Lohnt der Umzug ins Umland noch?

Landflucht oder Landlust? Servicezeit 15.04.2019 07:45 Min. UT Verfügbar bis 15.04.2020 WDR Von Stephan Creydt

Lohnt der Umzug ins Umland noch?

  • Wohneigentum wird immer teurer
  • Auch auf dem Land ziehen die Preise an
  • Zweistellige Preissprünge entlang der Rheinschiene

In den nordrhein-westfälischen Metropolen können sich viele Familien schon lange kein Wohneigentum mehr leisten. Viele ziehen deshalb auf das Land und nehmen längere Anfahrtswege in Kauf. Diese Strategie hat inzwischen offenbar die Runde gemacht: Laut "Wohnatlas 2019", den die Postbank am Montag (11.03.2019) vorstellte, steigen die Kaufpreise für Immobilien auch in den Kreisen, die an die Metropolen angrenzen, deutlich.

Regionen am Rhein mit Preissprüngen

So wurden im Rhein-Erft-Kreis, im Rheinisch-Bergischen Kreis, im Rhein-Kreis Neuss, im Rhein-Sieg-Kreis sowie in Mettmann im Jahr 2018 bei den durchschnittlichen Kaufpreisen die Zahl von 2.000 Euro pro Quadratmeter überschritten. Zum Teil wurden dort im Vergleich zum Vorjahr Preissprünge von elf bis zwölf Prozent verzeichnet. Damit sind die Preise dort mehr gestiegen als in Köln mit knapp sieben Prozent und Düsseldorf mit fast acht Prozent.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Mietpreisen. "Zuerst sind die Mietpreise in den Metropolen gestiegen. Jetzt haben wir den Trend, dass es sich auf das Umland ausweitet", sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbundes in NRW, Silke Gottschalk. Betroffen seien vor allem mittelgroße Städte in der Nähe von Metropolen.

Steigende Immobilienpreise, steigende Sprit- und Transportkosten beim Pendeln: Lohnt sich der Umzug ins Umland überhaupt noch? "Es lohnt sich weiterhin, auf das Land zu ziehen. Denn die Preise haben bei Weitem nicht das Level wie in den Großstädten", sagt der Verbandsdirektor von Haus & Grund Rheinland Westfalen, Erik Uwe Amaya, dem WDR. Die Kosten für das Pendeln zum Arbeitsplatz hätten noch nicht das Ausmaß, um die Differenz beim Kaufpreis aufzuzehren.

Fiktives Rechenbeispiel

Der Autokostenrechner des ADAC kommt zu folgendem Ergebnis: Ein Kleinwagen mit einem Neupreis von 21.500 Euro und einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern im Jahr kostet monatlich inklusive Wertverlust 560 Euro. Hochgerechnet auf 30 Jahre sind das rund 200.000 Euro. Andere "Kosten" sind hier noch nicht einberechnet. Diese betreffen den Gesundheitsfaktor durch Stress und die verlorene Zeit, die man woanders als im Auto oder Zug verbringen könnte.

Letztendlich ist es eine Kosten-Nutzen-Kalkulation, die an viele Faktoren geknüpft ist. "Es gibt keine einfache Antwort", sagt ein Sprecher des NRW-Bauministeriums. "In Altena ist die Lage anders als in Düsseldorf."

Ändern wird sich an der Situation wohl so schnell nichts. Seit Jahren steigt der Bedarf an Eigentum. Im Jahr 2014 lag laut den jüngsten Erhebungen des Statistischem Bundesamt die Quote der Menschen in NRW , die ihr eigenes Eigentum bewohnen, bei 42,8 Prozent. Zum Vergleich: Europaweit leben nur in der Schweiz weniger Menschen in den eigenen vier Wänden. Die höchste Quote hat Rumänien mit 96,8 Prozent.

Stand: 11.04.2019, 16:54

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