Glyphosat-Klagen gegen Bayer: kein Ende in Sicht

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Glyphosat-Klagen gegen Bayer: kein Ende in Sicht

Von Michael Heussen

  • Vierter Glyphosat-Prozess gegen Bayer steht an
  • Chemiekonzern hofft auf Revisionsverfahren
  • Anwalt geht von weiteren Klagen gegen Bayer aus
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Was die Klagewahl gegen das als krebserregend in Verdacht stehende Unkrautvernichtungsmittel Roundup angeht, gibt sich Bayers Agrarvorstand Liam Condon optimistisch: "Es wird sich mit der Zeit erledigen. Früher oder später werden wir den Rechtsstreit beilegen", sagt er und erntet ein beiläufiges Nicken seiner Zuhörer auf dem "Future of Farming Dialogue".

Bayers Agrarvorstand Liam Condon

Bayers Agrarvorstand Liam Condon (r.).

Sie sind nach Monheim und Leverkusen gekommen, um zwei Tage lang über die Zukunft der Landwirtschaft zu reden. Eine Zukunft, in der Agrarchemieunternehmen wie Bayer nach eigener Meinung die Schlüsselrolle spielen. Nur durch Einsatz modernster Technik sei die Ernährung der Menschheit gesichert. Das Idealbild: Saatgut, Dünger, Pestizide, optimal eingesetzt unter Anwendung modernster Digitaltechnik, alles nachhaltig und aus einer Hand.

Drei verlorene Glyphosat-Prozesse

Doch schon in zwei Wochen könnte es mit der guten Laune bei Bayer vorbei sein: der vierte Schadenersatzprozess steht an, diesmal in St. Louis (Missouri), nicht weit vom Monsanto-Stammsitz. Die ersten drei Prozesse in Kalifornien haben Bayer und Monsanto verloren.

Geringere Strafe für Bayer im Glyphosat-Prozess

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft 16.07.2019 03:53 Min. Verfügbar bis 15.07.2020 WDR 5

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Die Gerichte sprachen den klagenden Krebspatienten Schadenersatz in zweistelliger Millionenhöhe zu. Bislang sind die Urteile nicht rechtskräftig. Bayer hat Revision eingelegt und rechnet sich in den nächsten Instanzen gute Chancen aus, da dann nicht Laien-Jurys, sondern Berufsrichter urteilen.

Mehr als 18.000 Kläger

Doch Clemens Kochinke, deutscher Rechtsanwalt mit Sitz in Washington, teilt diesen Optimismus nicht: "Da es keine Berufungsverfahren wie im deutschen Recht gibt, sondern lediglich eine Revision, ist die Neubeurteilung von Sachverständigengutachten in der nächsten Instanz eher ausgeschlossen", sagt er. "Die Revision kann jedoch entscheiden, dass die Zulassung von Gutachtern und Gutachten fehlerhaft war, weshalb ein Urteil aufzuheben ist und der Prozess wieder von vorn beginnt."

Ein schnellerer Weg, die Prozesse zu beenden, könnte ein Vergleich mit den mehr als 18.000 Klägern sein. Der amerikanische Staranwalt Kenneth Feinberg ist von einem Gericht beauftragt worden, die Bedingungen dafür auszuloten. Die Kläger würden dann keine astronomisch hohen Schadenersatzsummen wie in den ersten Prozessen bekommen, sondern vielleicht ein paar hunderttausend Dollar.

Weitere Klagen von Krebspatienten möglich

In der Summe könnte das Bayer auch einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten, aber: solch ein Vergleich würde nicht die Existenz des Konzerns gefährden. Bayer will nicht über den Stand der Verhandlungen sprechen.

Doch Anwalt Kochinke kann sich nicht vorstellen, dass der juristische Streit nach einem Vergleich tatsächlich abgeschlossen ist. Denn in den nächsten Jahren können weitere Krebsfälle auftreten, weitere Krebspatienten könnten klagen:

"Mit einem Schlussstrich darf man selbst nach einer Sammelklage nicht rechnen, solange nicht der Gesetzgeber einschreitet, um wie in anderen Verfahren eine globale Erledigung zu erzwingen." Die Zitterpartie in Leverkusen ist noch nicht zu Ende.

