Heftige Anlegerschelte für Bayer-Chefetage

Heftige Anlegerschelte für Bayer-Chefetage

  • Aktionäre gehen mit Bayer-Chefs hart ins Gericht
  • Baumann verteidigt Monsanto-Kauf
  • Proteste vor dem Kongressgebäude

Der Kauf des US-Konzerns Monsanto hat der Chefetage des Agrarchemiekonzerns Bayer viel Schelte von Anteilseignern und Proteste vor der Tür eingebracht. Bei der Hauptversammlung am Freitag (26.04.2019) in Bonn gingen Großaktionäre mit Vorstand und Aufsichtsrat hart ins Gericht.

Themen waren die Imagekratzer durch die Glyphosat-Klagewelle in den USA und der Kursverfall der Bayer-Aktie. Bayer-Chef Baumann sagte, man dürfe angesichts der Kurseinbußen zwar nichts beschönigen, dennoch sei der Monsanto-Kauf der richtige Schritt gewesen. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Bayer, Werner Wenning, entschuldigte sich bei den Aktionären des Pharma- und Agrarchemiekonzerns für die Kursverluste.

Schadensersatzklagen treiben Aktie in den Keller

Bayer hat in den USA zwei Gerichtsschlappen hinnehmen müssen - Krebskranke hatten Schadenersatz wegen des glyphosathaltigen Monsanto-Produkts Roundup gefordert, in dem sie den Grund für ihre Erkrankung sehen. Vor allem wegen dieser beiden Urteile ist der Kurs der Bayer-Aktie im Keller, binnen eines Jahres hat sie mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Baumann betonte, dass Glyphosat "bei sachgerechter Anwendung ein sicheres Produkt" sei. Mit Blick auf die krebskranken Kläger sagte Baumann: "Glyphosat-basierte Produkte sind nicht der Grund für ihre schweren Erkrankungen."

Schärfe der Kritik unüblich

Kritik bei Aktionärstreffen ist - auch bei Bayer - durchaus üblich. Unüblich waren am Freitag hingegen ihre Schärfe und die Ankündigung mehrerer Großaktionäre, Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten zu wollen. Noch vor einem Jahr konnte Baumann hierbei eine Zustimmung von gut 97 Prozent einholen, am Freitag zeichnete sich aber ein deutlich niedrigerer Wert ab.

Hauptversammlung der Bayer AG

WDR aktuell - Der Tag 26.04.2019 10:14 Min. WDR 3

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Proteste vor dem Kongressgebäude

Begleitet wurde das Aktionärstreffen von laustarken Protesten. Hunderte Demonstranten vor dem Bonner Kongressgebäude, vor allem junge Leute und Landwirte, machten ihrem Unmut über die Verwendung des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat Luft.

Stand: 26.04.2019, 16:05

Kommentare zum Thema

14 Kommentare

  • 14 Peter Herrmann 27.04.2019, 09:28 Uhr

    Juristerei und Objektivität... Des Pudels Kern ist die Wirkung von Glyphosat und die drohende Klagenflut. Wissenschaftliche Studien bescheinigen dem Wirkstoff Glyphosat die Unbedenklichkeit. Wie und wann endlich wird die Juristerei diese wissenschaftliche Erkenntnis berücksichtigen? Man fragt sich, wie objektiv die Gerichte arbeiten.

  • 13 Gottfried Glöckner 27.04.2019, 03:43 Uhr

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  • 12 Heinzb aus nrw 26.04.2019, 21:33 Uhr

    Das scheint System zu haben , Abzocke deutscher Unternehmen , um sie dann finanziell ausbluten zu lassen , das war auch bei Merx mit Viox und VW , massive Verluste von Arbeitsplätzen in Deutschland und Halbierungen der Börsenwerte. Umgekehrt gehts ja nicht zum Schaden des großen Freundes und sogenannten Verbündeten , mal davon abgesehen sollten die Verantwortlichen dieser Entscheidung von der Bayern - Führungsriege überprüft werden , ob sie geschäftsfähig waren und sind . Wie kann so ein Unternehmen gekauft werden und Milliarden Euro's gezahlt werden , wo Prozesse laufen . Oder sind die sogenannten Manager Bayers ein Teil des System ?

