Bayer-Vorstand: Aktionäre machen Misstrauen deutlich

Bayer-Vorstand: Aktionäre machen Misstrauen deutlich

  • Mehrheit der Aktionäre stimmt gegen Entlastung des Vorstands
  • Aktionärsvertreter sprechen von einem "historischen Ereignis"
  • Aktien hatten nach Monsanto-Übernahme an Wert verloren

Es ist das erste Mal, dass einem amtierenden DAX-Vorstand-Chef so etwas passiert: Die Hauptversammlung hat am Freitagabend (26.04.2019) mit rund 55 Prozent gegen die Entlastung des Bayer-Vorstands gestimmt und ihm für das vergangene Geschäftsjahr das Vertrauen entzogen. Aktionärsvertreter sprechen von einem "historischen Ereignis".

Der Aufsichtsrat erklärte hingegen im Anschluss, geschlossen hinter dem Vorstand zu stehen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning wurde dagegen entlastet.

Viele Aktionäre sind sauer

Auf der Hauptversammlung des Bayer-Konzerns ging es ungewohnt heftig zu. Bei einem stundenlangen Sitzungsmarathon musste sich Bayer-Chef Werner Baumann viele kritischen Fragen stellen. Denn viele Aktionäre waren sauer, weil ihre Aktien innerhalb nur eines Jahres um fast 40 Prozent an Wert verloren haben.

Der Kurs war nach der Übernahme des US-amerikanischen Saatgutherstellers Monsanto und zwei verlorenen Schadenersatzprozessen eingebrochen. Wegen eines glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittels von Monsanto ist Bayer in den USA mit über 13.000 Klagen konfrontiert.

Baumann verteidigt Monsanto-Übernahme

Werner Baumann

Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender

Vertreter großer Vermögensverwalter haben dem Bayer-Management vorgeworfen, die Risiken falsch eingeschätzt zu haben, die mit der Übernahme verbunden waren. Fonds-Sprecher nannten die Situation einen Scherbenhaufen. Ein Aktionärsschützer sagte, der Verlust an Wert und Reputation bei einem DAX-Konzern in so kurzer Zeit sei eine Schande.

Doch Vorstandsvorsitzender Baumann blieb seiner Argumentation treu, dass der Kauf von Monsanto strategisch richtig gewesen und Glyphosat – wenn es sachgemäß angewendet wird – ein sicherer Wirkstoff sei. Er verwies auf über Hundert Studien, die das belegen sollen.

Erstmal keine unmittelbaren Konsequenzen

Dass ein Vorstand-Chef durch die Anteilseigener nicht entlastet wird, ist eine Zeitwende bei Bayer, sagen Aktionärsschützer. Im vergangenen Jahr lag die Zustimmung noch bei gut 97 Prozent. Das heißt innerhalb nur eines Jahres ist das Vertrauen der Aktionäre massiv geschwunden.

Grundsätzlich ist es so: Wenn die Mehrheit der Aktionäre dem Vorstand die Zustimmung verweigert, hat das rechtlich erstmal keine unmittelbaren Konsequenzen. Doch der Imageschaden ist enorm und dürfte eine Personaldebatte darüber auslösen, ob noch die richtigen Manager an der Unternehmensspitze stehen.

Stand: 27.04.2019, 06:00

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