Was die Bauern auf die Straße treibt - Fragen und Antworten

Feld von Oben.

Was die Bauern auf die Straße treibt - Fragen und Antworten

  • Landwirte demonstrieren in Bonn
  • Klage über "Bauernbashing"
  • Wirtschaftliche Einbußen befürchtet

Wenn am Dienstag (22.10.2019) in Bonn bis zu 10.000 Landwirte demonstrieren, sind eine Menge Emotionen im Spiel. Sie klagen über einen aus ihrer Sicht erkennbaren gesellschaftlichen Trend zum "Bauern-Bashing" und die Gängelung durch ahnungslose Bürokraten in Berlin und Brüssel.

Doch es gibt auch handfeste wirtschaftliche Gründe für den Protest - speziell die neuen Agrarpläne der Bundesregierung zum Thema Gülle, Insektenschutz und Subventionen. Fragen und Antworten.

Was soll sich in der Landwirtschaft ändern?

Entzündet haben sich die Proteste an den jüngsten Agrarplänen der Bundesregierung. Dabei geht es um besseren Natur- und Tierschutz in der Landwirtschaft und um den Schutz des Grundwassers vor Nitrat, das etwa durch Überdüngung in den Boden gelangt. Unter anderem sollen in besonders stark belasteten Gebieten die Regeln die bereits 2017 eingeführten Düngeverordnung weiter verschärft werden.

Hinzu kommen neue Regeln zum Insektenschutz, die künftig den Einsatz von Pestiziden in Schutzgebieten und in der Nähe von Gewässern stark einschränken sollen. Außerdem sollen die sogenannten Direktzahlungen an die Landwirte - ein Element der EU-Agrarförderung - in Zukunft anteilig an die Teilnahme an Umweltprogrammen gekoppelt werden.

Was befürchten die Bauern?

Nach Schätzungen des Deutschen Bauernverbands könnten die Regeln zum Insektenschutz dazu führen, dass bundesweit auf mehr als 2,3 Millionen Hektar Fläche Landwirtschaft nur noch mit "erheblichen Einschränkungen" möglich ist. Dies komme einer "Enteignung" gleich. Noch stärkere Einschränkungen bei der Düngung führten automatisch zu schlechteren Ernten und finanziellen Einbußen.

Warum hochgiftige Pestizide völlig legal auf deutschen Feldern landen Monitor 25.06.2019 08:05 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste

Schließlich befürchten die Landwirte, dass bei einer mögliche Kürzung der Direktzahlungen noch mehr mittelständische Betriebe aufgeben müssen. Nach den regionalen Missernten infolge der Dürresommer 2018 und 2019 stünden ohnehin viele Betriebe vor dem Aus.

Wie stehen die Chancen, die Pläne noch abzuwenden?

Traditionell sind die Landwirte in der Bundes- und Europapolitik gut vernetzt und konnten in der Vergangenheit mehrmals gesetzliche Initiativen für mehr Umweltschutz abwenden oder abmildern. Allerdings wird seit Jahren der Ruf nach mehr Klima- und Umweltschutz immer lauter. Gleichzeitig sinkt die öffentliche Akzeptanz für eine konventionelle Landwirtschaft, die ausschließlich auf steigende Erträge ausgerichtet ist.

Wer sich am Ende durchsetzt - die Bauernlobby oder die erstarkte Umweltbewegung - ist völlig offen.

Landwirtschaft im Klimawandel Quarks Folge 22 24.09.2019 05:26 Min. UT Verfügbar bis 24.09.2024 WDR Von Daniel Haase, Larissa Richter

Stand: 22.10.2019, 10:14

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