Entsetzen über Anschlag in Wien

Entsetzen über Anschlag in Wien

In Wien sind vier Passanten bei einem Anschlag getötet worden. Ein von der Polizei erschossener Attentäter gilt als Islamist. Er sei vorbestraft gewesen und sei vorzeitig entlassen worden. Nach möglichen weiteren Tätern wird gefahndet.

Bewaffnete Polizisten patrouillieren am frühen Morgen auf einer abgesperrten Straße in Wien nach einem Schusswechsel im Stadtzentrum.

Österreich steht unter Schock. Ein 20-Jähriger hat am Montagabend in einem Ausgehviertel in Wien auf Barbesucher und Restaurantangestellte geschossen. Vier Menschen, darunter eine Deutsche, starben, 22 weitere wurden verletzt. Der Angreifer wurde von Polizisten erschossen. Der Mann war nach Angaben des österreichischen Innenministers Karl Nehammer (ÖVP) ein Anhänger der Terrormiliz IS. Er sei vorbestraft gewesen und habe im Gefängnis gesessen. Die Justiz habe ihn aber vorzeitig entlassen.

Derzeit gebe es keinen Hinweis auf einen zweiten Täter, sagte Nehammer am Dienstag vor Journalisten in Wien. Allerdings stehe noch nicht zweifelsfrei fest, wie viele Täter an dem Anschlag beteiligt waren.

14 Verdächtige vorläufig festgenommen

Nach Hausdurchsuchungen im Umfeld des erschossenen 20 Jahre alten Attentäters seien 14 Verdächtige vorläufig festgenommen worden. Dem bereits wegen versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung inhaftierten Mann sei es gelungen, die Behörden bei seiner vorzeitigen Entlassung über den Misserfolg seiner Deradikalisierung zu täuschen, so Nehammer. Es habe keine Warnhinweise über die Gefahr durch den 20-Jährigen gegeben. Wegen der laufenden Ermittlungen sei in Wien immer noch sehr viel Polizei unterwegs.

Auslöser könnten Mohammed-Karikaturen sein

Der Terrorangriff ereignete sich wenige Stunden vor Beginn des teilweisen Lockdowns in Österreich. Seit Mitternacht sind alle Gaststätten im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschlossen. Auslöser für den Anschlag sei wohl der Konflikt um die Mohammed-Karikaturen in der franzöischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo, glaubt Peter Neumann, Experte für islamistischen Terrorismus am Londoner King's College. Im Gespräch mit WDR2 sagte er am Dienstag, dass man es in Wien mit Leuten zu tun habe, die wohl seit vielen Jahren in der islamistischen Szene unterwegs seien.

Aufgrund dieses Auslösers habe sich quasi eine Art Kette ergeben. Jeder Anschlag dieser Art habe die Absicht, weitere Anschläge zu inspirieren. "Deswegen glaube ich, gibt es im Moment eine problematische Situation in Europa, wo weitere Anschläge nicht ausgeschlossen sind."

Anteilnahme in Deutschland

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz sprach von einem "widerwärtigen Terroranschlag". Auch in Deutschland wird der Anschlag verurteilt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) drängte auf eine Intensivierung der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit in der Europäischen Union. Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) erklärte: "Wir Deutsche stehen in Anteilnahme und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde."

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Zentralrat der Muslime: "Terroristen führen Krieg gegen Gott und Menschen"

"Die Terroristen trachten nach unserem Leben, nach unserer Freiheit und wie wir hier in Europa leben", hieß es am Dienstag vom Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. Die Gebete und Gedanken seien in diesen Stunden bei den Getöteten und ihren Angehörigen. Als deutsche Muslime und als Europäer stehe man für die Unversehrtheit aller Menschen und zu den Werten "unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung". Die Terroristen führten einen Krieg gegen Gott und seinen Menschen.

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Stand: 03.11.2020, 17:34

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