IHK gibt Unternehmen Brexit-Tipps

IHK gibt Unternehmen Brexit-Tipps

Von Wolfgang Landmesser

  • IHK Duisburg informiert über Brexit-Fallstricke
  • automatisches Zollabwicklungssystem kann Kosten sparen
  • höherer Kostendruck auch durch Kunden 

Ein harter Brexit wäre auch für die Wirtschaft ein schwerer Schlag. Um ein halbes Prozent könnte die Wirtschaftsleistung sinken, hat der Bundesverband der Deutschen Industrie am Dienstag (26.02.2019) vorausgesagt.

Auch in Nordrhein-Westfalen sind viele Firmen betroffen, die Waren nach Großbritannien liefern. Rund 30 Tage vor dem Austrittstermin hat die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer (IHK) in einem Seminar darüber informiert, auf was die Unternehmen jetzt dringend achten sollten.

System für vereinfachte Zollverfahren

"Wenn Sie sich nicht auf den Brexit vorbereiten, drohen schwerwiegende wirtschaftliche Folgen", warnt Zollexperte Mark Scheffels die Firmenvertreter im fast vollbesetzten Saal der Duisburger IHK. Ganz wichtiges Thema für Firmen mit Großbritannien-Geschäft: die Anmeldung beim automatischen Zollabwicklungssystem Atlas. Firmen könnten darüber zum Beispiel vereinfachte Zollverfahren beantragen, sagt Referent Scheffels.

Teurer als im EU-Binnenmarkt wird das aber auf jeden Fall. Deswegen müssen sich die Firmen auch Gedanken machen, wie sie die Preise für ihre britischen Kunden neu kalkulieren.

Vorsicht, Kostenverschieber!

Vor allem kleinere Unternehmen müssten aufpassen, dass ihnen nicht zusätzliche Kosten aufgehalst werden, warnt Brexit-Experte Scheffels. So könnte ein Autohersteller, der die Teile seiner Zulieferer bisher nach England mitgenommen hat, jetzt darauf bestehen, dass sich die Zulieferfirma um den Transport kümmert. Der Zulieferer müsste dann die Kosten für den Zoll tragen, das Geschäft könnte dadurch unrentabel werden.  

Liefertermine werden kritisch

Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer am IHK-Brexitseminar haben schon einiges unternommen. Dass Großbritannien aus der EU austreten will, sei natürlich ein Schock gewesen, sagt Sabrina Aden vom Wärmeanlagenhersteller Ipsen in Kleve. Aber inzwischen sei die Firma mit dem Atlas-System gut aufgestellt für den bevorstehenden Austritt.

Dennoch gebe es noch offene Fragen, zum Beispiel beim Thema Lieferfristen: Maximal eine Woche dauert es derzeit, bis eine Lieferung bei einem Kunden in Großbritannien ist. Durch die bevorstehenden Grenzkontrollen könnte sich das deutlich verlängern. Wenn die Firma die Liefertermine nicht einhalten könne, habe das Konsequenzen – etwa in Form von Vertragsstrafen. 

Mark Scheffels Eindruck vom Brexit-Vorbereitungsstand der deutschen Firmen: "Sehr gemischt". An möglichst alle Fragen zu denken, könne jedenfalls nicht schaden. Auch wenn die Vertragsparteien noch etwas aus dem Hut zaubern sollten, schärft der Experte den Firmenvertretern zum Abschied ein.

Brexit - Auswirkungen für deutsche Unternehmen

WDR 5 Profit - aktuell 26.02.2019 05:00 Min. Verfügbar bis 26.02.2020 WDR 5

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Stand: 26.02.2019, 17:23

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