#wetterberichtigung bringt Tief "Ahmet"

Eine Person geht bei wolkenbedeckten Himmel spazieren

#wetterberichtigung bringt Tief "Ahmet"

Von Nina Magoley

Das ist eine Überraschung: Ein Tiefdruckgebiet namens Ahmet rückt an. Jahrzehntelang hatten die Wetterlagen in Deutschland nur deutsche Namen. Jetzt wird das Wetter divers.

Tief Ahmet hat Schnee für NRW im Gepäck. Von Polen aus rückt es langsam näher, sagt WDR Wetterexperte Frederik Raff. Am Mittwoch könnte es dann dank Ahmet in Ostwestfalen bis ins östliche Ruhrgebiet anfangen zu schneien.

"Tief Ahmet" im Wetterbericht? Das klingt ungewohnt. Doch nicht mehr lange: Auch die nächsten neun Tiefdruckgebiete werden Namen von Migranten tragen. Zu verdanken ist das dem Netzwerk "Neue deutsche Medienmacher*innen" (NDM). Als Zusammenschluss von Medienschaffenden unterschiedlichster kultureller Herkunft sahen sie es an der Zeit, dass auch auf den deutschen Wetterkarten endlich öfter Namen wie Ahmet oder Jussuf erscheinen - und nicht immer nur "Namen wie Gisela und Helmut", wie NDM in einer Erklärung schreibt: "Deutsche heißen schließlich auch Ahmet, Chana, Khuê und Romani."

"Einwanderer bleiben oft unsichtbar"

"Wir kapern das Wetter 2021 und schleusen neue deutsche Namen in den Wetterbericht", heißt es dort weiter. Deswegen habe man beim Institut für Meteorologie die ersten 14 Patenschaften für die Hoch- und Tiefdruckgebiete im Jahr 2021 gekauft.

Mit der Kampagne #wetterberichtigung wolle man zeigen, "dass unsere Gesellschaft vielfältig ist, aber Menschen aus Einwandererfamilien oft unsichtbar bleiben". Vielen sei immer noch nicht bewusst, dass Menschen aus Einwandererfamilien längst keine kleine Minderheit mehr sind, "sondern der gesellschaftliche Standard".

Hochs Bozena, Chana und Elke

So kommt es, dass auf das Tief Ahmet ein Tief Bartosz folgen wird, dann Cemal und später Dimitrios. Die Hochs - die übrigens im Jahr 2021 allesamt weibliche Namen haben - werden zwar zunächst von Antje angeführt, dann aber kommen nacheinander Bozena, Chana oder Dragica, bevor schließlich ein Hoch Elke an der Reihe ist.

Eine Wetterkarte zeigt die Namen der Hochs und Tiefs über Europa.

Wetterkarte wird divers

Bisher waren die Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete in Mitteleuropa immer eine höchstamtliche Angelegenheit: Seit 1954 wurden sie regelmäßig am Institut für Meteorologie der FU Berlin erdacht. Mittlerweile aber können sogenannte "Wetterpatenschaften" übernommen werden.

Ein Tief mit dem eigenen Namen ist so für 249 Euro zu haben, ein schönes Hoch schlägt allerdings mit 360 Euro zu Buche. Der Grund: Hochdruckgebiete halten offenbar deutlich länger und verbleiben somit auch länger auf den Wetterkarten.

Mit dem Geld wird nach Angaben des Instituts die Fortführung der Klimabeobachtung und die "Studentische Wetterbeobachtung" am Institut finanziert.

Übrigens: Sollte es in diesem Jahr derart viele Tiefs geben, dass die Wetterfrösche einen zweiten Durchlauf der Namen machen müssen, gibt es für Männer noch eine Chance. Der Buchstabe X im zweiten Durchlauf ist noch zu vergeben.

Stand: 06.01.2021, 06:00

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