Gebrauchtwagen setehen in einer Reihe, ein Mann beugt sich über eine geöffnete Motorhaube

Darum sind Gebrauchtwagen teuer wie nie

Stand: 05.01.2022, 14:53 Uhr

Im vergangenen Jahr sind deutlich weniger Neuwagen zugelassen worden. Das treibt auch die Preise für Gebrauchtwagen in die Höhe.

Von Sebastian Moritz

Der Chipmangel macht den Autobauern weiterhin schwer zu schaffen. Weil wichtige Teile fehlen, stockt die Produktion und Kunden müssen teilweise mehr als ein Jahr auf einen Neuwagen warten. Im vergangenen Jahr registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt rund 2,62 Millionen neu zugelassene Pkw, das sind gut zehn Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Bereits im Vorjahr war die Zahl der Neuzulassungen um fast 20 Prozent zurückgegangen.

Die Lieferschwierigkeiten bei den Neuwagen machen sich auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt bemerkbar. Laut einer Analyse des Online-Verkaufsportals AutoScout24 waren im vergangenen Jahr rund elf Prozent weniger Gebrauchte auf dem Markt als noch ein Jahr zuvor.

"Wenn weniger Neuwagen in den Markt kommen, fehlen diese Fahrzeuge auch dem Gebrauchtwagenmarkt", sagt Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Außerdem mache sich bemerkbar, dass zuletzt weniger ausrangierte Dienstwagen und Mietfahrzeuge als junge und oft gut erhaltene Gebrauchtwagen verkauft wurden.

Interesse an Gebrauchtwagen wächst

Während das Angebot an Gebrauchtwagen sinkt, steigt die Nachfrage. "Manche Kunden, die sich eigentlich ein Neufahrzeug oder einen Vorführwagen kaufen wollten, weichen auf Gebrauchte aus, weil einige Hersteller astronomisch lange Lieferzeiten haben", so Peckruhn.

Das geringere Angebot und die höhere Nachfrage treiben die Preise für Gebrauchtwagen in die Höhe. AutoScout24 verzeichnete zuletzt einen historischen Preisanstieg von rund zehn Prozent innerhalb eines Jahres. Im Schnitt kostete ein Gebrauchtwagen im vergangenen Jahr demnach 22.841 Euro. Besonders deutlich war der Preisanstieg bei Kleinwagen und Fahrzeugen der Mittelklasse.

An den hohen Preisen für die Gebrauchten dürfte sich auch in den kommenden Monaten nur wenig ändern. "Mit einer kurzfristigen Belebung des Gebrauchtwagenmarktes ist nicht zu rechnen", sagt ZDK-Vize Peckruhn. Wichtig sei, dass wieder mehr Autos produziert werden, die Chipkrise werde hier jedoch noch bis in die zweite Hälfte des Jahres 2022 hinein für Probleme sorgen.

Trotz geringem Angebot genau hinschauen

Obwohl die Suche nach einem passenden Gebrauchtwagen schwieriger geworden ist, rät der Automobilclub ADAC, die Fahrzeuge vor dem Kauf genau unter die Lupe zu nehmen. Gerade bei älteren Modellen sei es wichtig, sich Nachweise über Wartungen und Reparaturen zeigen zu lassen und das Auto im Zweifel von Fachleuten überprüfen zu lassen.

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