"Black Friday": Eher Konsumritual als Rabattschlacht

"Black Friday": Eher Konsumritual als Rabattschlacht

  • NRW-Handel feiert "Black Friday"
  • Volkskundlerin spricht von "Konsumritual"
  • Probleme mit Namensrechten

Der Name klingt eher nach Börsencrash, als nach Schlussverkauf - dennoch hat sich mit dem "Black Friday" die Rabattschlacht der US-Amerikaner am Freitag (23.11.2018) auch in Nordrhein-Westfalen fest etabliert. Neben den zahlreichen Sonderangeboten im Netz werben viele Einzelhändler mit satten Rabatten - zumindest optisch gibt es angesichts des Werbedrucks in den Innenstädten kein Entkommen. Der Handelsverband NRW rechnet mit rund 2,4 Milliarden Euro Umsatz im Online- und Einzelhandel - 15 Prozent mehr als 2017.

Gabriele Dafft

Gabriele Dafft

"Interessant ist, dass der Tag hierzulande völlig aus dem Zusammenhang gerissen ist", sagt Volkskundlerin Gabriele Dafft. In den USA sei der Tag nach Thanksgiving ein traditioneller Brückentag, an dem Familien gemeinsam erste Weihnachtseinkäufe tätigen können.

Von "Brauchtum" will die Mitarbeiterin des LVR-Instituts für Landeskunde und Regionalgeschichte nicht sprechen, eher von einem "Konsumritual": "Den kulturellen und sozialen Kontext, der einen Brauch ausmacht, sehe ich nicht."

Ganz im Gegensatz zu einem anderen erfolgreichen Kulturtransfer aus den USA: "Bei Halloween ist alles da - die alte Tradition mit Ursprung in Irland, die Verbindung zu Allerheiligen, die vielfältigen Rituale."

Konsumieren als Event

Obwohl der "Black Friday" hierzulande erst ab dem Jahr 2013 mit Hilfe von US-Konzernen wie Apple oder Amazon eingeführt wurde, sind Konsumevents für die Deutschen nichts Neues.

Bis zur Liberalisierung im Jahr 2004 durfte der Einzelhandel jeweils in der letzten Januarwoche und Juliwoche den Schlussverkauf für Textilien einläuten. Lange Schlangen vor den Kaufhäusern waren ein alljährliches Ritual.

Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht

Die Spannung, die der Handel mithilfe von opulenten Werbekampagnen aufbaut, sehen Verbraucherschützer eher kritisch. Die Verbraucherzentrale NRW warnt ausdrücklich davor, sich von fantastischen Sparpreisen blenden zu lassen: Viele Rabatte beruhten auf einem Vergleich mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller, die absichtlich zu hoch angesetzt seien.

Black Friday: Kauf dich kaputt!

WDR 2 Comedy 22.11.2018 02:13 Min. WDR 2

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Aber nicht nur für Käufer - auch für Händler birgt der Black Friday offenbar Risiken. "Eine chinesische Firma hat sich die Namensrechte gesichert", erklärt Carina Peretzke vom Handelsverband NRW. Wenn Geschäfte aktiv mit dem Begriff werben, müssten sie mit einer teuren Abmahnung rechnen.

"Kauf-nix"-Aktionstag

Weniger bekannt als der "Black Friday" ist der zeitgleiche "Kauf-nix-Tag", zu dem auch in Deutschland seit einigen Jahren aufgerufen wird. Aktionsgruppen fordern dabei zu einem 24-stündigen totalen Konsumverzicht auf - als Protest gegen ausbeuterische Handelsstrategien internationaler Konzerne. In Köln ruft Greenpeace zum Beispiel am Freitag zu einer "Kleiderkette" auf. Teilnehmer können dort ihre alten Klamotten mit Unterstützung von Profis in einer "Pop-up-Nähfabrik" ausbessern und neu gestalten. Die Aktion kostet - natürlich - nichts.

Black Friday: "Produkte sind Botschaften"

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 23.11.2018 10:27 Min. WDR 5

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Stand: 23.11.2018, 12:14

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