Brexit: NRW-Handel mit Großbritannien leidet schon jetzt

Regenschirme und GB-Flagge im Wind vor Westminster

Brexit: NRW-Handel mit Großbritannien leidet schon jetzt

Von Wolfgang Landmesser

  • Ausfuhren und Einfuhren sind deutlich gesunken
  • Vor allem die Autoindustrie ist betroffen
  • Neuansiedlungen von britischen Firmen in NRW steigen

Arndt Kirchhoff fühlt sich Großbritannien verbunden. Er habe immer gerne Geschäfte mit den Briten gemacht und schätze sie auch persönlich, sagt der Chef des Autozulieferers Kirchhoff Automotive aus Iserlohn. Aber der Kurs Richtung Brexit hat ihm die Stimmung verhagelt – und das Geschäft: "Wir haben über Nacht viel Geld verloren", sagt Kirchhoff, der auch Präsident des nordrhein-westfälischen Unternehmerverbandes ist.

Angst vor Zollkontrollen

Das Pfund wertete gegenüber dem Euro ab, und Kirchhoff hat weniger verdient – etwa mit Müllfahrzeugen, die Kirchhoff in Großbritannien verkauft. Jetzt ist die große Frage, wie der Brexit genau ablaufen wird. Am meisten fürchtet Autozulieferer Kirchhoff, dass es in Zukunft Zölle auf seine Produkte geben könnte. Das wäre ein heftiger Schlag, denn die Produktion in der Fahrzeugindustrie ist eng miteinander verflochten. Durch Zollkontrollen würden die Lieferketten massiv gestört. Wenn im Sauerland produzierte Autoteile an der Grenze aufgehalten werden, funktionieren die Fabriken in England nicht mehr reibungslos.

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Das macht sich schon jetzt bemerkbar: Großbritannien ist seit dem Brexit-Referendum im Ranking der wichtigsten deutschen Handelspartner abgerutscht – von Platz drei auf Platz sieben. Auch weil die Geschäfte mit Nordrhein-Westfalen schlechter laufen; NRW liegt mit einem Anteil von 20 Prozent am Großbritanniengeschäft an der Spitze der Bundesländer.

Großteil der Firmen will weniger investieren

Sowohl die NRW-Ausfuhren ins Vereinigte Königreich als auch die Einfuhren von dort sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Und die Stimmung wird eher schlechter: 70 Prozent der deutschen Firmen, die Geschäfte mit Großbritannien machen, rechnen mit einem Rückgang – so eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) vom vergangenen Februar.

Darunter leidet vor allem die britische Wirtschaft: So bewegt sich wenig bei den Investitionen deutscher Firmen auf der Insel. "Wir haben seit dem Referendum nichts mehr investiert", sagt zum Beispiel Arndt Kirchhoff; die Kirchhoff-Gruppe betreibt mehrere Fabriken in Großbritannien. Laut der DIHK-Umfrage plant mehr als jedes zehnte deutsche Unternehmen, seine Investitionen ganz aus Großbritannien zurückzuziehen – und in andere europäische Länder zu verlagern.  

NRW Invest lockt britische Firmen

Offenbar verlegen auch immer mehr britische Unternehmen ihren Standort auf den Kontinent. Rund 120 neue Ansiedlungen aus Großbritannien hat NRW Invest seit 2016 registriert – eine deutliche Zunahme im Vergleich zu den Vorjahren. Aufgabe der Organisation ist es, Investoren nach Nordrhein-Westfalen zu locken. NRW-Unternehmerpräsident Arndt Kirchhoff freut sich über den Werbeerfolg. Andererseits tut es ihm Leid für seinen Lieblingshandelspartner: "Denn das sind Arbeitsplätze, die aus England verschwinden."

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Stand: 12.12.2019, 16:29

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