Handel versichert: Kein Grund für Hamsterkäufe

Volle Regale mit Toilettenpapier

Handel versichert: Kein Grund für Hamsterkäufe

Von Jörg Marksteiner

Steigende Corona-Zahlen machen offenbar erste Kunden nervös: Der Verkauf von Klopapier zieht wieder an. Der Einzelhandel gibt sich aber entspannt.

  • Geschäfte verkaufen wieder mehr Klopapier
  • Keine flächendeckende Hamsterkäufe
  • Handel: Lager sind voll, Belieferung verbessert
  • Läden dürfen Abgabe-Menge aber begrenzen

Die steigenden Corona-Zahlen machen offenbar auch ein paar Verbraucher nervös. Ein Grund: In sozialen Medien machen Fotos von leeren Regalen die Runde. Erste Geschäfte haben zudem die Abgabemenge für einzelne Artikel wieder beschränkt. Gleichzeitig betonen alle großen Handelsketten: Für Hamsterkäufe gebe es keinerlei Anlass.

Klopapier wird öfter verkauft

Tatsächlich verkaufen viele Geschäfte aber wieder mehr Toilettenpapier. "Aktuell verzeichnen wir erstmals wieder einen leichten Anstieg", heißt es von Aldi-Süd. Auch Aldi-Nord, Kaufland und Lidl melden eine erhöhte Nachfrage. Bei Rewe und den 700 Filialen von Edeka Rhein-Ruhr heißt es dagegen, die Kunden kauften ein wie immer - auch in üblichen Mengen.

"Keine Welle wie im Frühjahr"

Eine zweite Welle von Hamsterkäufen ist nicht in Sicht. "Vorratskäufe wie im Frühjahr bleiben diesmal aus. Und das ist auch gut so, denn die Warenversorgung ist gesichert. Der Lebensmittelhandel ist wirklich gut vorbereitet", sagte Kaufland-Sprecher Rüdiger Teutsch dem WDR. "Unsere Lager sind voll, auch mit Klopapier. Und wenn jeder nur das kauft, was er braucht, ist genug für alle da." Auch der Bundesverband des Lebensmittelhandels versichert: "Es gibt keinen Grund, zusätzliche Vorräte anzulegen."

Frühwarnsysteme sollen Engpässe verhindern

Anders als im Frühjahr scheinen die Händler diesmal besser vorbereitet zu sein. Damals hatte es vor allem logistische Probleme gegeben, die Ware schnell genug in die Läden zu bekommen. Das soll sich nicht wiederholen. "Wir haben die Lagerbestände stark aufgebaut, so dass wir schnell und flexibel reagieren können", sagt dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer. "Wir haben andere Frühwarnsysteme. Wir gehen ganz anders in die zweite Pandemiewelle."

Ein Lagerraum mit vollen Palletten mit Klopapier

Auch Thomas Pauli, Supermarkt-Inhaber aus Solingen, hat festgestellt, dass wieder mehr Klopapier gekauft wird. Also hat er vorgesorgt und eine ganze Sattelschlepper-Ladung eingelagert, um auf alles vorbereitet zu sein. Sorgen, dass das nicht reicht, brauche sich niemand machen, sagt er in der Aktuellen Stunde: "Wer es bunkern möchte, bitte, muss jeder selber wissen, es ist nicht erforderlich meiner Meinung nach."

Viele Geschäfte werden jetzt öfter angefahren, heißt es von den Firmen. Und mit mehr Ware versorgt, sobald die Nachfrage steigt. Auch die Hersteller seien vorgewarnt, schnell nachproduzieren zu können.

Hamsterkäufe als psychologisches Problem

Trotz aller Entwarnungen und Appelle des Handels: Fachleute sehen beim Thema Hamsterkäufe auch einen psychologischen Effekt am Werk. Bilder und Berichte über leere Regale wecken bei Kunden demnach die Angst, selbst leer auszugehen – und verstärken damit das Phänomen der Hamsterkäufe. Auch deshalb werden in den Geschäften jetzt wieder mehr Schilder aufgestellt, dass bestimmte Artikel nur in "haushaltsüblichen Mengen" abgegeben werden.

Stand: 21.10.2020, 20:36

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