Weltkriegsbomben: Wie wird man Bomben-Entschärfer?

Zwei Männer knieen neben zwei Bomben.

Weltkriegsbomben: Wie wird man Bomben-Entschärfer?

  • Immer mehr Weltkriegsbomben werden gefunden
  • Kampfmittelräumer kein Ausbildungsberuf
  • Voraussetzungen für die Tätigkeit

Stolz präsentieren Kampfmittelräumer, wie die Bomben-Entschärfer offiziell heißen, nach getaner Arbeit die nun ungefährlichen Bomben. Sie alle haben eine ruhige Hand und starke Nerven.

Einen Ausbildungsberuf namens Bomben-Entschärfer oder Kampfmittelräumer gibt es nicht. Das nötige Wissen wird in Fortbildungen und durch Assistenzen bei Entschärfungen vermittelt.

In NRW ist die Kampfmittelräumung eine öffentliche Aufgabe. Die Kampfmittel-Beseitigungs-Dienste sind den Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf unterstellt.

Der Weg zum Kampfmittelräumer

Häufig haben die Kampfmittelräumer zuvor eine handwerkliche Ausbildung gemacht, teilt die Bezirksregierung Düsseldorf mit. Um eine Bombe entschärfen zu dürfen, müssten zuvor zwei Lehrgänge gemacht werden. Sie dauern mehrere Wochen. Besonders wichtig sei aber die Erfahrung.

Das bestätigt auch die Bezirksregierung Arnsberg: Bevor jemand eine Bombe entschärfe, habe er zuvor mehrere Jahre dabei assistiert. Eine weitere Voraussetzung sei Zuverlässigkeit.

"Zuverlässigkeit" klingt nach Softskill, ist in diesem Fall aber gesetzlich geregelt in Paragraf 8a des Sprengstoffgesetzes. Demnach gilt als zuverlässig, wer unter anderem mindestens 21 Jahre alt ist und nicht einschlägig vorbestraft. Ebenfalls ungeeignet sind nach Paragraf 8b Drogenabhängige oder psychisch Kranke.

Lebensversicherung vom Land

Keine Frage, der Job ist gefährlich! Wie gefährlich, zeigt die fehlgeschlagene Entschärfung eines Blindgängers in Göttingen im Jahr 2010: Drei Kampfmittelräumer starben, zwei wurden schwer, vier leicht verletzt.

Wegen des erhöhten Berufsrisikos haben Bomben-Entschärfer Anspruch auf eine Lebensversicherung vom Land NRW, teilte die Bezirksregierung Arnsberg mit. Alles andere wäre wahrscheinlich kaum finanzierbar.

Beruf mit Zukunft

Auch 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden immer noch Tausende Bomben gefunden: 2018 waren es allein in NRW 2.811 Bomben. 2017 fand man in NRW 1.946 und 2016 waren es 1.392.

Dass immer mehr Bomben gefunden werden, liegt nach Angaben der Bezirksregierungen Arnsberg und Düsseldorf am Boom in der Baubranche. Ursula Kissel von der Bezirksregierung Arnsberg geht davon aus, "dass uns das auch noch die nächsten Jahrzehnte beschäftigen wird".

Der Tipp eines erfahrenen Entschärfers

Peter Bens, der 25 Jahre als Bomben-Entschärfer in Köln gearbeitet hat, mahnt im WDR-Gespräch, die Arbeit sollte nie zur Routine werden. Man müsse immer Respekt vor der Bombe haben: "Man sollte nicht sagen, das ist meine hundertste Bombe, sondern immer, das ist meine erste!"

Der Bomben-Entschärfer Peter Bens, Teil 1 Hier und heute 21.05.2019 06:19 Min. Verfügbar bis 21.05.2020 WDR

Explosives Erbe: Blindgänger unter unseren Füßen Quarks 17.09.2019 44:42 Min. UT DGS Verfügbar bis 17.09.2024 WDR

Stand: 21.01.2020, 19:01

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