Wie funktioniert die Stromautobahn?

Wie funktioniert die Stromautobahn?

Die Pläne für die gigantische Stromtrasse von der Nordsee nach Meerbusch werden konkreter. Wie genau funktioniert die Stromübertragung über Erdkabel? Wie sieht die Technik aus? Was steht den Anwohnern bevor?

Mit drei unterirdischen Stromtrassen soll ab 2025 Strom aus den Nordsee-Windparks durch ganz Deutschland transportiert werden. Die westliche Trasse, die in Osterath bei Meerbusch endet, soll in NRW durch das Münsterland über den westlichen Niederrhein führen. Das zumindest ist der Vorschlag, den der Betreiber Amprion am Donnerstag (11.01.2018) in Wesel vorstellte. Im Laufe des kommenden Jahres soll die Bundesnetzagentur über den tatsächlichen Verlauf entscheiden.

"Siedlungen so weit wie möglich umgehen"

Die Stromtrasse besteht aus sechs 20 Zentimeter dicken Kabeln, die in etwa zwei Metern Tiefe liegen. Da sie Wärme abgeben, müssen sie in einem Abstand von ca. einem halben Meter verlegt werden. Die Kabel der Trasse sind in Abschnitte von 1.000 bis 1.300 Metern unterteilt und werden mit Muffen verbunden. Auf offenem Gelände wird für die Kabel ein Streifen von ca. 24 Metern ausgehoben und später wieder verfüllt. Wenn Gewässer oder Straßen unterquert werden, geschieht dies mittels Bohrungen und Tunnelbauten. Die Trasse soll bei Rees unter dem Rhein durchführen.

Im Gegensatz zu oberirdischen Leitungen muss bei Erdleitungen kein Abstand zu bewohnten Gebieten eingehalten werden. "Dennoch wollen wir Siedlungen so weit wie möglich umgehen", sagte ein Unternehmenssprecher dem WDR.

Die Kabel sind mit Gittern und Verschalungen geschützt, um Sabotageakte oder versehentliche Schäden durch Grabungen zu verhindern. Zudem sind im Erdreich Warnbänder verlegt.

Diskussion über Entschädigungen

Amprion stellt den Korridor für die Gleichstromleitung vor

Trasse verläuft nahe der Grenze

Über den Leitungen soll Land- und Forstwirtschaft möglich sein. "Tiere können nach wie vor weiden und Felder bestellt werden", heißt es bei Amprion. Allerdings dürfen auf dem 24 Meter breiten Schutzstreifen keine tiefwurzelnden Bäume oder Sträucher stehen. Bedenken von Landwirten wegen der Wärmeabgabe durch die Kabel seien unbegründet, teilte das Unternehmen mit: "Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Wärme der Erdkabel keine Ertragseinbußen verursacht."

Die Besitzer der betroffenen Grundstücke werden wegen der Bauarbeiten und möglicher langfristiger Einschränkungen entschädigt. Vielen Betroffenen reicht eine einmalige Entschädigung aber nicht. So fordert der Bauernverband wiederkehrende Entschädigungen, da die Unternehmen ja auch fortwährend Gewinne mit den Leitungen machten.

Die rund zwei Milliarden Euro teure Leitung soll eine Übertragungsleistung von zwei Gigawatt besitzen. Baubeginn soll 2022 oder 2023 sein.

Stand: 11.01.2018, 14:52

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