Strom, Benzin und Gas: Was tun gegen steigende Energiepreise?

Strom, Benzin und Gas: Was tun gegen steigende Energiepreise?

Angesichts stark steigender Energiekosten fragen sich viele, wie sie den Winter überstehen sollen. Sind direkte Hilfen durch den Staat, wie sie die EU-Kommission am Mittwoch ermöglicht hat, die einzige Lösung?

Das Leben in Deutschland ist extrem teuer geworden. Verantwortlich sind vor allem die Energiepreise: Der Großhandelspreis für Erdgas stieg von Januar bis Oktober 2021 um rund 440 Prozent. Das lässt auch die Strom- und Heizkostenrechnungen von Haushalten steigen - wenn auch weniger dramatisch als im Großhandel. Laut dem Vergleichsportal Check24 sind die Stromkosten in Deutschland im September im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gestiegen. Fürs Heizen zahlten Verbraucher 33 Prozent mehr.

In anderen EU-Staaten wollen die Regierungen den Bürgern kurzfristig finanziell unter die Arme greifen, um soziale Härten abzumildern. Am Mittwoch erklärte die EU-Kommission, dies sei vorübergehend möglich - in Deutschland sind solche direkten Hilfen aber offenbar nicht geplant.

Steht uns also ein harter Winter bevor? Muss der Staat doch bald eingreifen? Oder gibt es Möglichkeiten, kurzfristig die Energiekosten im eigenen Zuhause auf ein erträgliches Niveau zu senken? Fragen und Antworten.

Warum steigen die Energiekosten aktuell so rapide an?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal ist die steigende globale Nachfrage nach Öl und Gas ein Zeichen für die Erholung der Weltwirtschaft nach dem Corona-Knick. Außerdem sind die Gas-Lagerbestände noch aus dem vergangenen Winter geleert und konnten noch nicht wieder aufgefüllt werden.

Schließlich werden seit Januar 25 Euro CO2-Steuer pro Tonne Kohlendioxid fällig, die beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Allerdings ist die CO2-Steuer nur für einen relativ kleinen Anteil der aktuellen Preissteigerung verantwortlich - im Vergleich zu den Einflüssen auf dem Weltmarkt.

Wann sinken die Preise wieder?

Das Bild zeigt Blick auf einen Zapfhahn mit dem neuen Bio-Kraftstoff E10.

Entspannung im April?

Das kann noch niemand mit Sicherheit sagen. Aktuell ist der Markt stark in Bewegung, es gibt massive Preisschwankungen von Tag zu Tag. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die hohen Energiepreise nicht von Dauer seien werden. Spätestens im April sei mit einer umfassenden Entspannung zu rechnen, heißt es.

Auf lange Sicht müssen die Deutschen allerdings mit höheren Energiekosten rechnen. Das liegt nicht nur an der in den kommenden Jahren steigenden CO2-Steuer. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet in ihrem aktuellen Bericht "World Energy Outlook" mit einer längeren Phase konstant hoher Energiepreise - auch weil weltweit zu wenig in alternative Energieformen investiert wird.

Wie reagieren andere EU-Staaten?

Frankreich hat beispielsweise eine Tarifbremse versprochen und will ärmeren Haushalten eine Energiebeihilfe von 100 Euro zahlen. Italien plant Investitionen von drei Milliarden Euro, um Haushalten einen Teil ihrer Strom- und Gasrechnungen zu erlassen. Eigentlich sind solche Hilfen innerhalb der EU wegen Wettbewerbsverzerrung verboten.

Am Mittwoch hat die EU-Kommission allerdings den Mitgliedsstaaten vorübergehend solche direkten Hilfen ausdrücklich erlaubt: Möglich seien zum Beispiel direkte Zahlungen, Steuererleichterungen und Subventionen für kleine Unternehmen.

Was hat Deutschland vor?

Bisher hält sich Deutschland bei den direkten Hilfen für Verbraucher noch zurück. Zur Begründung heißt es, dass die Preise hierzulande noch nicht so stark angestiegen sind, wie in anderen EU-Staaten. Außerdem seien bereits Entlastungen beschlossen worden, erklärte die Bundesregierung am Mittwoch: zum Beispiel eine Senkung der EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms aus staatlichen Mitteln.

Am Donnerstag wurde bekannt: Die Ökostrom-Umlage sinkt im kommenden Jahr von 6,5 auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde. Zur Senkung trägt auch ein Milliardenzuschuss des Bundes bei. Die Betreiber der großen Stromnetze wollen die Höhe der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz am Freitag bekanntgeben. Sie ist aber nur ein Bestandteil des Strompreises. In der Branche wird damit gerechnet, dass eine sinkende EEG-Umlage die Preise insgesamt stabilisiert. Auf der anderen Seite sind nämlich Beschaffungskosten, die die Energieversorger für Strom zahlen müssen, deutlich gestiegen.

Sozialverbände und andere Institutionen drängen auf kurzfristige Entlastungen der Verbraucher. Am Dienstagabend forderte zum Beispiel Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in den "Tagesthemen" eine Erhöhung des Wohngelds und ein Verbot von Gassperren in diesem Winter.

Was kann jeder Einzelne tun, um die Kosten zu senken?

Das Bild ziegt ein Lkw mit Heizöl.

Besser öfter bestellen?

Wer jetzt noch Heizöl kaufen muss, kann zum Beispiel auf sinkende Preise in der Zukunft hoffen und den Tank nicht komplett füllen. Bei kleineren Bestellmengen wird zwar in aller Regel ein Aufpreis erhoben. Angesichts der hohen Marktpreise könnte sich eine erneute Bestellung in einigen Monaten dennoch lohnen, sagt der Bund der Energieverbraucher.

Der Deutsche Mieterbund empfiehlt außerdem den Einbau von programmierbaren Thermostaten mit Nachtabsenkung, die den Verbrauch merklich senken können. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, den Strom- und Gaslieferanten zu wechseln und so zumindest im ersten Jahr von Neukunden-Boni zu profitieren.

Stand: 14.10.2021, 19:37

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