Warum der Winter so warm ist und welche Folgen das hat

Die Zweigenden einer Weide mit Knospen. Im Hintergrund ein strahlend blauer Himmel.

Warum der Winter so warm ist und welche Folgen das hat

Von Nina Magoley

  • Ungewöhnlich warmes Wetter in NRW
  • Selbst Kahler Asten vier Grad wärmer als Valencia
  • Was ist Ursache des milden Winters - und was sind die Folgen?

"Auf dem Kahlen Asten war es heute früh vier Grad wärmer als in Valencia", sagt WDR-Wetterexperte Jürgen Vogt. In ganz NRW gab es in der letzten Nacht keinen Bodenfrost. "Das ist für diese Jahreszeit absolut unüblich."

Warum ist es so warm?

Mehrere Tiefs sind vom Nordatlantik aus Richtung Skandinavien gezogen. An ihrem südlichen Rand haben sie dabei milde Meeresluft in unsere Breitengrade gelenkt, die nun für so milde Temperaturen sorgt.

Klimaforscher gehen davon aus, dass sich wetterbestimmende Tiefs mittlerweile langsamer bewegen als früher. Der Jetstream - Luftströmungen in rund 10.000 Metern Höhe - werde träger. Dadurch halten sich warme Wetterlagen länger, so Vogt. Zwar können Meteorologen seriös höchsten 14 Tage vorausblicken, dennoch könne man sagen: "Ein richtiger Winter ist nicht in Sicht".

Welche Folgen hat die derzeitige Wärme?

Pflanzen und Tiere reagieren derzeit auf die ungewöhnliche Wärme, sagt Birgit Königs vom NABU NRW: Hasel und Erle blühen bereits - Wochen zu früh. Viele Sträucher schlagen aus. Frühblüher wie Schneeglöckchen und Narzissen wachsen kräftig und die Singvögel, die wegen der Wärme hiergeblieben sind, trällern bereits ihre Reviergesänge. "Sie sind jetzt im Vorteil, weil sie sich die besten Reviere sichern können", so Königs.

Riskanter sieht es für Kröten oder Molche aus: Auch sie kommen bei zehn Grad aus ihren Winterverstecken. "Wenn es dann doch nochmal friert, sehen sie alt aus." Igel oder andere Säugetiere, die sich Fett für einen langen Winterschlaf angefressen hatten, wachen jetzt ebenfalls auf. Sollten auch sie demnächst zurück in ihr Winterquartier müssen, wird dieses häufige Umsteuern des Stoffwechsels zu viel Energie verbrauchen. Die Tiere könnten dann verhungern.

Milder Winter weckt Frühlingsgefühle

Von Katja Goebel

Wer genau hinhört, kann schon Singvögel trällern hören. Auch mancher Säuger ist von den milden Temperaturen irririert. Was das wenig winterliche Wetter mit den Tieren macht.

Ein Kleiber sitzt auf einem dünnen Ast und singt.

Sie machen sich schon lautstark bemerkbar - Singvögel wie der Kleiber (Foto) oder die Kohlmeise stimmen derzeit schon Reviergesänge an und kundschaften die besten Nistmöglichkeiten aus. Der Grund: Nicht nur in diesem Winter herrschten Temperaturen "wie am Mittelmeer", heißt es dazu vom Nabu (Naturschutzbund).

Sie machen sich schon lautstark bemerkbar - Singvögel wie der Kleiber (Foto) oder die Kohlmeise stimmen derzeit schon Reviergesänge an und kundschaften die besten Nistmöglichkeiten aus. Der Grund: Nicht nur in diesem Winter herrschten Temperaturen "wie am Mittelmeer", heißt es dazu vom Nabu (Naturschutzbund).

Auch die Stare zeigen schon erste Frühlingsaktivitäten. Beobachtungen der Nabu-Vogelexperten belegen, dass viele in diesem "Winter" gar nicht erst bis in die Bretagne gezogen sind, denn in diesem Jahr sind günstige Temperaturen und genügend Nahrung auch hier vorhanden.

