WHO-Studie: Jugendliche bewegen sich zu wenig

WHO-Studie: Jugendliche bewegen sich zu wenig

Von Matthias Wurms

  • Jeder Fünfte Jugendliche bewegt sich nur eine Stunde am Tag
  • Mädchen bewegen sich noch weniger als Jungen
  • Sport-Projekte an Schulen in NRW als Vorreiter

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die am Freitag (22.11.2019) veröffentlicht wurde, bewegen sich weltweit nur 19 Prozent der 11- bis 17-Jährigen eine Stunde am Tag, wie es die WHO empfiehlt. Deutschland schneidet dabei schlechter ab als der Durchschnitt.

Diese Erkenntnisse sind nicht grundsätzlich neu. In NRW gibt es einige Projekte, um das zu ändern. Der Landessportbund hat 2010 die Kampagne "NRW bewegt seine Kinder" gestartet. Sie unterstützt und vernetzt Sportvereine, Kitas und Schulen.

Bewegung ist gut fürs Denken

Dabei geht es nicht nur um Leistungssport. Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche nach ausgiebiger Bewegung deutlich besser lernen. Das kann auch das Fangen spielen auf dem Schulhof sein. Die Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesamtschule in Duisburg-Hamborn hat deshalb die kurzen Pausen abgeschafft und in einer großen 40-Minuten-Pause am Vormittag gebündelt.

In dieser Zeit kämpfen die Mannschaften der Fußball-Pausenliga um Punkte, andere üben Stelzenlaufen oder spielen Federball. Angeleitet werden sie von Schülern, die als Sporthelfer ausgebildet werden. Handys dagegen sind in der Schule verboten – auch in der Pause.

Für Schulleiter Karl-Theodor Hußmann ist das ein zentraler Baustein des Konzepts: "Wenn die Schüler die Möglichkeit hätten, dass Handy zu nutzen, dann wären alle anderen Sachen weniger attraktiv."

Sport in den Alltag integrieren

Grundsätzlich geht es darum, Bewegung in den Alltag zu integrieren, denn viele Angebote von Sportvereinen erreichen nur die, die ohnehin Sport treiben wollen – und sie erreichen häufig mehr Jungen als Mädchen. Dabei spielen der WHO-Studie zufolge meist religiöse und kulturelle Hemmnisse eine Rolle.

Bewegungsmangel bei Kindern hat Folgen Planet Wissen 09.12.2019 03:35 Min. Verfügbar bis 09.12.2024 SWR

Den Kindern die Straße zurückgeben

Das Landeskonzept "Quartier in Bewegung" will nicht nur mehr Spielraum für Kinder und Jugendliche schaffen, sondern auch erreichen, dass die Bewohner mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad machen. Nach Pilotprojekten in Oberhausen in Hamm wird das Konzept zurzeit in Bielefeld und im Rhein-Sieg-Kreis ausprobiert.

Dazu gehört auch, die Wohnviertel kinderfreundlicher machen. Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr alleine zur Schule gehen, weil die Wege zu gefährlich seien, etwa durch zu viele Autos und zu schlechte Beleuchtung. Zudem gibt es gerade in Innenstädten nur noch wenige Grün- und Brachflächen, die sich Kinder erobern könnten. Abenteuer erleben viele dann nur noch am Handy.

Stand: 22.11.2019, 15:59

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