Tankst Du noch oder lädst Du schon?

Ein Elektroauto wird in Düsseldorf an einer Ladestation geladen

Tankst Du noch oder lädst Du schon?

  • Bundeskanzlerin will eine Million Ladestationen für E-Autos
  • Derzeit lediglich 21.000 Stationen bundesweit
  • Probleme mit Sofware und Zahlungssystemen
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E-Autos gibt es in Deutschland noch nicht viele, und dementsprechend schlecht ist das Ladenetz ausgebaut. Wieso, so denken viele, sollte ich mir ein Elektroauto kaufen, wenn ich es nirgendwo laden kann? Das will die Bundesregierung ändern. Am Montagabend (04.11.2019) sind deshalb Vertreter von Bundesregierung, Autoindustrie und der Gewerkschaft IG Metall im Bundeskanzleramt zusammengekommen. Ihr Ziel: Bis 2030 soll es eine Million öffentliche Ladestationen geben.

Wer alles vom E-Ausbau profitieren würde

Von diesem enormen Ausbau würden wohl viele profitieren: Die Autohersteller, weil nur dann E-Autos gekauft werden, wenn man sie auch laden kann. Die Städte und Kommunen, in der Hoffnung, dass die Schadstoffbelastung abnimmt. Die Industrie, die gezwungen ist, Milliarden in die E-Mobilität zu stecken, um die strengeren EU-Vorgaben einzuhalten.

Umbruch der Auto-Industrie: VW startet E-Autos

WDR 5 Morgenecho - Interview 04.11.2019 04:37 Min. Verfügbar bis 03.11.2020 WDR 5

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Und nicht zuletzt wird auch die Bundesregierung alles daransetzen, das Ziel von einer Million Ladestationen zu erreichen. E-Mobilität ist schließlich ein wichtiger Punkt, um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen. Dafür wird bis 2030 eine Zahl von sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland als notwendig angesehen – die dann von den besagten eine Million Stationen geladen werden sollen.

Davon ist man derzeit noch weit entfernt. Aktuell gibt es in Deutschland laut Verkehrsministerium rund 21.000 öffentliche Ladestationen - für ungefähr 220.000 zugelassene E-Autos.

Experte hält Flächendeckung für realistisch

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch-Gladbach hält eine flächendeckende Infrastruktur bis 2030 trotzdem für realistisch: "Aber man muss jetzt viel mehr Initiative ergreifen, damit es nicht nur eine Dichte von Ladestationen gibt, sondern dass es auch eine Verlässlichkeit gibt, dass diese Ladestationen auch frei sind und dass sie funktionieren." Ein großes Problem sei derzeit, dass Ladestationen nicht funktionierten, "weil die Software nicht mit dem Auto zusammenfunkt".

Kein einheitliches Bezahlsystem

Und es gibt noch mehr zu tun: Das Bezahlen an den Ladestationen ist deutschlandweit nicht einheitlich geregelt. Eine Kreditkarte für alle Ladestationen gibt es nicht. Im Zweifel braucht man vier oder fünf verschiedene Plastikkärtchen.

Auch die Stromtarife sind von Region zu Region unterschiedlich – das erkennt man aber nicht sofort. Eine weitere Baustelle ist die Netz-Überlastung: E-Ladestationen sind schnell gebaut, aber dann müssen auch die Stromleitungen da sein. Die Zahl von einer Million öffentlichen E-Ladestationen bis 2030 klingt zunächst gut. Aber erfolgreich ist das Ganze nur dann, wenn das Vorhaben auch bis ins Detail durchdacht wird.

Geld vom Land für Steckdosen

Das Land NRW fördert die Einrichtung von privaten Ladepunkten in der eigenen Garage oder an einem festen Stellplatz. Mit bis zu 50% der Ausgaben und maximal mit 1000 € je Ladepunkt. Zusätzlich zur Ladesäule oder Wallbox werden auch zum Beispiel Platzmarkierungen, Netzanschluss oder Tiefbau gefördert. Voraussetzung: Ladestrom aus erneuerbaren Energien oder aus vor Ort (selbst) erzeugtem Ökostrom.

Stand: 04.11.2019, 12:59

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1 Kommentar

  • 1 Roman 05.11.2019, 12:55 Uhr

    Das Problem muss jetzt auch dringend gelöst werden, auf 10 E-Autos nur eine Ladestation. Wenn dann im Jahr 2030 EINE Million E-Autos zugelassen sind, dann sieht das Verhältnis von E-Autos zu Ladestation viel besser aus. 1 E-Auto = 1 Ladestation. Perfekt.

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