Ausbau der Windkraft in NRW: Wo stehen wir?

Ausbau der Windkraft in NRW: Wo stehen wir?

Von Nina Magoley

  • Ausbau der Windkraft in Deutschland stagniert - auch in NRW
  • Neuer Landesentwicklungsplan schafft Hemmnisse
  • "Windgipfel" in Berlin soll Lösungen finden

Fast 31.000 Windräder drehen sich deutschlandweit und decken aktuell 27,1 Prozent der Stromversorgung. Doch der Ausbau an Land ist nahezu zum Erliegen gekommen.

Wo stehen wir in NRW?

Nach Angaben des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW (LEE) bei einem Rekordtief: Im ersten Halbjahr 2019 wurden in NRW gerade mal 14 neue Windräder errichtet - im Vorjahreszeitraum waren es noch 83, davor 114. Insgesamt 3.738 drehen sich derzeit in NRW.

Vor allem der neue Landesentwicklungsplan erschwere die Ausweisung neuer Flächen für Windkraft, beklagen Windkraftverbände. Demnach müssen Windräder einen Mindestabstand zu Wohngebieten von 1.500 Metern einhalten, Waldgebiete sind nun als Standort weitgehend tabu. Auch der Städte- und Gemeindebund NRW bezweifelt, dass NRW so seine Klimaziele erreichen kann.

Zusätzlich hemmen zahlreiche Klageverfahren den weiteren Ausbau. Nach Angaben von LEE sind 60 Prozent der bundesweit knapp 200 erfassten Klageverfahren von Umwelt- und Naturschutzverbänden initiiert.

Bei einer Expertenanhörung am Mittwoch (04.09.2019) im NRW-Landtag erklärten Bürgervertreter und Wissenschaftler übereinstimmend, dass die Akeptanz von Windkraftanlagen in der Bevölkerung grundsätzlich hoch sei. Widerstand formiere sich vor allem dann, wenn Bürger nicht in die Planung neuer Anlagen einbezogen würden.

Was müsste geschehen?

Entsprechend ihrer kürzlich vorgestellten Energiestrategie müsste die Landesregierung in den nächsten zehn Jahren gut 170 moderne Anlagen jährlich neu bauen. Das hat LEE ausgerechnet. Es könnten aber auch bestehende Anlagen aufgerüstet werden.

Im August dieses Jahres erklärte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP), er wolle "die Gesamtmenge an Windkraft" in den nächsten fünf Jahren "verdoppeln". Noch am selben Tag ruderte er zurück: Es gebe "ein theoretisches Potenzial zur Verdoppelung der Kapazitäten".

Was kann der Windgipfel bewirken?

Am Tisch mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sitzen am Donnerstag (05.09.2019) Vertreter der Länder, von Umweltverbänden, Anti-Windkraft-Bürgerinitiativen und der Windindustrie.

Energieminister Pinkwart erklärte vorab, er wolle Lösungen in den "wichtigen Handlungsfeldern" für einen "verträglichen Ausbau der Windenergie" finden. Die dafür nötigen Gesetzesänderungen ließen allerdings "keine kurzfristigen Problemlösungen erwarten". Er kündigte eine Bundesrats-Initiative an, die Anlagenbetreibern mehr wirtschaftliche Sicherheit geben und über ein verbessertes "Ausschreibungsdesign" auch die Gefahr von Klageverfahren verringern soll. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund fordert von der Politik, "mehr und besser" mit den Bürgern zu kommunizieren.

Angriff auf die Windkraft: Der Energiewende droht das Aus Monitor 29.08.2019 09:47 Min. UT Verfügbar bis 29.08.2099 Das Erste Von Jochen Taßler, Lara Straatmann, Adrian Breda

Stand: 05.09.2019, 11:01

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