeiten in Nordrhein-Westfalen? Fragen und Antworten zu den Hintergründen der Personalie Peter Terium.

Was genau ist und macht Innogy?

Innogy ist sozusagen der "grüne Teil" von RWE. Als Reaktion auf die Energiewende und finanzielle Probleme, hatte Peter Terium als damaliger Konzernchef den Essener Energiemulti aufgeteilt: in einen Kraftwerksteil (RWE) und eine Sparte mit Stromnetzen, Öko-Energie und Vertrieb (Innogy).

Im Jahr 2016 ging Innogy teilweise an die Börse. Das brachte dem Mutterkonzern RWE dringend benötigte Milliardeneinnahmen. Terium wechselte als Chef zu Innogy. Die Sparte gehört RWE noch zu 77 Prozent und ist der wichtigste Gewinnlieferant für den Konzern.

Warum muss Innogy-Chef Peter Terium gehen?

Offenbar wurden dem gelernten Controller ausgerechnet schlechte Zahlen zum Verhängnis. Vor einer Woche hatte Innogy eine Gewinnwarnung ausgesprochen – wegen anhaltenden Problemen im britischen Strom- und Gasgeschäft. Außerdem wollte Terium im kommenden Jahr mehr investieren und dafür einen geringeren Gewinn hinnehmen. Das kam bei den Anlegern nicht gut an: Die Aktien von Innogy und RWE stürzten ab. Gut möglich, dass Teriums Kritiker das zum Anlass nahmen, ihn grundsätzlich in Frage zu stellen.

Wie überraschend kommt die Trennung?

Völlig überraschend, vermutlich auch für ihn selbst. Sein Vertrag lief noch bis 2021. Erst vor wenigen Wochen hatte er über seine Pläne mit Innogy gesprochen. Für eine kurzfristige Entscheidung spricht auch, dass es noch keinen Nachfolger gibt.

Vorübergehend übernimmt Personalvorstand Uwe Tigges die Leitung – interessanterweise nicht Finanzvorstand Bernhard Günter, der fachlich stärker in der Thematik stecken dürfte. Das könnte ein Indiz sein, dass ein neuer Chef von außerhalb gesucht wird

Wie "freundschaftlich" ist die Trennung?

Auch wenn Innogy das behauptet: Es gibt starke Zweifel. Denn Terium geht "mit sofortiger Wirkung". Dazu kommt: Neben den üblichen Dankesworten sprach der Aufsichtsrat in der Mitteilung zum Abschied offen von der "Notwendigkeit eines höheren Stellenwerts der Kostendisziplin". Das darf als klare Kritik gewertet werden. Außerdem sollen sich die Investitionen stärker fokussieren. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass die Kontrolleure unzufrieden mit Teriums Kurs waren und zweifelten.

Was bedeutet das für die 42.000 Mitarbeiter?

Abgesehen von der Überraschung - vorerst noch nichts. Was sich hinter der angemahnten "stärkeren Kostendisziplin" konkret verbirgt, muss sich noch zeigen. Das wird dann auch davon abhängen, wer neuer Chef wird und welchen Auftrag er vom Aufsichtsrat bekommt. Anfang 2017 hatte es bereits Gerüchte gegeben, die Zahl der Innogy-Mitarbeiter könne mittelfristig auf rund 30.000 sinken. Das hatte sich zunächst nicht bestätigt.

Welche Bedeutung hat Innogy für die NRW-Städte?

Eine sehr große. Rund 120 Kommunen aus NRW, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sind aus historischen Gründen an RWE beteiligt. Die jährliche Dividende war jahrzehntelang eine wichtige Einnahmequelle für die Haushalte. Nach zwei Nullrunden in Folge erhalten sie 2018 insgesamt rund 200 Millionen Euro. Wie viel es künftig sein wird, hängt aber stark von Hauptgewinn-Lieferant Innogy ab.

Innogy-Chef Terium gibt auf

WDR 5 Profit - aktuell | 20.12.2017 | 03:26 Min.

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Stand: 20.12.2017, 09:40

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