Vor 60 Jahren: Das Zechensterben in NRW beginnt in Minden

Das Steinkohlebergwerk Minden in den 1950er Jahren

Vor 60 Jahren: Das Zechensterben in NRW beginnt in Minden

Von Jörn Haarmann

  • Steinkohlezeche Minden vor 60 Jahren stillgelegt
  • Erstes Bergwerk in NRW, das nach dem Krieg schloss
  • Gelände ist hoch schadstoffbelastet

Vor genau 60 Jahren begann in NRW das "Zechensterben". Am ersten November 1958 wurde als erste Zeche das Steinkohle-Bergwerk Minden in Ostwestfalen stillgelegt, noch vor allen anderen im Ruhrgebiet. Die Förderung lohnte sich nicht mehr.

400 Kumpel schufteten in Minden unter Tage

Jahrhundertelang wurde auch an der Weser auf mehreren Zechen Steinkohle gefördert. Allerdings waren die Kohlevorkommen bald erschöpft. Deshalb bestanden die Mindener Zechen jeweils nur wenige Jahrzehnte. Die zuletzt verbliebene Schachtanlage "Notthorn" beschäftigte zeitweise bis zu 400 Kumpel.

Das Bergwerk Minden gestern und heute

Das Steinkohlebergwerk Minden wurde vor genau 60 Jahren (01.11.1958) stillgelegt, als erste Zeche in Nordrhein-Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Steinkohlebergwerk Minden in der 1950er Jahren

Das Bergwerk Minden kurz vor der Stillegung 1958. Auf der zuletzt verbliebenen "Schachtanlage Notthorn" arbeiteten zu Hochzeiten bis zu 400 Kumpel.

Das Bergwerk Minden kurz vor der Stillegung 1958. Auf der zuletzt verbliebenen "Schachtanlage Notthorn" arbeiteten zu Hochzeiten bis zu 400 Kumpel.

Heute stehen von den Zechengebäuden nur noch wenige Ruinen; das Maschinenhaus (links) sowie die Waschkaue und die Verwaltung (rechts).

Die Natur holt sich die ehemaligen Zechengebäude stückweise zurück. Sie dürfen nicht abgerissen werden, weil sie seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz stehen. Sie verfallen aber nach und nach und sind einsturzgefährdet.

Nach Ende des Bergbaus auf der Mindener Zeche übernahm in den 1960er-Jahren ein Chemiebetrieb das Gelände. Im ehemaligen Maschinenhaus des Bergwerks soll sich eines seiner Versuchslabore befunden haben.

Allerdings gab es einen Unfall, der große Teile des Erdreichs verseuchte. Heute gehört die Industriebrache dem Land NRW, das sie geerbt hat. Die hohe Schadstoffbelastung des Bodens verhindert jedoch die Vermarktung des Geländes. Die immensen Sanierungskosten schrecken Investoren ab, so die Erfahrung der zuständigen Detmolder Bezirksregierung.

Die Bergleute auf "Schacht Notthorn" holten die Steinkohle aus bis zu 500 Metern Tiefe. Weil das Gebirge - wie Bergleute sagen - so hohen Druck ausübte, konnten die dortigen Stollen nicht richtig ausgearbeitet werden, erzählt Günther Lingnau, der jahrelang auf der Zeche einfuhr. "Wir mussten im Liegen arbeiten, weil die Decken der Stollen so niedrig waren. Und es war nass. Wasser tropfte ständig runter, lief Dir in den Kragen rein und unten wieder raus."

Kohleabbau wurde unwirtschaftlich

Hinzu kam, dass der Mindener Flöze nicht besonders ergiebig waren. Irgendwann rechnete sich der mühselige Steinkohleabbau per Hand nicht mehr. Viele der Kumpel fanden später in der Industrie neue Arbeit, etwa bei der Conti-Reifenfabrik in Hannover.

Tschüss Bergbau!

WDR 5 Westblick - aktuell | 31.10.2018 | 04:47 Min.

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Nach Ende des Bergbaus nutzte ein Chemiewerk vorübergehend die Flächen und Gebäude der Zeche. Dann kam es zu einem Unfall, der große Teile des Erdreichs verseuchte.

Heute gehört das historische Gelände dem Land, das es wegen des Unfalls nicht verkaufen kann. "Der Boden ist zu belastet", sagt Marion Freimuth, zuständige Sachbearbeiterin bei der Bezirksregierung Detmold. "Zweites Problem sind die denkmalgeschützten Gebäude. Die Sanierung wäre für Investoren viel zu teuer, um daraus irgendwas zu machen."

Unterdessen holt sich die Natur das Gelände Stück für Stück zurück; Vögel haben die verbliebenen Reste des Maschinenhauses, der Waschkaue und Verwaltung erobert. Metallzäune sichern die Ruinen, in die es hinein regnet.

Die Stadt Minden will sich nicht groß mit ihrer Steinkohle-Vergangenheit beschäftigen. Man setze beim Image lieber auf die touristisch reizvolle Lage an der Weser, heißt es vom Stadtmarketing. "Deswegen werden künftig nur noch Straßennamen an die Zechen in Minden erinnern. Wirklich bedauerlich", sagt Ex-Bergmann Günther Lingnau. "Ich fühle mich wie der letzte Mohikaner".

Stand: 01.11.2018, 06:00