Corona-Krise: Unternehmen stellen Produktion um

Mitarbeiter des Essener Klinikums nähen Atemschutzmasken

Corona-Krise: Unternehmen stellen Produktion um

Von Peter Hild

  • Freie Kapazitäten nach Auftragseinbußen
  • Produktionshilfe zwischen den Firmen
  • Mehr Unternehmen stellen Schutzmasken her

Immer mehr Unternehmen in NRW, denen in der Corona-Krise Aufträge weggebrochen sind, stellen ihre Produktion auf dringend benötigte Medizinartikel oder Lebensmittel um. Vor allem in der Textilbranche und bei Automobilzulieferern versuchen die Unternehmen freie Kapazitäten zu nutzen. Das führt zu manch ungewöhnlicher Verbindung.

Produktionshilfe zwischen Unternehmen

In Krefeld produziert die Eismanufaktur Glyklich jetzt plötzlich Nudeln für den lokalen Edeka-Supermarkt. "Ich hätte meine Mitarbeiter sonst in Kurzarbeit schicken müssen", sagt Geschäftsführer Ralph Höfges. Stattdessen unterstützen die Beschäftigten nun die stressgeplagten Verkäufer im örtlichen Supermarkt und stellen Nudeln über eine kurzfristig organisierte Produktionsmaschine her.

In Ostwestfalen liefern jetzt mehrere Firmen Desinfektionsmittel für öffentliche Einrichtungen, etwa der Getränkevertrieb MBG in Paderborn. Er hat seine Produktion zum Teil umgestellt und stellt jetzt vorerst 10.000 Liter zur Verfügung. Ähnlich das Chemie-Unternehmen Jowat in Detmold: Anstatt Klebstoffe für die Industrie herzustellen, werden dort Flächen- und Hautdesinfektionsmittel für den Kreis Lippe gespendet.

Firmen stellen um auf Schutzmasken

Zwei Ärzte in Schutzanzügen und mit Schutzmasken in einem Patientenzimmer

Zwei Ärzte behandeln Corona-Patienten

Vor allem Unternehmen aus der Automobil- und Textilbranche wollen mittlerweile die stark gefragten Schutzmasken herstellen und stellen dafür ihre Produktion um. Dazu gehört unter anderem ein Herrenausstatter aus Essen sowie der Automobilzulieferer DFA in Bielefeld. Der Maschinenbauer Reifenhäuser aus Troisdorf produziert seit ein paar Tagen Vlies, das das Ausgangsmaterial für alle Arten von medizinischen Atemschutzmasken ist.

"Heute haben mehrere Unternehmen dazu bei uns angefragt, was dabei zu beachten ist", berichtet Hans-Jürgen Hacks von der IHK in Essen. Für Schutzmasken gelten normalerweise strenge Zertifizierungsvorschriften, die in der aktuellen Lage aber von der EU gelockert worden seien, so Hacks. Das Düsseldorfer Unternehmen Nucleus ist nach eigenen Angaben bereits dabei, vollautomatische Maschinen für die Produktion von Atemschutzmasken herzustellen.

Metallindustrie - Friseure - Osterferien - Masken statt Autos 20.03.2020

WDR 5 Profit 20.03.2020 25:26 Min. Verfügbar bis 20.03.2021 WDR 5

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Stand: 26.03.2020, 18:52

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