Darum steigen die Gaspreise

Darum steigen die Gaspreise

Für viele Haushalte und Unternehmen ist es keine gute Nachricht: Der Winter naht, doch die Preise für Erdgas an den Großhandelsbörsen befinden sich im Höhenflug. Viele Verbraucher fragen sich, was das für die nächste Heizkostenabrechnung bedeutet.

Warum steigen die Gaspreise?

Der Anstieg der Gaspreise im Großhandel liegt vor allem daran, dass die Wirtschaft in vielen Regionen der Welt nach der Corona-Krise wieder besser läuft. Dadurch ist die Nachfrage nach Energie und damit auch nach Erdgas weltweit gestiegen – besonders in China. Gleichzeitig ist aber das Angebot aus unterschiedlichen Gründen knapp. Deswegen steigen die Preise.

Steigen dadurch automatisch die Gaspreise für Haushalte?

Nicht zwangsläufig, denn die Gaspreisexplosion findet zunächst an den Großhandelsbörsen statt. Das ist der Ort, an dem die Energieversorger Gas für ihre Kunden einkaufen. Um extreme Preisschwankungen zu vermeiden, kaufen viele Versorger das Gas für ihre Kunden jedoch teils Jahre im Voraus ein. Das bedeutet: Es hängt von der Einkaufsstrategie der Versorger ab, wann und in welchem Ausmaß sie die gestiegenen Einkaufspreise an ihre Kunden weitergeben. Bei den Grundversorgern, die zum Herbst ihre Preise erhöht haben, lag das Plus im Durchschnitt bei rund zwölf Prozent. Dadurch würden die Heizkosten für ein Einfamilienhaus um fast 200 Euro im Jahr steigen, melden Vergleichsportale.

Was treibt die Heizkosten denn sonst noch in die Höhe?

Der Einkaufspreis für Gas ist nicht der einzige Kostentreiber für Haushaltskunden. Denn auch die neue CO2-Abgabe dürfte sich bei den Heizkosten bald bemerkbar machen und ebenso die gestiegenen Netzentgelte. Das sind die Gebühren, die Netzbetreiber fürs Durchleiten von Gas erheben.

Wie setzt sich denn der Gaspreis für Haushalte zusammen?

Der Einkaufspreis für Gas sowie die Kosten für Vertrieb und die Marge für den Versorger machen etwa die Hälfte der Heizkosten für die Kunden aus. Ein Viertel entfällt auf die Netzentgelte und ein weiteres auf den Posten "Steuern und Abgaben". Diese Verteilung ergibt sich in etwa aus dem Monitoringbericht 2020 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt.

Welche Rolle spielt Russland bei den hohen Gaspreisen?

Umstritten ist die Rolle Russlands in der Gaspreiskrise. Zwar verweisen der russische Staatskonzern Gazprom, die Bundesregierung und westliche Großkunden darauf, dass alle langfristigen Lieferverträge erfüllt würden. Kritiker sagen jedoch, dass Russland nicht so viel Gas liefert, wie es liefern könnte. Das Ziel dahinter sei Druck aufzubauen, damit die umstrittene Gaspipeline Nordstream 2 schneller in Betrieb geht. Fakt ist: Etwa die Hälfte des Gas in Deutschland stammt aus Russland.

Wann sinken denn die Gaspreise wieder?

Das lässt sich schwer vorhersagen und hängt auch davon ab, wie sich das Angebot entwickelt. Den Winter über könnten die Gaspreise aber durchaus hoch bleiben.

Was tun, wenn der Energieversorger den Gaspreis erhöht?

Spätestens wenn der Versorger höhere Preise ankündigt, ist es ein guter Zeitpunkt, Tarife und Preise am Markt zu vergleichen. Relativ einfach geht das mit Vergleichsportalen wie Verivox und Check24. Dabei immer auf Voreinstellungen in der Suchmaske achten und den Filter anpassen: zum Beispiel nur Verträge mit einer Laufzeit von einem Jahr wählen und auf kurze Kündigungsfristen von bis zu vier Wochen achten. Aufpassen sollten Wechselwillige bei Tarifen, die mit einer hohen Bonuszahlung werben. Denn die sind oft nur im ersten Jahr günstig und im zweiten Jahr teuer. Zurzeit können sich auch Tarife mit einer Preisgarantie lohnen. Um preislich sicher über die Heizperiode zu kommen, empfiehlt die Verbraucherzentrale NRW eine Bindung von etwa sechs Monaten.

Gasanbieterwechsel: Geldsparen leicht gemacht Hier und heute 18.10.2021 15:34 Min. Verfügbar bis 18.10.2022 WDR

Stand: 22.10.2021, 06:44

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