Wintersport in NRW - ein Auslaufmodell?

Wintersport in NRW - ein Auslaufmodell?

  • Klimawandel betrifft Wintersportgebiete in NRW
  • Eifel plant nicht mehr mit Ski-Touristen
  • Sauerland investiert in neue Lifte

Der Klimawandel treibt die Temperaturen und die Schneegrenzen in den Mittelgebirgen in die Höhe. Zwei Grad mehr bedeuten 300 Höhenmeter. Fünf Ski-Gebiete bleiben dann in Deutschland übrig, kein einziges in den Mittelgebirgen. So die Schätzungen von Experten. Wie gehen die Wintersport-Regionen in NRW mit dem Klimawandel um?

Stadtgespräch aus Winterberg: Schneekanonen gegen Klimawandel

WDR 5 Stadtgespräch 14.02.2019 54:56 Min. WDR 5

Download

Eifel nimmt warme Winter gelassen

"Wir freuen uns, wenn wir Schnee im Winter haben, wenn nicht, nehmen wir es gelassen hin." Das sagt Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel Tourismus GmbH. Denn die Branche im Südwesten von NRW plant schon lange nicht mehr mit Wintersportlern.

Zwischen dem "Weißen Stein" bei Hellenthal und dem "Schwarzen Mann" bei Prüm (Rheinland-Pfalz) gibt es zwar mehrere Skigebiete, aber sie werden nicht aktiv beworben. "Wir verlieren keine Gäste, weil wir keine haben, die nur wegen des Schnees kommen", bilanziert Schäfer.

Milde Luft aus Westen

Der Ski-Tourismus in der Eifel ist ein Auslaufmodell. Es geht bestenfalls um Bestandspflege, nicht um Investitionen in die Zukunft. In Monschau-Rohren wurden die traditionsreiche Rodelbahn und der Ski-Lift 2018 geschlossen. Zu warm waren die letzten Winter.

"Wir haben in der Eifel mehr atlantische Winde", erklärt Klaus Schäfer. Regen mit milden Temperaturen komme hier zuerst an.

Sauerland investiert in Wintersport

Schneekanone beschneit bei Winterberg im Sauerland eine Skipiste

Schneekanone bei Winterberg

Das sieht im Sauerland, im Osten von NRW, ganz anders aus. Es liegt rund 200 Meter höher als die Eifel und profitiert von kühleren Kontinentalströmen. Darum wurde in die "Wintersport-Arena Sauerland" seit ihrer Gründung 2002/2003 nach Angaben des Betreibers 125 Millionen Euro investiert.

Unter anderem in Lifte, Kunstschnee-Maschinen und Speicherteiche für die Schneemaschinen. Liftbetreiber, Gastronome, Hoteliers, Einzelhändler – sie alle leben zurzeit von Urlaubern, die einen Schnee-Urlaub buchen wollen.

Kritik am Kunstwinter

Nach Angaben der Wintersport-Arena Sauerland kostet die Erstbeschneiung einer 30 Meter breiten Piste mit Kunstschnee 20.000 Euro. Dafür würden 5.000 Kubikmeter Wasser gebraucht.

Dirk Jansen vom BUND NRW kritisiert, dass mit der künstlichen Beschneiung "ein hoher Wasser- und Energiebedarf und weitere schädliche Folgen für das Ökosystem verbunden" sind. Das sei alles andere als nachhaltig.

Gewissensfrage Wintersport

Wie sinnvoll ist es, die Folgen des Klimawandels mit Mitteln zu bekämpfen, die Energie und Ressourcen verbrauchen? Eifel-Touristiker Schäfer sagt: "Wir sind froh, dass wir nicht vor der Gewissensfrage stehen, wie die Kollegen im Sauerland."

Stand: 13.02.2019, 06:00

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Michael Riedemann 14.02.2019, 22:31 Uhr

    ich finde winterberg geil. schneekanonen noch viel mehr.

  • 3 Wahnsinn 14.02.2019, 08:53 Uhr

    Das Sauerland hat Geld investiert, um Geld zu machen, doch letztendlich wird die Natur zerstört! Einmal durch das Abholzen von Bäumen, um überhaupt mögliche Pisten zu haben und diese beschneien zu können und dann noch die nicht nachvollziehbare Vergeudung der kostbaren Ressource Wasser, um Kunstschnee zu erzeugen. Hier fehlt mir jedes Verständnis. Das Sauerland ist wunderschön und zieht mich jedes Mal in seinen Bann und dies sowohl im Sommer wie auch im Winter. Doch so langsam macht es durch die Autolawinen keine Freude mehr, dorthin zu fahren. Was dort abgeht, ist schlichtweg die Zerstörung der Natur und damit Raubbau an unserer Lebensgrundlage. Wie absurd ist das denn ? ? ?

  • 2 Anonym 13.02.2019, 12:26 Uhr

    Aus ökologischer Sicht steht der künstlichen Beschneiung entgegen, dass damit Touristen aus NRW und den Niederlanden nicht bis in die Alpen fahren müssen, also weniger Kraftstoff verbunden mit den entsprechenden CO2-Emissionen verbraucht werden. Wasser haben wir in Mitteleuropa genung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die ökologischen Vor- und Nachteile aufheben.

  • 1 Stephan Zobel 13.02.2019, 11:59 Uhr

    Wie bekloppt muss man sein um das Geld so zu "verpulvern". Es kommt auch niemand auf die Idee Nord-und Ostsee zu beheizen um die Badesaison zu verlängern... Wenn die Profiteure das aus ihrer eigenen Tasche bezahlen müssten, wäre ziemlich schnell Ende mit dem Irrsinn! Aber das zahlt ja der Steuerzahler. Wie sehen eigentlich die Schulen in den betreffenden Kommunen von innen aus?

Aktuelle TV-Sendungen