Nordrhein-Westfalen, Haltern am See: Reste des Turms einer Windenergieanlage stehen im Wald. Das fast 240 Meter hohe Windrad ist in sich zusammengestürzt.

Nach abgeknicktem Windrad - Wie sicher sind Windkraftanlagen?

Stand: 30.09.2021, 17:36 Uhr

Ein fast 240 Meter hohes Windrad ist am Mittwochabend in der Nähe von Haltern am See eingestürzt. Das Windrad sei erst vor einem halben Jahr in Betrieb genommen worden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Anke Kahle

Wie kann so etwas passieren?

Wenn ein Windrad umkippt, kann das unterschiedliche Gründe haben: Erosionen, Materialermüdung oder Schwachpunkte bei Bolzen, die Teile miteinander verbinden. Es können aber auch Schwachstellen beim Aufbau sein. Windräder werden vor Ort zusammengebaut, aus vielen angelieferten Einzelteilen. Das passiert zwar unter Bauaufsicht. Allerdings gibt es unterschiedliche Regelungen, je nach Bundesland. Hinzu kommt, dass es sich hierbei lediglich um Empfehlungen handelt. Verpflichtende bundeseinheitliche Regeln, wie ein Windrad in Deutschland aufgerichtet werden darf, gibt es nicht.

Eine konkrete Ursache für den Einsturz der Windkraftanlage in Haltern war bis zum Donnerstagabend (30.09.2021) noch nicht bekannt.

Geschieht das häufiger, dass ein Windrad einfach umkippt?

Der TÜV Verband spricht von Einzelfällen. Allerdings sind erst vergangenes Jahr bei einem Windrad in Haltern die Flügel abgebrochen. Grund war ein Materialfehler. Auch in anderen Bundesländern sind in der Vergangenheit vier Windräder umgeknickt - in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Was muss sich ändern, damit Windräder in Zukunft sicherer werden?

Windräder sollten im laufenden Betrieb alle zwei Jahre geprüft werden. Wenn der Betreiber allerdings einmal im Jahr die Windkraftanlage wartet, dann kann die Hauptüberprüfung auf vier Jahre ausgeweitet werden. Das muss sich ändern, fordert der Geschäftsführer vom TÜV Verband, Joachim Bühler: „Wir brauchen bundeseinheitliche Regelungen, von Schleswig-Holstein bis Bayern mit dem allerhöchsten Sicherheitsniveau. Dazu gehören regelmäßige Prüfungen von unabhängiger Stelle.“

Wie gefährlich sind Windräder für Spaziergänger und Radfahrer?

Laut TÜV Verband zählen Windräder grundsätzlich zu den sichersten Bauwerken. Daher muss man sich keine Sorgen machen, wenn man an einem Windrad vorbei kommt, dass es eventuell einstürzen könnte. Gleichzeitig werden im Zuge der Energiewende noch weitere Windkraftanlagen hinzukommen. Das bedeutet für dicht besiedelte Regionen wie NRW, dass zukünftig auch Windräder in der Nähe von Straßen, Wanderwegen oder Autobahnen errichtet werden.

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