Bahn-Streik trifft die deutsche Wirtschaft

Lokomotive mit Schild "Dieser Betrieb wird besteikt" - Archivfoto

Bahn-Streik trifft die deutsche Wirtschaft

Von Lovis Krüger

Seit Mittwochabend stehen viele Güterzüge in Deutschland still. Denn die Lokführer streiken nicht nur im Personenverkehr. Für die Unternehmen wird es jetzt teuer.

Der Streik der Lokführer trifft vor allem die Schwerindustrie in Nordrhein-Westfalen. Kohle, Stahl, Eisenerze, aber auch Chemieprodukte werden hauptsächlich mit Güterzügen transportiert. Schon vorher ist es im Güterverkehr immer wieder zu Verzögerungen bei der Lieferung gekommen. Deswegen können die Unternehmen auf kurzfristige Lieferengpässe gut reagieren. Aber mit der Zeit wird der Bahnstreik immer teurer.

Besonders langer Streik schadet der Wirtschaft

Der aktuelle Bahnstreik dauert im Güterverkehr gut fünf Tage. Damit ist es der längste Lokführerstreik in diesem Jahr. Und weil er so lange dauert, entstehen jetzt neue Probleme. Schon in der Nacht auf Dienstag konnten 200 Güterzüge nicht wie geplant fahren. Je länger der Streik geht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Lieferketten reißen und einzelne Produktionen stillstehen. Und dann wird es teuer für die Volkswirtschaft.

Während der letzten großen Streikwelle in 2014/2015 habe die deutsche Wirtschaft bis 100 Millionen Euro am Tag verloren, schätzt der damalige Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

Vertrauensverlust in die „grüne Schiene“

Das Bild zeigt den Güterverkehr auf Schienen.

Bahn-Streik schadet dem Image des Güterverkehrs

Unternehmen, die jetzt unter dem langen Bahnstreik leiden, könnten das Vertrauen in Güterzüge als umweltfreundliche Alternative zum Transport mit Lastwagen verlieren, vermutet Carsten Knauer vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik. Er sagt: "Wenn Sie über die Autobahn fahren, unter der Woche, ist die ja zweispurig voll mit Lkw. Das geht ja so nicht weiter. Deswegen halten wir die Schiene für unabdingbar. Aber es ist schwer für die Schiene zu werben, wenn wir so kurzfristigen und lange Streiks bekommen."

Und zumindest an den Streiktagen müssen sich viele Unternehmen jetzt um kurzfristige Entlastungstransporte über die Straße bemühen.

Streik im Schienengüterverkehr trifft Verbraucher kaum

Während der Bahnstreik im Güterverkehr eine Belastungsprobe für die Industrie ist, werden Verbraucher kaum etwas von dem Stillstand der Güterzüge merken. Das liegt auch daran, dass die Güterverkehrstochter der Bahn, die DB Cargo, seit Jahren kontinuierlich an Marktanteilen verliert. Inzwischen ist sie für weniger als 50 Prozent der Warentransporte über die Schiene verantwortlich.

Das bedeutet, dass der Güterverkehr in Deutschland, trotz der streikenden DB-Lokführer längst nicht still steht.

Stand: 03.09.2021, 06:00

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