Bayer: Die Fusion und die Folgen die story 26.06.2019 42:38 Min. UT Verfügbar bis 26.06.2020 WDR Von Michael Heussen, Ingolf Gritschneder

Stand: 04.10.2019, 10:46

Kommentare zum Thema

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6 Kommentare

  • 6 Thomas Böhm 04.10.2019, 22:53 Uhr

    Da wird man wieder eines besseren belehrt Bisher galt doch immer bei nicht genauer bzw Zweifel der Beweislage die Unschuld für den Angeklagten. Glyphosat steht unter Verdacht krebserregend zu sein.

  • 5 Heinzb aus nrw 04.10.2019, 22:08 Uhr

    Weil da noch was zu holen ist , das war bei viox von merx und bei VW und nun bei Bayer , aber jeder Mensch mit einstelligem IQ kauft doch kein Produkt und Hersteller , wo schon Klagen laufen . Aber die Manager von Bayern gleichen die Verluste aus durch Arbeitsplatzabbau , in den Arsch gekniffen sind es mal wieder die Malocher und Kunden .

    • Es war einmal 05.10.2019, 18:57 Uhr

      der Überzeugungskunst sind keine Grenzen gesetzt, wenn nur wenige Köpfe entscheiden? Vielleicht sollte man es anders formulieren, es gibt Angler und Fischer , die einen fischen im Trüben und die anderen trüben den Fisch?? Im letzten Fall hilft auch kein Aspirin mehr???

  • 4 Harald Butenschön 04.10.2019, 20:23 Uhr

    Wäre es nicht angebracht, wenigstens ein Foto von einer Roundup-Anwendung und nicht einfach nur irgendeine (womöglich bio-) Pflanzenschutzmaßnahme zu zeigen? Hat der Autor des Artikels schlicht keine Kenntnis, oder geht es darum den chemischen Pflanzenschutz generell zu verunglimpfen? Bitte mehr Ahnung und weniger Meinung!

  • 3 Keine Alternative 04.10.2019, 17:48 Uhr

    Es gibt zur Zeit keine Alternative zu Glyphosat. Bestimmte Molkereien verbieten ihren Bauern den Glyphosat Einsatz. Das hat zur folge, dass "altmodischere" Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen müssen, welche nachweislich toxischer sind. Der Verbraucher freut sich, dass er ein Lebensmittel "ohne Glyphoat" geniessen darf. In Wirklichkeit wird sein Lebensmittel aber mit viel toxischeren Pflanzenschutzmitteln hergestellt. Hauptsache kein Glyphosat. Es ist etwas traurig, dass unsere Medien nicht erkennen, dass Mangels Alternativen einfach giftigere Mittel eingesetzt werden müssen. Fun Fact: Bei der besagten Molkerei mit Glyphosat-Verbot ist es nicht erlaubt Futter mit Glyphosat zu produzieren. Der Zukauf von Futter (MIT Glyphosat-Einsatz produziert) ist erlaubt. Das heisst ein Bauer "kauft" Futter vom anderen Bauern und alles bleibt beim Alten. Unterm Strich wird also wieder Glyphosat verwendet. Weil es keine Alternativen gibt. Bayer steckt Milliarden in die Erforschung neuer Mittel.

  • 2 B. Freischheim 04.10.2019, 16:49 Uhr

    Es ist schon mehr als merkwürdig, dass gewisse Kreise von Journalisten beim WDR, es mit den "Nadelstichen" gegen die Bayer AG nicht sein lassen! Es ist für mich völlig unverständlich, gegen einer der größten Arbeitgeber des Rheinlandes medial laufend mit der Glyphosat-Waffe zu schießen, obwohl dies mit dem Glyphosat noch gar nicht wissenschaftlich abgeklärt ist!!!

  • 1 Schwarzes Wunder 04.10.2019, 12:46 Uhr

    vielleicht zeigt der Fall Bayer, dass BRD einen Staatsfonds benötigt, um Arbeitsplätze und Know How in BRD halten zu können, und somit überhaupt einen funktionierenden Staat bewahren kann. Und zwar sollte es ein Staatsfonds ohne Blackrock und seine Berater/ung sein?!. Das Analysetool Aladin von Blackrock hat doch mittlerweile die Firmenwelt der AGs im festen Griff?!

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