Handwerk: Chancen auch für seltene Gewerke

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Handwerk: Chancen auch für seltene Gewerke

  • Interview mit Professor Hans Jörg Hennecke, Geschäftsführer der HWK Düsseldorf
  • "Die Lage des Handwerks ist hervorragend"
  • Chancen für seltene Gewerke durch Digitalisierung

Wer zurzeit versucht, einen Termin mit einem Handwerker auszumachen, wird feststellen, dass das nicht so einfach ist. In vielen Gewerken boomt das Handwerk, die Umsatzzahlen steigen, die Karrierechancen gelten als sehr gut.

Porträt von Hans Jörg Hennecke

Hans Jörg Hennecke

Doch mit welcher Konkurrenz muss sich das Handwerk auseinandersetzen und wie sind die Aussichten für die Zukunft? Auskunft darüber erteilt Professor Hans Jörg Hennecke, Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf.

Herr Professor Hennecke, wie geht's dem Handwerk aktuell?

Professor Hans Jörg Hennecke: Die aktuelle Situation des Handwerks ist derzeit hervorragend. Die Auftragsreichweite und die Auslastung sind auf Rekordniveau, wir haben hohe Umsätze, und wir haben auch wieder steigende Beschäftigung im Handwerk.

Das merken Verbraucher dadurch, dass es vielfach schwierig ist, einen Handwerker zu finden.

Hennecke: Das stimmt. Viele Betriebe haben eher Schwierigkeiten, dass sie durch den Fachkräftemangel viele Aufträge nicht annehmen können. Das heißt, der Fachkräftemangel ist derzeit die wichtigste Wachstumsbremse im Handwerk. Aber insgesamt ist die Lage im Handwerk ganz hervorragend.

Trotzdem sind die Betriebe im jüngsten Konjunkturbarometer etwas skeptischer als in der Vergangenheit. Woran liegt das?

Hennecke: Es ist eine leichte Seitwärtsbewegung zu sehen. Das liegt daran, dass viele industrienahe Handwerksbetriebe die Eintrübung der Konjunktur etwas später merken als ihre Auftraggeber in der Industrie. Aber die Einschätzung ist ja nicht schlecht - sie ist erstmals seit neun Jahren nicht auf Rekordniveau, aber weiterhin positiv.

Wo droht den Betrieben in dieser Situation denn Konkurrenz?

Hennecke: Das Handwerk hat auch Konkurrenz, mit der es klarkommen muss. Das entscheidet aber vor allen Dingen der Verbraucher. Ob der Kunde zum Handwerksbäcker oder zum Handwerksmetzger geht und dort seine Produkte kauft oder ob er beim Backautomaten oder an der Discountertheke seine Brötchen und sein Fleisch erwirbt, das ist seine Entscheidung. Da können dem Handwerk auch Märkte verloren gehen, wenn der Verbraucher mehr auf den Preis als auf die Qualität achtet.

Trotz des Booms: Einige alte Handwerksberufe stehen vor dem Aus. Teilweise, weil Produkte nicht mehr nachgefragt werden, teilweise, weil es Konkurrenz aus dem Internet gibt. Wie können solche Handwerksbetriebe überleben?

Hennecke: Solche Handwerke können auf zwei Arten bestehen. Zum einen müssen die Handwerker versuchen, ihre Produkte als einzigartige Produkte darzustellen und zu entwickeln. Das ist die Chance, dass man etwas Einzigartiges und nichts von der Stange anzubieten hat.

Und zum zweiten können auch seltene, kleine Handwerke versuchen , die Chancen der Digitalisierung für sich zu nutzen und damit weit über ihren eigentlichen Bereich hinaus Kunden zu gewinnen, für ihr Produkt zu interessieren und ihr Produkt bekannt zu machen. Damit können sich ganz neue Märkte erschließen lassen.

Das Interview führte Peter Schneider

Übersicht: Altes Handwerk - vor dem Aus?

Stand: 07.08.2019, 00:00

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