Bielefelder Studie: Wohnungslose in Notunterkünften haben hohes Corona-Infektionsrisiko

Symbolbild: Ein Obdachloser schläft improvisiert einer Decke in einer Unterführung

Bielefelder Studie: Wohnungslose in Notunterkünften haben hohes Corona-Infektionsrisiko

Wohnungslose sind besonders gefährdet, sich mit Corona zu infizieren. Das zeigt eine neue Studie der Universitäten Bielefeld und München, die am Freitag bekannt wurde. Besonders in Notunterkünften ist das Infektionsrisiko demnach groß.

Sowohl Wohnungslose als auch Mitarbeitende in Notunterkünften laufen besonders Gefahr, sich zu infizieren, so Gesundheitswissenschaftler Dr. Kayvan Bozorgmehr von der Universität Bielefeld. Im Falle eines akuten Corona-Ausbruchs in Notunterkünften steige der Anteil infizierter Bewohner*innen von rund 2 auf 32 Prozent, und der bei den Mitarbeitenden von circa 1,6 auf 15 Prozent.

Problematische Raumsituation macht es dem Virus oft leicht

Beengte Unterkünfte in der kalten Jahreszeit sowie gemeinsame Toiletten und Duschen - darin sehen die Bielefelder und Münchner Epidemiologinnen und Epidemiologen für das Corona-Virus besonders gute Verbreitungsmöglichkeiten.

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Sie hatten internationale Studien ausgewertet - unter anderem aus den USA, Großbritannien, Frankreich und Italien - die das Risiko und die Auswirkungen von Corona auf wohnungslose Menschen untersucht haben. "In Deutschland wurden bisher noch keine Studien zu dem Thema in Fachzeitschriften veröffentlicht, aber im Kern finden wir hier dieselben Muster", so Kayvan Bozorgmehr.

Gegenmaßnahme: Vor allem viel testen

Das Forscherteam hat sich außerdem angesehen, welche Gegenmaßnahmen die internationalen Studien empfehlen, um das Infektionsrisiko für Wohnungslose und Mitarbeiter*innen in Notunterkünften zu senken. Und dabei setzen die Wissenschaftler vor allem auf möglichst häufiges und umfassendes Testen in den Einrichtungen - und auf getrennte Räume für die positiven und negativen Fälle und für diejenigen, deren Ergebnisse noch ausstehen.

Bessere Zusammenarbeit mit Krankenhäusern

Zudem sollten die Betten in den Einrichtungen weit genug auseinander stehen und Mahlzeiten gestaffelt ausgegeben werden - alles unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln. Schließlich noch könne helfen - so die Fachstudien - wenn die Unterkünfte besser und enger mit den Laboren und Krankenhäusern zusammenarbeiteten.

Einige Wohnungslose vermeiden Notunterkünfte

Klar ist: Knapp ein Viertel der obdachlosen Menschen vermeidet laut einer kalifornischen Studie Notunterkünfte, aus Angst, sich anzustecken. Nach aktuellen Schätzungen sind allein in Deutschland rund 688.000 Menschen wohnungssuchend und ohne festen Wohnsitz.

Obdachlos – und kein Weg zurück? Planet Wissen 07.04.2021 58:55 Min. UT Verfügbar bis 07.04.2026 SWR

Stand: 23.07.2021, 20:36