Mehr Wildschweine in den Wohngebieten

Stand: 22.01.2022, 20:14 Uhr

Hund Willy mit einer Fleischwunde, Susanne S. mit einem riesen Schreck: So endete für eine Kölnerin der Morgenspaziergang. Mitten auf dem Bürgersteig stand ein Wildschwein und griff Hund und Halterin an. Wildschweine verlieren zunehmend die Scheu vor Menschen.

Vorfälle, wie das, was die Kölnerin bei ihrer Gassirunde erlebt hat, sind zum Glück selten. Meist verwüsten die Wildschweine nur Vorgärten. Manchmal trauen sie sich auch in Fußgängerzonen. Die Tiere verlieren immer mehr die Scheu vor Menschen und erobern die Städte. Ein bisschen Wald als Rückzugsgebiet in der Nähe reicht ihnen. Der Ausflug in die Stadt ist für sie verlockend. Dazu kommt, dass sich durch Corona immer mehr Menschen in "ihrem" Wald aufhalten.

Haben Wildschweine keine Scheu vor Menschen mehr?

"Wildscheine sind sehr schlaue Tiere", sagt Dr. Michael Petrak, von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung. Er erforscht für das LANUV die Wildschweine und beobachtet, dass durch die milden Winter fast doppelt so viele Frischlinge geboren werden wie früher. Und die müssen vorsorgt werden. "Sie haben gelernt, dass ihnen in Städten keine Gefahr droht, weil sie hier nicht gejagt werden." In öffentlichen und privaten Mülltonnen gibt es reichlich Lebensmittelreste. Gerd Spiecker, Geschäftsführer der Kreisjägerschaft Düsseldorf-Mettmann: "Wir machen es Wildschweinen sehr einfach mit unserer Wegwerfgesellschaft. Überall sind Nahrungsreste und das ist für die Tiere sehr verlockend!" Gerade jetzt zu Jahresanfang, wenn es Frischlinge gibt, gehen sie auf Futtersuche auch außerhalb des Waldes.

Da sie ihre Frischlinge bis auf Äußerste verteidigen, sind sie im Moment besonders gefährlich. Auf einen Hund, der in ihren Augen ihrem natürlichem Feind, dem Wolf, ähnlich ist, reagieren Wildschweine generell gereizt, greifen sie vielleicht manchmal sogar deshalb an.

Warum verwüsten Wildschweine Vorgärten?

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Auch Gärten und Vorgärten in der Stadt sind für Wildschweine eine einfache Nahrungsquelle. Viele Hausbesitzer düngen und sprengen ihren Rasen und wollen, dass er dicht und gleichmäßig wächst. Eine gute Grundlage für Insektenlarven. Und offenbar so verlockend, dass Wildschweine dafür gern den Garten umgraben. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass die Tiere von Menschen angefüttert werden.

Wie halte ich Wildschweine aus meinem Garten?

Michael Petrak rät, alle Abfälle rund ums Haus, auch auf dem Kompost, so zu sichern, dass die Wildschweine nicht daran kommen. Und natürlich hilft ein stabiler Zaun von mindestens einem Meter Höhe.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich ein Wildschwein treffe?

Dr. Michael Petrak rät dazu, ruhig zu bleiben. Was leichter gesagt ist als getan: Wildschweine sind groß und dunkel und wirken auf viele Menschen bedrohlich. "Das sind sie eigentlich aber nur, wenn sie ihren Nachwuchs dabei oder in der Nähe haben", sagt er. Am besten solle man sich langsam von dem Tier entfernen, nicht rennen. Vor allem Hundebesitzer müssen aufpassen und einen Hund sofort an die Leine nehmen.

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