Eingeschneit in den Alpen - und in NRW wartet der Alltag

Hütte im Schnee

Eingeschneit in den Alpen - und in NRW wartet der Alltag

Von Christian Wolf und Sabine Meuter

  • Schnee und Sturm in Alpen haben viele Urlauber aus NRW kalt erwischt
  • Familie aus Aachen in Hütte eingeschneit
  • Was das für Arbeit und Schule bedeutet

Für Britta R. endete der Skiurlaub in diesem Jahr mit einem Abenteuer. Die Aachenerin steckte am Wochenende mit ihrer Familie und anderen Freunden in einer urigen Hütte in den österreichischen Alpen fest. Wegen des starken Schneefalls und der hohen Lawinengefahr war die einzige Hauptstraße im Glemmtal im Salzburger Land gesperrt, eine Abreise unmöglich.

Hütte im Schnee

Schnee stieg bis an die Fenster des Hauses

Statt am Samstagmittag ging es erst am Montagmorgen (07.01.2019) los in Richtung Heimat. Auf etwa 1.800 Metern Höhe gab es kein Entkommen. Gondeln und Lifte waren außer Betrieb. "Wir haben das Beste draus gemacht und es uns in der Hütte gemütlich gemacht", erzählt die zweifache Mutter.

Die Schule ihrer Tochter sei informiert worden, und die Lehrerin habe angesichts der ungewöhnlichen Entschuldigung Verständnis gezeigt. Auch R., die selbst Lehrerin ist, habe ihrer Schule Bescheid gegeben.

Anwalt: Arbeitnehmer sind in der Pflicht

Dabei kann solch ein Fall auch zu Problemen führen. Denn wer wegen des vielen Schnees nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurückkommen konnte und deshalb bei der Arbeit fehlt, dem droht unter Umständen Ärger mit dem Chef. "Arbeitnehmer haben dafür zu sorgen, dass sie pünktlich zur Arbeit kommen", sagt der Düsseldorfer Anwalt für Arbeitsrecht, Joachim Piezynski. Das gelte auch für schwere Witterungsverhältnisse.

Im aktuellen Fall sei der viele Schneefall zudem nicht plötzlich gekommen. "Wenn man ein bisschen in den Nachrichten geschaut hat, wusste man das ja nicht erst seit Sonntag." So wäre es möglich gewesen, schon früher abzureisen - um nicht eingeschneit zu werden.

Schlimmstenfalls eine Abmahnung

Anwalt Piezynski rät grundsätzlich dazu, in solchen Fällen frühzeitig Kontakt zum Arbeitgeber aufzunehmen und auf Verständnis zu hoffen. Im schlimmsten Fall müsse aber damit gerechnet werden, dass es eine Abmahnung oder keinen Lohn für das Fehlen gibt.

Aus dem NRW-Schulministerium hieß es auf WDR-Anfrage, selbstverständlich müssten Eltern ihren Urlaub so planen, dass ihre Kinder am ersten Tag nach den Ferien wieder in der Schule sind. Zeichnet sich während des Urlaubs ab, dass die Rückfahrt gefährdet ist, müssten Eltern auch eine frühere Abreise in Betracht ziehen.

Keine vorsätzliche Schulpflichtverletzung

Gibt es keine Möglichkeit, rechtzeitig aus dem Urlaub zurückzukommen, würden die Schulen dies nicht als vorsätzliche Schulpflichtverletzung betrachten. Wichtig ist aber aus Sicht des Ministeriums in jedem Fall, die Schule frühzeitig zu informieren. Am besten telefonisch.

Das hat die Familie getan. Ihr kann also keine Schulpflichtverletzung vorgeworfen werden. Auch die Mutter habe richtig gehandelt. "Es geht darum, ganz praktisch lebensnahe Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten tragbar sind", hieß es aus dem Ministerium.

Schneechaos in den Alpen dauert an WDR aktuell 07.01.2019 01:56 Min. Verfügbar bis 07.01.2020 WDR

Korrektur (08.01.2019, 11:03 Uhr): Die Mutter der eingeschneiten Familie, mit der wir gesprochen haben, hat uns nach Veröffentlichung des Berichts gebeten, dass wir ihren Namen nicht vollständig nennen.

Stand: 08.01.2019, 11:03

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