"Zeit Online" erhält Datenschutz-Negativpreis "Big Brother Award"

Skulptur des Big-Brother-Awards

"Zeit Online" erhält Datenschutz-Negativpreis "Big Brother Award"

  • "Zeit Online" erhält einen "Big Brother Award"
  • Vorwurf: Google-Dienste genutzt und Werbetracker eingesetzt
  • "Zeit Online"-Chefredaktion reagiert

Das Online-Portal der Zeitung "Die Zeit" erhält einen der diesjährigen "Big Brother Awards". Die Datenschutz-Negativpreise werden vom Bielefelder Datenschutzverein Digitalcourage am kommenden Samstag (08.06.2019) verliehen. "Zeit Online" geht nach der Preisankündigung in die Offensive.

"Zeit Online" erhält Negativpreis in der Kategorie Verbraucherschutz

Wie die Chefredaktion von "Zeit Online" selbst am Dienstag Nachmittag (04.06.2019) in einem Blog-Eintrag bestätigte, erhält das Portal den "Big Brother-Award" in der Kategorie Verbraucherschutz.

Die Bielefelder Datenschützer von Digitalcourage werfen "Zeit Online" demnach vor, Werbetracker und Facebook-Pixel zu verwenden. Mit den Tools ist es möglich, Daten zu sammeln und den Besuchern der "Zeit Online"-Internetseiten individuell zugeschnittene Werbung zu zeigen.

Google-Dienste für Diskussionsplattform genutzt?

Auch das "Zeit Online"-Projekt "Deutschland spricht", eine Internet-Diskussionsplattform, steht im Fokus der Kritik von Digitalcourage. Laut der Bielefelder Datenschützer hat das Portal dazu Google-Dienste genutzt.

"Damit werden politische Ansichten von Menschen auf Servern in den USA gespeichert", heißt es in der Kurzbegründung von Digitalcourage, die "Zeit Online" im eigenen Blog-Eintrag öffentlich gemacht hat.

In der Kurzbegründung von Digitalcourage heißt es weiter, dass Google überdies ein Nebenprojekt von "Deutschland spricht" finanziert habe. "Ein faustischer Pakt mit einer der größten Datenkraken", so Digitalcourage, der "die journalistische Unabhängigkeit beschädigt".

"Zeit Online": Vorwürfe nur teilweise richtig

Laut "Zeit Online" sind die Vorwürfe von Digitalcourage nur teilweise zutreffend. So sei es richtig, dass auf den Internetseiten Werbung ausgespielt werde, und der Facebook-Pixel sowie Werbetracker eingesetzt würden. Diese mache "Zeit Online" mit einem Link ersichtlich. Die individualisierte Werbung sei zudem abschaltbar.

Beim Projekt "Deutschland spricht", räumt "Zeit Online" ein, nutze man derzeit nur einen vorgeschalteten Google-Dienst, der unerwünschte Internet-Attacken blockiere. Lediglich im allerersten Testlauf von "Deutschland spricht" seien Dienste von Google verwendet worden, unter anderem einer von Google Apps, um Daten zu speichern. Die Redaktion von "Zeit Online" sei "journalistisch unabhängig".

Stand: 06.06.2019, 10:44