Natur pur - Rothaarsteig wird 20

Zwanzig Jahre Rothaarsteig 00:53 Min. Verfügbar bis 06.05.2022

Natur pur - Rothaarsteig wird 20

Als der Rothaarsteig vor 20 Jahren an den Start ging, war Marco Stöcker aus Bad Berleburg 14 und interessierte sich überhaupt nicht fürs Wandern. Inzwischen ist der Hobbyfotograf regelmäßig dort unterwegs und hat den Steig auch schon komplett erwandert. Im Interview erzählt er von der Faszination Rothaarsteig.

WDR: Marco Stöcker was verbindet sie mit dem Rothaarsteig?

Marco Stöcker: Ich lebe direkt neben dem Rothaarsteig. Als Kind haben meine Eltern mich und meinen Bruder schon zum Wandern hier rauf geschleppt. Das fanden wir damals nicht so toll. Da war die Play-Station interessanter. Aber mit den Jahren hat sich das gewandelt. Da hat sich die Perspektive gedreht, und ich hab entdeckt, wie schön unsere Heimat eigentlich ist.

WDR: Was macht für Sie als Wanderer und Hobby-Fotograf den Reiz des Rothaarsteigs aus?

Stöcker: Die Natur! Ich weiß gar nicht, was ich geiler finde: Wenn jetzt Anfang Mai der erste warme Regen fällt, und dann die ganze Natur explodiert. Oder wenn es Richtung Herbst geht - Richtung Sauerländer-Wittgensteiner Indian Summer. Wenn dann die Laubbäume in Verbindung mit den Fichten die tollen Farbbilder und Muster ergeben.

Oder auch letzten Winter: Da habe ich ganz tolle Drohnen-Aufnahmen gemacht. Es ist immer anders – die Lichtstimmung, die Farben - obwohl man die gleichen Stellen besucht. Ich find's großartig.

Marco Stöcker lebt am Rothaarsteig in Bad-Berleburg-Wingeshausen. Der 34-jährige Hobby-Fotograf ist regelmäßig auf seinen Heimetappen zwischen Rhein-Weser-Turm und Winterberg unterwegs. Im letzten Jahr ist er außerdem die gesamte Strecke von Dillenburg nach Brilon gewandert.

WDR: Im letzten Jahr sind Sie mit ihrem jüngeren Bruder zum ersten Mal die gesamten Strecke von Dillenburg nach Brilon gelaufen. In 6 Tagen mit 5 Übernachtungen. Wie war das?

Zwei Wanderer vor einer Hütte auf dem Rothaarsteig.

Marco Stöcker mit Bruder auf dem Steig

Stöcker: Das war hart. Ich weiß echt nicht, ob ich das nochmal machen würde. Jeden Tag 20 bis 30 Kilometer, bergauf und bergab. Das war ich nicht gewohnt - da waren wir abends echt fertig. Erst mit Waden-Massage und Magnesium-Gel aus der Apotheke haben wir uns da für den nächsten Tag wieder fit bekommen. Umso stolzer waren wir natürlich, als wir's geschafft haben.

WDR: Was fanden Sie am Wanderweg gut, was sollte ihrer Ansicht nach verbessert werden?

Stöcker: Gut fanden wir die Unterkünfte. Es war gar kein Problem, nur für eine Nacht zu buchen. Alle mit ausgiebigem Frühstück und ein Lunchpaket durfte man sich auch mitnehmen. Die Rothaarsteigs-Qualitätsbetriebe sind echt auf Wanderer eingestellt. Da gab's auch mal ein Blasenpflaster. Auf der Strecke war es schön, immer wieder interessante Menschen kennenzulernen und sich auszutauschen.

Der Rothaarsteig wurde am 6. Mai 2001 eröffnet. Er ist 154 Kilometer lang und lockt jedes Jahr rund 1,7 Millionen Besucher an den Rothaarkamm. Er war der erste Premiumwanderweg Deutschlands und der erste Fernwanderweg in NRW.

Nervig waren ab und zu die E-Biker. Wenn man selbst sich mühsam die Strecke erläuft, ist es schon irgendwie komisch, wenn andere mit Elektro-Unterstützung an einem vorbei sausen. Nicht falsch verstehen – ich fahre selbst E-Mountainbike. Aber an stark frequentierten Stellen würde ich mir wünschen, wenn man die Strecken für Wanderer und Mountainbiker vielleicht trennen könnte.

Das Interview führte Ulf Priester.

Stand: 06.05.2021, 16:35