Bonpflicht: Kein Einkauf ohne Beleg

Mehrere Kassenbons

Bonpflicht: Kein Einkauf ohne Beleg

  • Ab kommenden Jahr gilt Beleg-Abgabepflicht bei jedem Einkauf
  • Finanzministerium möchte so Steuerhinterziehung bekämpfen
  • Kritiker sagen, die Bonpflicht sei unökologisch und nicht zeitgemäß

Bei jedem Einkauf müssen Einzelhändler ab dem kommenden Jahr einen Beleg drucken – ob der Kunde will oder nicht. Das soll Steuerhinterziehung bekämpfen. Kritiker bemängeln die Bonpflicht.

Der Handel protestiert

Die neue Regelung wirkt sich nun vor allem auf Geschäfte aus, die viele, günstige Produkte verkaufen - beispielsweise Bäckereien oder Eisdielen. Ob der Kunde den Beleg überhaupt haben möchte, ist dann egal.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks kritisiert die neue Regelung: Eine Bonpflicht produziere völlig überflüssige Müllberge.

Auch Ralph Brügelmann, Steuerexperte beim Handelsverband Deutschland, erklärt: "Im deutschen Einzelhandel rechnen wir mit über zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons pro Jahr."

Auch elektronische Belege denkbar

Die Bons müssten allerdings nicht auf Papier gedruckt werden, erklärt das Finanzministerium auf Anfrage. Die Gesetzesänderung sei bewusst "technologieneutral" gehalten, sodass auch elektronische Belege erlaubt seien.

Steuerexperte Brügelmann kritisiert: "Dafür benötigen die Geschäfte eine App. Für kleine Geschäfte ist das zu teuer und einige Kunden lehnen elektronische Bons aus datenschutztechnischen Gründen ab."

Sicherheitstechnischer Mehrwert ist fraglich

Außerdem liefere die Bonpflicht keinen sicherheitstechnischen Mehrwert, sagt Brügelmann. Denn mit der neuen Verordnung wird auch eine technische Sicherheitseinrichtung, kurz TSE, ab dem 30. September verpflichtend. Durch die TSE wird, sobald der Verkäufer etwas kassiert, eine Transaktion angelegt. Diese kann im Nachhinein nicht einfach gelöscht werden.

Zusätzlich müssen die Händler jede Kasse einer TSE zuordnen und diese Kombination dem Finanzamt melden. Der Handelsverband Deutschland geht davon aus, dass durch diese beiden Maßnahmen der Steuerbetrug hinreichend eingedämmt wird.

Verräterischer Kassenbon Planet Wissen 20.12.2018 04:04 Min. Verfügbar bis 20.12.2023 WDR

Umweltproblem Kassenzettel

Neben dem Papierverbrauch ist die Zettel-Pflicht mit einem weiteren Umweltproblem verbunden: Das Thermopapier, das aus den Kassen kommt, ist mit Chemikalien beschichtet, weshalb Bons auch nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll gehören.

Wegen gesundheitlicher Bedenken hat die EU reagiert: Ab Anfang 2020 ist der Stoff Bisphenol A in Thermopapier verboten. Als Alternative setzen Händler auf Bisphenol S. Doch auch das sei schädlich, sagt Dirk Jansen vom BUND NRW dem WDR. "Das sind Stoffe, die in den Hormonhaushalt eingreifen können." Darum sei es aus gesundheitlicher Sicht "sehr bedenkenswert."

Bar oder mit Karte – Womit zahlen wir in Zukunft? Planet Wissen 20.12.2018 58:05 Min. UT Verfügbar bis 20.12.2023 WDR

Die Bon-Pflicht ist Teil der "Kassensicherungsverordnung", die 2016 beschlossen wurde. Das Finanzministerium möchte damit Steuerbetrug bekämpfen. Zehn Milliarden Euro Steuergeld werden laut dem Bundesrechnungshof pro Jahr an deutschen Theken und Ladentresen hinterzogen.

Stand: 18.11.2019, 18:49

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