    Antworten (1)
    • Onkel Tom 27.04.2019, 09:02 Uhr

      Bayer wusste schon vor der Übernahme, dass eine Klagewelle auf Monsanto zurollt. Wer also sehenden Auges vor die Wand läuft darf hinterher nicht rumheulen.

  • 11 Bernie F. 26.04.2019, 20:38 Uhr

    Der WDR vertuscht mal wieder die Überschrift zu diesem Bericht: "Anleger- schelte"? Dabei hat genau dieser Sender seit Monaten ständig negativ gegen die Bayer AG berichtet, mit dem Ergebnis, dass in Leverkusen mindestens 3.500 Arbeitsstellen abgebaut werden! Und bisher ist nicht einwandfrei bewiesen, dass das Monsanto Produkt Glyphosat krebserregend ist. Oder haben die Damen und Herren vom WDR andere Studien, die noch keiner kennt? Man sollte gerade auch im Bezug auf die vielen tausend Arbeitsplätze hier in NRW, mal allmählich den Ball etwas flacher halten, bis es neue, belastbare Erkenntnisse gibt.

    Antworten (2)
    • Silvio G. 27.04.2019, 07:45 Uhr

      Das Internet ist voll mit Beweisen, das Glyphosat krebserregend ist und vieles von den „netten“ Konzernen vertuscht wird. Hier geht es um die Gesundheit von Milliarden Menschen und nicht um 3500 Arbeitsstellen. Anbei ein kurzer Auszug der Internetseite "Oekonews.at". Nicht deklariertes Arsen und Schwermetalle in Monsantos Roundup 15.1.2018 Seralini und Team, www.criigen.org, haben gerade eine neue Studie veröffentlicht, die die Entdeckung des tödlichen Giftes Arsen und Schwermetalle in Roundup und allen getesteten Herbiziden auf Glyphosat-Basis aufzeigt. Befürworter und Unterstützer von chemischen Firmen möchten diese Informationen unterdrücken. Die Studie von Seralini sollte im Mai 2017 veröffentlicht werden, bevor die EU eine Entscheidung über die Neuzulassung von Glyphosat-Herbiziden traf, aber die Lobbyarbeit verhinderte die Veröffentlichung dieses wichtigen Papiers. Die EU erneuerte die Zulassung von Glyphosat für weitere 5 Jahre.

    • Onkel Tom 27.04.2019, 09:05 Uhr

      Wieso bekommt man jetzt im Gartenhandel nur noch Roundup, dass frei von Glyphosat ist. Da würde ich mir mal Gedanken machen.

  • 10 Tina S. 26.04.2019, 20:00 Uhr

    "Hunderte Demonstranten" ist leider sehr überzogen. Maximal 50 bis 70 Personen habe ich vor Ort gezählt.

  • 9 Anonym 26.04.2019, 19:43 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 8 Rainer 26.04.2019, 16:50 Uhr

    So ist es eben im Leben die einen Gewinnen und die anderen Verlieren.Und die Gewinner sind immer die,die das Geld haben,wie die mächtigen Bosse von Bayer.Wer sagt den das dieses nicht gewollt war,um Leute abzubauen immerhin sind 12000 Mitarbeiter im Jahr Millionen Euro Gewinn für Bayer.

  • 7 Anonym 26.04.2019, 16:11 Uhr

    Die Aktionäre sind gierig geworden. Kursgewinne, Dividenden, hohe Boni und Bezüge. Die Weltbevölkerung wächst zügig weiter und muß ernährt werden. Gewinne kommen später

  • 6 Monika B. 26.04.2019, 14:41 Uhr

    Soso, der Herr Wenning entschuldigt sich also bei den Aktionären. Es ist nicht zu fassen. Wieviel Arroganz und Realitätsverleugnung ist hier am Werk! Da werden wissenschaftliche Studien, die die Gefährlichkeit dieses Ackergifts belegen, einfach vom Tisch gefegt zugunsten industriefinanzierter Scheinstudien...und dieser "Herr" entschuldigt sich bei den Aktionären. Aber solange er sich auf "seine" Politiker verlassen kann, die schon dafür sorg(t)en, dass die entsprechenden Behörden spuren..... ich sage nur, der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

