Brexit treibt Lebensmittelpreise hoch

Britische Lebensmittel werden teurer - so oder so

Brexit treibt Lebensmittelpreise hoch

Ob Whiskey, Shortbread oder Cheddar: Wer Produkte aus Großbritannien liebt, muss sich ab dem kommenden Jahr auf höhere Preise einstellen. Aber für britische Verbraucher steht deutlich mehr auf dem Spiel. Besonders teuer würde der No-Deal.

Mit dem Zittern vor dem Brexit haben sie beim "English Shop" in Köln inzwischen Erfahrung. Denn der stand schon oft vor der Tür. Wenn es am Ende keinen Deal bei den Verhandlungen gibt, wäre von heute auf morgen alles anders – viel teurer und aufwändiger, sagt Sprecherin Anna-Maria Böhm.: "Für jede Chips-Lieferung müssten wir dann ein eigenes Zollpapier ausfüllen."

Zölle und Bürokratie = höhere Preise

Allein die Zölle könnten zu deutlichen Preisaufschlägen für britische Produkte führen. Denn ohne Deal würden automatisch die Tarife der Welthandelsorganisation gelten. Die betragen bei Lebensmitteln, je nach Warengruppe, oft zwanzig Prozent und mehr. Den möglichen Gewinn kann das schnell auffressen.

Britische Lebensmittel werden teurer - so oder so

Aber auch wenn es eine Einigung in letzter Minute gibt: Der höhere Aufwand für den Import der Produkte wird die Preise tendenziell in die Höhe treiben. Andererseits könnte das britische Pfund gegenüber dem Euro weiter an Wert einbüßen. English Shop-Sprecherin Böhm: "Die geringeren Einkaufspreise durch das niedrige Pfund könnten die höheren Kosten zumindest teilweise ausgleichen."

Whiskey-Produktion möglicherweise unrentabel

Für viele Hersteller auf der Insel dürfte es aber unrentabel werden, überhaupt für den europäischen Markt zu produzieren. Das zeigen entsprechende Studien für die britische Agrarwirtschaft. Sie gehen davon aus, dass etwa die Fleischimporte aus Großbritannien sogar um fast 90 Prozent zurück gehen könnten, wenn Zölle fällig werden.

Deutlich schmerzhafter würde das für die Deutschen bei alkoholhaltigen Getränken wie etwa schottischem Whiskey. Denn über ein Viertel der britischen Import-Lebensmittel sind Spirituosen.

Britische Lebensmittel werden teurer - so oder so

Auch Gebäck wie Shortbread, Kartoffelchips mit Essiggeschmack, Orangenmarmelade, der Brotaufstrich Marmite oder das Cereal Weetabix sind beliebte britische Exportprodukte. Insgesamt führen sie jedoch eher ein Nischendasein.

Briten viel stärker abhängig von deutschen Lebensmitteln

Grundsätzlich würden die Briten Preiserhöhungen oder Lieferschwierigkeiten durch einen No-Deal viel deutlicher zu spüren kriegen als deutsche Verbraucher: Aus Deutschland gehen jährlich Lebensmittel für rund fünf Milliarden Euro an die Briten, nur knapp eineinhalb Milliarden Euro sind es in umgekehrter Richtung. Eine große Rolle spielen dabei die Discounter Aldi und Lidl, die in Großbritannien stark vertreten sind und viele deutsche Fleisch- und Milchprodukte im Sortiment haben.

Der "English Shop" in Köln hat vor jedem anstehenden Brexit-Termin die Lagerbestände aufgestockt. Auf ihr britisches Lieblingsprodukt müssen deutsche Fans also, wenn überhaupt, nur kurzfristig verzichten.

Stand: 10.12.2020, 15:15

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