Drei Tornados: Verletzte und Schäden nach Unwetter in NRW

Stand: 21.05.2022, 11:41 Uhr

Nach dem Unwetter bleibt es vor allem in Paderborn und Lippstadt gefährlich, sich im Freien aufzuhalten. In Paderborn gibt es Dutzende Verletzte. Die Schäden im Land sind zum Teil enorm.

Bei dem Unwetter am Freitag in NRW kam es auch zu drei Tornados. Das bestätigte der Deutsche Wetterdienst am Samstag. Die Schäden gehen in Millionenhöhe. Am stärksten trafen die Wirbelstürme Paderborn und Lippstadt. Nach Angaben der Feuerwehr gibt es in Paderborn rund 40 Verletzte. In Lippstadt verletzte sich trotz immenser Sachschäden nach bisherigem Stand niemand. Ein weiterer Tornado tobte in Lütmarsen, einem Ortsteil von Höxter. Im Ruhrgebiet und anderswo in NRW blieb es zumeist bei Schauern.

Bürgermeister in Paderborn: "ein unvorstellbares Bild"

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) bei der Pressekonferenz zum Tornado | Bildquelle: WDR

Paderborns Bürgermeister Michael Dreier (CDU) berichtete am Samstagmorgen mit eindringlichen Worten von den Verletzten und Schäden durch den Tornado. Es seien "Leitplanken wie Papierschnipsel durch die Gegend geflogen" und "Ampeln wie Streichhölzer umgekippt". Im Bereich des Paderquellgebiets biete die Verwüstung "ein unvorstellbares Bild", so Dreier.

"Paderborn ist entsetzt. Paderborn ist schockiert. Und Paderborn ist mehr als tief betroffen." Michael Dreier, Bürgermeister von Paderborn

Ein Mensch schwebe noch in Lebensgefahr, berichtete der Leiter der Paderborner Feuerwehr, Ralf Schmitz. Darüber hinaus gebe es 14 Mittelschwerverletzte und etwa 25 Leichtverletzte. Am Nachmittag wollen sich nach Angaben von Bürgermeister Dreier Ministerpräsident Hendrik Wüst und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) in Paderborn ein Bild von der Lage machen.

Tornados in NRW: auch in Lütmarsen (Höxter)

Facebook-User Mirko Niederprüm aus Höxter postete am frühen Freitagabend ein Video, das den Tornado im Ortsteil Lütmarsen zeigen soll:

Tornados sind Wirbelstürme, bei denen aus einer Gewitterwolke ein rüsselartiger Wolkenschlauch bis in Bodennähe reicht. Auch in NRW treten sie immer wieder auf. In Deutschland gibt es laut Helmholtz-Institut bis zu 60 Tornados pro Jahr.

Paderborn und Lippstadt von Unwetter stark betroffen

Folgen des Unwetters in Paderborn | Bildquelle: WDR/Fiona Keimeier

In Paderborn stünden nun umfangreiche Aufräumarbeiten an, sagte ein Polizeisprecher. Ganze Fensterscheiben wurden aus Geschäften gerissen, etliche Bäume entwurzelt und Dachziegel heruntergeweht.

Auch in Lippstadt sind die Schäden enorm. Im gesamten Stadtgebiet gab es Zerstörungen. Von einer Kirche in Lippstadt stürzte die Spitze durch die Wucht des Sturms herunter. In einem Freizeitbad waren zwischenzeitlich rund 120 Menschen eingeschlossen, weil umgestürzte Bäume den Eingang blockierten. Noch immer sind manche Bereiche in der Innenstadt von Lippstadt sicherheitshalber abgesperrt.

Sturm wütet auf Hof in Wadersloh

Hof in Wadersloh | Bildquelle: WDR/Winkelkotte

Auch in Wadersloh im Kreis Warendorf stürmte es heftig. Besonders hart getroffen hat es einen landwirtschaftlichen Betrieb. Der Sturm schlug entlang der 600 Meter langen Einfahrt eine Schneise durch die Bäume und deckte dann das Dach des Hofes ab. Verletzte gab es aber nicht.

Auch am Samstag gilt: Schutz ist immer noch wichtig

Der Deutsche Wetterdienst hat die Allgemeine Unwetterwarnung für NRW zwar aufgehoben, aber weiterhin droht mancherorts noch Gefahr. Die Polizei in Lippstadt und in Paderborn warnt in einigen Ortsteilen vor "Gefahr für Leib und Leben" wegen herabfallender Dachziegel und Äste. Gerade in diesen schwer getroffenen Regionen sollten Bewohner vorsichtig sein. Der Rat der Behörden:

  • Bleiben Sie nach Möglichkeit im Haus - der Wind kann Dachziegel herunterwehen, Gerüste umwerfen oder Bäume entwurzeln.
  • Halten Sie sich von Bächen und kleinen Flüssen fern - sie können sehr schnell über die Ufer treten.
  • Schließen Sie Fenster und Türen und sorgen Sie dafür, dass draußen nichts weggeweht werden kann - wie Mülltonnen, Gartenstühle oder Fahrräder.
  • Vermeiden Sie Autofahrten.
  • Passen Sie Ihr Verhalten im Straßenverkehr den Verhältnissen an.
  • Halten Sie Abstand zu Bäumen, Türmen und Masten. Halten Sie mindesten 20 m Abstand zu Hochspannungsleitungen.

Starkregen in Düsseldorf

Regenmassen in Düsseldorf | Bildquelle: dpa/David Young

Andernorts in NRW richtete das Unwetter ebenfalls Chaos an. Im Bergischen gab es am frühen Abend Bahnprobleme zwischen Solingen und Haan-Gruiten. Züge mussten umgeleitet werden, es kam zu Verspätungen. In Düsseldorf stand die B7 unter Wasser. Dort hatte es laut den WDR-Wetterexperten extremen Starkregen von 30 Litern pro Quadratmeter in 20 Minuten gegeben. Bis zum Abend musste die Feuerwehr ausrücken.

Im Regierungsbezirk Köln wurde bereits am Mittag vorsorglich der Unterricht beendet. Die Bezirksregierungen Düsseldorf, Arnsberg und Münster überließen es den Schulen, ob sie früher schlussmachen wollten.

Nicht überall schlug das Unwetter zu

Und dann gab es Gegenden in NRW, an denen schien das Unwetter nahezu vorbei gegangen zu sein. In Witten wechselten die Feuerwehr am frühen Abend wieder in den Normalbetrieb. Im Münsterland gab es vereinzele Einsätze wegen des starken Regens. Im Kreis Borken war ein Blitz in eine Scheune eingeschlagen, die Feuerwehr konnte den Brand aber zügig löschen.

Aus Essen meldete ein WDR-Reporter am Abend, dass es kaum Einsätze gegeben habe. In der Essener Innenstadt fand sogar ein Festival statt. Vor drei Bühnen in der City tanzten Besucher.

Das Wochenende wird ruhiger

Am Freitagabend wurde die Unwetterwarnung aufgehoben. Am Wochenende wird es nur noch vereinzelt Schauer geben. Am Samstag scheint manchmal die Sonne, es ist aber bei 18 bis 22 Grad windig. Sonntag gibt es weniger Regen, mehr Sonne und etwas kühlere Temperaturen. Die steigen am Montag wieder - dann sind auch wieder Gewitter möglich.