    Antworten (2)
    • paul 26.04.2019, 16:52 Uhr

      super, wie hier mit gefährlichen Halbwissen argumentiert wird. Ich kann leider nicht sagen, ob oder ob nicht gefährlich. Jedenfalls gibt es keine klare Studie, dass das Mittel Krebserregend ist. Seit 40 Jahren wird es verwendet und es gibt keine Steigerung der Krebserkrankung bei Landwirten?!

    • Michael 26.04.2019, 18:02 Uhr

      Welche wissenschaftliche Studien sind das? In den USA wird ja gerade nicht auf der Grundlage von Studien gerichtet. Wahrscheinlich Krebserregend ist auch ein Glas warmes Wasser.

  • 5 JoKa 26.04.2019, 14:38 Uhr

    Ich kann mir nicht erklären, weiter so zu interpretieren: "der Schritt war richtig" Es war im Vorfeld schon klar , das es zu Klagen in den USA kommt. Die Schadensersatzforderungen in de USA sind auch bekannt. Des Wegen kann ich es nicht nachvollziehen, diesen Schritt in Erwägung zu ziehen und sich jetzt noch da hinzustellen, es ist richtig, ist ein Schlag ins Gesicht. Es geht um viele Arbeitsplätze, Geld der Aktionäre, Steuerzahlen, und, und, und... Aber es wird wie immer ausgehen: viele kleine Leute und Mittelständler bleiben auf der Strecke und die Vorstände? Egal, dann gehen wir zum nächsten Unternehmen...vielleicht zu VW.

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    • Michael 26.04.2019, 18:04 Uhr

      Klar war die Entscheidung falsch, man hat die Macht von unsachlichen Diskussionen unterschätzt. Dies ist aber leider gerade voll im Trend, siehe Brexit und andere die immer nur gegen etwas sind.

  • 4 Extrawurst 26.04.2019, 14:30 Uhr

    Auf diesem Planeten leben bereits 7,5 Milliarden Menschen und das Bevölkerungswachstum schreitet fort. An diesem Faktum kann niemand etwas ändern. Die Milliarden Menschen müssen ernährt werden. Verbietet man das Herbizid Glyphosat müßte man es entweder durch mehrere verschiedene Herbizide ersetzen oder zum Umpflügen zurückkehren. Letzteres fördert jedoch die Bodenerosion und man müßte noch mehr Fläche für die Landwirtschaft spendieren. Leider verhindert heutzutage die Eingeschossenheit gegen Glyphosat jede kühl vernünftige Diskussion. Eingeschossenheit ersetzt heute in den Medien den wissenschaftlichen Beweis. Ja, dass man letzteres bei Bayer nicht bedacht hat, kann man Bayer zu Vorwurf machen.

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    • Thora Weise 26.04.2019, 19:48 Uhr

      ...ja und weil sich die Bevölkerung auf dieser einen Erde so hemmungslos vermehrt, müssen wir also unseren Planeten vergiften, Wälder, siehe Brasilien und auch anderswo großzügig abholzen. Geburtenkontrolle ist das einzige Mittel um den Planeten zu retten, beten hilft da auch nicht.

    • Steve 26.04.2019, 21:06 Uhr

      Im Prinzip haben sie recht. Allerdings sollte man sich als Vorstandschef eines DAX Unternehmens nicht die Rettung der Welt als Ziel setzen. Wohin das führt haben wir 2015 gesehen ... Nein, Herr Baumann hätte die Risiken für Aktionäre und Konzern ernster nehmen sollen. Die 12.000 Arbeitsplätze die abgebaut werden sollen sprechen da eine deutliche Sprache wer hier das Risiko getragen hat - neben den Aktionären deren Aktion 40% an Wert verloren haben. Hätte Herr Baumann so gehandelt wenn er persönlich haftbar wäre ? Oder hätte er da vielleicht in kleinen Schritten das Pharma Geschäft optimiert ?

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