Einige Zugvögel, die sich trotzdem auf den Weg gemacht haben, könne man zudem früher zurückerwarten. Dazu gehören neben dem Star sogenannte Kurzstreckenzieher wie Feldlerche und Kiebitz (Foto).

"Auf Langstreckenzieher wie Störche, Nachtigall und Kuckuck haben diese 'Wetterkapriolen' kurzfristig keinen Einfluss. Sie kommen zu den gewohnten Zeiten in ihre Brutgebiete zurück, da sie in ihrem Zugverhalten wesentlich stärker genetisch fixiert sind", so Birgit Königs, Sprecherin des Nabu-NRW. "Voraussichtlich wird der Klimawandel langfristig zur Gefährdung der Bestände einiger dieser Arten führen."

Doch auch in Deutschland überwintern immer mehr Störche, statt nach Spanien oder Afrika zu ziehen. Selbst in NRW wurden schon einzelne Paare gesichtet.

Für winterschlafende Säugetiere wie Igel oder Fledermäuse wird es meist ernst, wenn milde Phasen zu häufig mit Kälteeinbrüchen wechseln. "Dann reichen die angelegten Fettreserven unter Umständen nicht mehr aus, um den Winter in Gänze zu überstehen."

Bleibe es so warm, könne man ab Ende Januar mit den ersten Springfröschen rechnen, so Monika Hachtel, Amphibienexpertin des NABU NRW. Einmal losgelaufen, stellen plötzliche Kälteeinbrüche dann eine große Gefahr dar. Wandernde Amphibien würden sich dann nicht mehr rechtzeitig durch Eingraben vor der Kälte schützen können und erfrieren.

Und auch Schmetterlinge, wie das Tagpfauenauge (Foto) und der Kleine Fuchs, die sich den Winter über in menschliche Behausungen zurückgezogen haben, sitzen bei Temperaturen um die 10 Grad bereits in den Startlöchern. Werden sie von der Sonne nach draußen gelockt, droht ihnen so früh im Jahr allerdings direkt der Hungertod, da sie noch keine Nahrung finden.

Bei den Insekten sind jetzt vor allem die Schmetterlinge in Gefahr. Auch sie erwachen verfrüht - finden dann aber nicht den dringend benötigten Nektar, denn es gibt noch keine passenden Blüten. "Schmetterlinge werden dann verhungern."

Normalerweise, sagt Königs, könne die Natur einmalig mit solchen ungewöhnlichen Wetterlagen gut umgehen. "Da das aber jetzt schon der zweite oder dritte milde Winter in Folge ist, wird es für einige Arten eng."

Für die Landwirtschaft gebe es bisher kein Problem mit dem Wetter, sagt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. "Vielleicht ein paar Blattläuse zu viel" seien aufgrund der bisher so milden Temperaturen zu erwarten. Handfeste Prognosen für den Jahresverlauf ließen sich aus der aktuellen Wetterlage aber nicht ableiten.

Dennoch: Der Dürremonitor beim Helmholtz-Institut für Umweltforschung zeigt, dass die Böden in Wäldern und auf Feldern in NRW zwar unter der Oberfläche gut feucht sind. In tieferen Lagen bei 1,80 Meter aber wird teils extreme Dürre gemessen.

Ist die Wärme ein Symptom des Klimawandels?

Die meisten Experten gehen davon aus. Betrachte man die Wetterentwicklungen der vergangenen zehn Jahre, liege der Verdacht nahe, sagt WDR-Wetterexperte Vogt.

Im Internet zeigt das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung auf interaktiven Karten, welche Konsequenzen die Klimaveränderung haben wird: Von der allgemeinen Trockenheit und Waldbrandgefahr über die Entwicklung des Weizen- und Weinanbaus bis zum Grundwasserstand. Ansichtssache, ob man sich bei dieser Lage darüber freuen kann: Die Zahl der "Badetage" in NRW wird demnach kontinuierlich steigen.

Stand: 14.01.2020, 15:42

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